Obama-Memoiren „A Promised Land“

Barack Obama: Donald Trump soll sich seinem Land verpflichten

  • Matthis Pechtold
    vonMatthis Pechtold
    schließen
  • Delia Friess
    Delia Friess
    schließen

Barack Obama lässt seine acht Jahre als US-Präsident in der gerade veröffentlichten Autobiografie Revue passieren. - und hat noch einen Rat für Donald Trump.

  • A Promised Land: Ex-Präsident Barack Obama veröffentlicht am 17. November seine Memoiren und analysiert, warum Donald Trump Präsident werden konnte.
  • In einem Interview für CBS appelliert Obama an Trump, seine Niederlage bei der US-Wahl zu akzeptieren.
  • US-Wahlen 2020: In seinem Buch schreibt Barack Obama über die Radikalisierung der Republikaner.

Update vom Dienstag, 17.11.2020, 16.00 Uhr: Barack Obama hat heute seine Autobiografie „A Promised Land“ veröffentlicht. Im Buch, auf Deutsch unter dem Namen „Ein verheißenes Land“ erhältlich, gibt der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten detaillierte Einblicke in seine Amtszeit und kommentiert ausführlich seine Erfahrung mit den Staats- und Regierungschef:innen anderer Länder. Das Buch, bisher in 25 Sprachen übersetzt, umfasst 1024 Seiten. Es soll nur der erste von mehreren Bänden sein.

In einem Interview im Rahmen der Show „60 Minutes“ des Senders CBS hat Barack Obama, der 2008 zum ersten Schwarzen Präsident der USA gekürt wurde, sein Buch vorgestellt – und sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, an seinen Intimfeind und Verlierer der US-Wahl 2020 Donald Trump zu appellieren. Er solle sich an erster Stelle dem Land verpflichten und seine Wahlniederlage akzeptieren, sagte er dem Interviewer Scott Pelley.

Dass Donald Trump sich weiter an das Amt klammere signalisiere den Gegnern der USA Schwäche, wie schon die Ereignisse der vergangenen Jahre. Auch zur Schwierigkeit, sein Familienleben mit der Präsidentschaft zu vereinbaren, gab Barack Obama im Interview Auskunft. Dass er die Wahl 2008 dann gewann, hätte seiner Frau Michelle Obama ebenso wenig Last von den Schultern genommen: „der Tribut, den es [eine US-Präsidentschaft, Anm. d. Red] Familien abverlange, sei hoch.“.

Auch Donald Trump war vor einigen Wochen zu Gast in der Sendung von CBS - er brach das Gespräch mit Moderatorin Lesley Stahl nach rund 20 Minuten ab.

Keine Freunde: Barack Obama und Donald Trump am Tag nach Trumps Wahl 2016 im Weißen Haus

Update vom Sonntag, 15.11.2020, 07:27 Uhr: Die ehemalige Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner, Sarah Palin, hat auf die Worte in den Memoiren des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama reagiert. Palin störte sich vor allem an dem Part des Buches, in dem sie als Vorreiterin eines „xenophoben, anti-intellektuellen und paranoiden“ Flügels innerhalb der republikanischen Partei bezeichnet wird.

„Es ist schon erfreulich zu wissen, dass ich ihm seit zwölf Jahren nicht aus dem Kopf gehe“, sagte die Gouverneurin von Alaska in einem Interview mit dem rechtsgerichteten Fernsehsender Newsmax TV. Den Titel des Buches („A Promised Land“) nannte Sarah Palin „gruselig“ und sagte in Richtung Barack Obama: „Wer glaubt er, dass er ist? Moses? Das klingt so nach 2008.“

Sarah Palin attackiert im Interview mit Newsmax TV Ex-Präsident Barack Obama und verteidigt Donald Trump.

Sarah Palin: Donald Trump kämpft gegen verschiedene Feinde

Sarah Palin war 2008 an der Seite von John McCain in den Wahlkampf gegen Barack Obama und Joe Biden gezogen. Die Republikaner verloren die Wahl, Palin ging zurück nach Alaska. Seit 2016 tritt sie regelmäßig als Unterstützerin des abgewählten Präsidenten Donald Trump auf.

Laut Sarah Palin verstehen weder Barack Obama noch die „Mainstream Medien“, nicht einmal ihre eigene Partei die Bewegung, die sie gestartet und die Donald Trump fortgesetzt habe. „Ich wurde nicht zur Amtseinführung eingeladen und ich durfte nicht auf unserem Parteitag reden“, sagte Palin. Für Trump hatte sie nur warme Worte übrig. Er würde gegen drei Gegner gleichzeitig kämpfen: Die Demokraten, die Medien und die eigene Partei.

Erstmeldung vom 13. November 2020: Washington - Nach vier Jahren Donald Trump versucht sein Vorgänger Barack Obama zu analysieren, wie es dazu kommen konnte. „A Promised Land“ will die Veränderungen in den USA seit seiner Präsidentschaft 2008 und der Entwicklung der Polarisierung bis zu Donald Trump reflektieren. Obamas 768 Seiten langes Buch erscheint am 17. November und zeitgleich auch in Deutschland unter dem Titel „Ein verheißenes Land“.

Donald Trump: Obama sieht sich als Auslöser für US-Polarisierung

„Es war, als ob allein meine Anwesenheit im Weißen Haus eine tiefsitzende Panik losgelöst hätte, eine Vorstellung, dass die natürliche Ordnung gestört worden sei“, schreibt Obama in seinem Buch über seine Wahl zum ersten schwarzen Präsidenten der USA. In dieser Atmosphäre habe Donald Trump mit den Behauptungen angefangen, dass Obama nicht in den USA geboren und daher kein legitimer Präsident der USA sei. „Millionen von Amerikanern, die über einen Schwarzen im Weißen Haus erschrocken waren, versprach er ein Heilmittel für ihre rassistischen Ängste.“, so Obama. Obama schreibt aber auch darüber, welche Ängste und Bedenken um die Sicherheit ihrer Familie die Birther-Behauptung Donald Trumps bei seiner Frau Michelle Obama auslösten.

Barack Obama: Donald Trump spreche der Demokratie die Legitimation ab

Das Vorwort des neuen Buches von Obama veröffentlichte die Zeitung The Atlantic vorab. Darin schreibt Obama, dass sich die US-Demokratie nicht erst seit Donald Trumps Wahlsieg 2016 in einer Krise befinde. Die Krise sei vielmehr in einem fundamentalen Kampf zwischen zwei gegensätzlichen Visionen, was Amerikas sei und sein sollte, verwurzelt. Ein Bruch der institutionellen Normen sei die Folge gewesen.

Barack Obama sieht sich als Auslöser für die Polarisierung in den USA.

Obama habe aber festes Vertrauen in Joe Biden und Kamala Harris. Allerdings könne eine einzelne Wahl nichts grundlegend ändern. „Unsere Spaltungen sind tief, unsere Herausforderungen sind gewaltig.“, so Obama. In einem Interview mit CBS News warnte Obama, dass Trumps Verhalten ein weiterer Schritt sei, nicht nur der neuen Biden-Regierung, sondern auch der Demokratie insgesamt ihre Legitimation abzusprechen. „Das ist ein gefährlicher Pfad.“, so Obama.

Donald Trump: Spaltung der amerikanischen Politik im Wahljahr 2008

Die Polarisierung habe sich laut Obamas an Sarah Palin als Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin durch den dann unterlegenen republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain geäußert: „Mit Palin schien es, als würden die dunklen Geister, die schon lange am Rand der modernen Republikanischen Partei lauerten - Fremdenfeindlichkeit, Anti-Intellektualismus, paranoide Verschwörungstheorien, eine Antipathie gegenüber Schwarzen und Braunen - ihren Weg auf die Hauptbühne finden.“

Mit der Wahl Palins als Running Mate habe McCain „für die Vorlage gesorgt für künftige Politiker, für eine Verschiebung des Zentrums seiner Partei und der Politik des Landes insgesamt in eine Richtung, die er verabscheute“, so Obama. McCain starb 2018. Obama schreibt laut CNN auch, dass er sich vorstelle, dass McCain sich im Nachhinein wahrscheinlich anders entschieden hätte. McCain gilt als vehementer Kritiker Donald Trumps.

Barack Obama über Joe Biden: Anständig, ehrlich und loyal

Der Rezensent Harry Siegel vom Nachrichtenportal „The Daily Beast“ würde sich einige Sätze aus Obamas Biographie in den Büchern Trumps wünschen. Nach vier Jahren Trump sei es erfrischend, wieder zu erfahren, wie nüchtern und frisch Politik sein könne.

Über Joe Biden schreibt Barack Obama in seinem neuen Buch auch: Joe Biden sei anständig, ehrlich und loyal. Aber er könne auch „pieksig“ werden, wenn er nicht das bekomme, was ihm zustehe. (Delia Friess mit Agenturen)

Rubriklistenbild: © Michael Reynolds/EPA/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare