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Die USA-Begeisterung der Deutschen schwindet.

USA

Transatlantischer Graben

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Eine Umfrage zeigt, wie sich die Wahrnehmung zum Verhältnis von Deutschen und US-Amerikanern zueinander verändert

So unterschiedlich können die Wahrnehmungen sein: Fast drei Jahre nach Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump bezeichnen 75 Prozent der Amerikaner die Beziehungen ihres Landes zu Deutschland als gut. Fast zwei Drittel der Deutschen sind dagegen völlig anderer Ansicht. Das Verhältnis zu den USA sei schlecht, sagen sie. Das geht aus einer Umfrage des Forschungsinstituts Pew Research aus Washington und der deutschen Körber-Stiftung hervor, die in der Nacht zu Dienstag veröffentlich wurde.

Die Umfrage wird seit Jahren gemacht. Doch selten war der Unterschied in der Wahrnehmung des jeweils anderen Landes so groß. Zwar geben im Vergleich zu 2017 mehr Deutsche an, dass die Beziehungen zu den USA gut seien. 2018 waren es nur 24 Prozent, heute sind es 34 Prozent. Doch 2017, als Trump ins Weiße Haus einzog, glaubten noch 42 Prozent der Deutschen nach der repräsentativen Umfrage an ein gutes Verhältnis zu Amerika.

Auffallend ist, dass das Drängen Trumps nach einer Erhöhung der europäischen Verteidigungsausgaben offenbar von der US-Bevölkerung nicht unterstützt wird. Nur 35 Prozent der Befragten gaben an, dass die Europäer mehr Geld für die Verteidigung ausgeben sollten. 50 Prozent sagten dagegen, die Ausgaben sollten bleiben wie sie sind. In Deutschland sind 40 Prozent der Befragten für eine Erhöhung, 41 Prozent dagegen, und 15 Prozent der Umfrageteilnehmer plädieren für geringere Ausgaben.

Vor einigen Jahren war das noch anders. 2017 forderten noch 45 Prozent der Amerikaner höhere Verteidigungsausgaben in Europa. Dagegen sind die Deutschen offenbar spendabler geworden, wenn es um Verteidigung geht. 2017 waren es lediglich 32 Prozent der Befragten, die für höhere Verteidigungsausgaben plädierten.

Unterschiedliche Werte zeigt die Erhebung auch in der Frage, wie bedeutsam die US-Militärstützpunkte in Deutschland sind: 85 Prozent der US-Amerikaner sagen, die Stützpunkte seien sehr wichtig für die nationale Sicherheit der USA. Dagegen sagen das nur 15 Prozent der Befragten in Deutschland, 37 Prozent geben an, die US-Kasernen in Deutschland seien einigermaßen wichtig. Dagegen glauben 45 Prozent der Deutschen, dass die US-Stützpunkte mit etwa 35 000 Soldaten nicht sehr oder überhaupt nicht wichtig für die Sicherheit Deutschlands seien.

Deutschland auf Platz 5

Der Umfrage zufolge wünschen sich 69 Prozent der Amerikaner mehr Zusammenarbeit mit der Bundesrepublik. In Deutschland sind es nur 50 Prozent. Während 61 Prozent der Amerikaner die bilateralen Beziehungen ihres Landes mit Deutschland als Priorität ansehen, sagen das nur 39 Prozent der Deutschen von den USA. Hier wollen 25 Prozent mehr Zusammenarbeit mit Russland. Allerdings sagen 30 Prozent der gut 1000 Umfrageteilnehmer, dass gute Beziehungen sowohl zu den USA als auch zu Russland wichtig seien.

Leicht gestiegen ist die Zahl der Deutschen, die die USA als wichtigsten außenpolitischen Partner ihres Landes ansehen. 2018 waren es 35 Prozent, 2019 sind es 42 Prozent. Der wichtigste Partner bleibt Frankreich. Das sagen 60 Prozent der Befragten in Deutschland.

Anders ist das Bild in den USA: Dort sagen 36 Prozent, das Brexit-Land Großbritannien sei der wichtigste Partner. China und Kanada folgen mit 23 und 20 Prozent. Deutschland kommt mit 13 Prozent auf Platz 5.

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