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Erfolg für Joe Biden: US-Bahnstreik abgewendet – vorläufige Einigung der Tarifparteien

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Von: Johanna Soll

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Ein Streik von Güterbahnmitarbeiter:innen in den USA ist vorerst abgewendet worden
Ein Streik von Güterbahnmitarbeiter:innen in den USA ist vorerst abgewendet worden © Hans Pennink/dpa

Ein Streik der Eisenbahner:innen in den USA ist vorläufig abgewendet worden. Bei den Tarifverhandlungen ging es den Gewerkschaften nicht nur um Lohnerhöhungen.

Washington D.C. – Ein Streik von Güterbahnmitarbeiter:innen in den USA ist vorerst abgewendet worden. Das Weiße Haus gab am Donnerstagvormittag (15. September, Ortszeit) eine vorläufige Tarifeinigung zwischen Gewerkschaften und Schienenfrachtunternehmen bekannt. US-Präsident Joe Biden bezeichnete den Kompromiss als „wichtigen Sieg für Wirtschaft und Amerikaner“.

Expert:innen hatten den ab Freitag (16. September) drohenden Streik als großes Risiko für die US-Konjunktur betrachtet, da ein wesentlicher Teil des Güterverkehrs betroffen gewesen wäre. Die bestehenden Probleme in den Lieferketten wären durch die Arbeitsniederlegung noch verstärkt worden. Vollständig gebannt ist die Gefahr allerdings noch nicht – die Gewerkschaften müssen die Einigung noch abschließend in einer Abstimmung bestätigen.

US-Eisenbahner:innen: Bisher keine Krankheitstage

In einer Erklärung Joe Bidens hieß es, die Einigung garantiere den Arbeitnehmer:innen eine „bessere Bezahlung, verbesserte Arbeitsbedingungen und Sicherheit in Bezug auf ihre Gesundheitskosten“.

Zwei Personen mit Kenntnis von der noch nicht veröffentlichten Tarifeinigung sprachen mit der Washington Post darüber. Demnach enthalte die Vereinbarung neue Urlaubsregelungen inklusive Krankheitsurlaub. Dies hatten die Eisenbahner:innen gefordert, denn bisher müssen Zugführer:innen und Ingenieur:innen an 14 Tagen am Stück jeweils 12 Stunden am Tag auf Abruf bereitstehen. Ein medizinischer Notfall oder auch nur ein Arztbesuch mit Krankschreibung bedeutete Sanktionsmaßnahmen oder die Kündigung.

Die Verhandlungsführer hatten bis Freitag (16. September) bis 00:01 Uhr (Ortszeit) Zeit, um eine Einigung zu erzielen, damit ein Bahnstreik mit gravierenden Auswirkungen auf die US-Wirtschaft abgewendet wird. Fachleute schätzen, ein solcher Streik hätte rund zwei Milliarden Dollar pro Tag gekostet. Der Güterverkehr wäre massiv behindert und auch die Nahverkehrsverbindungen im gesamten Land lahmgelegt worden. Streikposten waren in mehreren Städten geplant. Daraus resultierende Lieferkettenprobleme hätten zu weiteren Preisanstiegen geführt.

Eisenbahnindustrie in den USA: 20 Milliarden Dollar Gewinn in 2021

Die politischen Folgen eines Bahnstreiks weniger als zwei Monate vor den Midterms am 8. November hätten für die Demokraten verheerend sein können. Denn sie wären – allen voran von den Republikanern – dafür verantwortlich gemacht worden, keine Einigung erzielt zu haben. Joe Biden war die gesamte Woche über an den Verhandlungsgesprächen beteiligt gewesen.

Nach einem Verhandlungsmarathon von 20 Stunden erhalten Eisenbahner:innen nun freie Tage, eine Lohnerhöhung um 24 Prozent bis 2024 – und eine sofortige Erhöhung um 13,5 Prozent, einen Jahresbonus von 1000 Dollar über die nächsten fünf Jahre und die Eigenbeteiligung der Krankenversicherungsbeiträge werde neu kalkuliert. Die Eisenbahnindustrie hatte im vergangenen Jahr Gewinne in Höhe von 20 Milliarden Dollar erzielt und sich dennoch geweigert, ihren Mitarbeiter:innen bessere Arbeitsbedingungen zu gewähren.

Joe Biden hatte im Juli einen Notfallausschuss ernannt, um einen Streit zu schlichten und einen Bahnstreik zu vermeiden. Die bereits zwei Jahre andauernden Verhandlungen zwischen sechs der größten US-Frachtunternehmen und zwölf Eisenbahngewerkschaften, die 115.000 Eisenbahner:innen vertreten, steckten fest und ein Streik drohte. Der Vorschlag des Notfallausschusses beinhaltete deutliche Lohnerhöhungen, ging jedoch nicht auf die Abwesenheitsregelungen für die Arbeitnehmer:innen ein.

„In dieser Verhandlungsrunde geht es nicht um Löhne“, sagte Jared Cassity, Zugführer und einer der Vorsitzenden der SMART Transportation Division, einer der Eisenbahngewerkschaften. „Es geht um Abwesenheitsregelungen und die Möglichkeit für die Leute, ärztliche Vorsorgeleistungen ohne Strafen in Anspruch zu nehmen. Leute werden gefeuert, weil sie zum Arzt gehen, sogar mit Nachweisen von Ärzten.“ (jso/dpa)

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