Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Diskussion um Gewalt

Ausschreitungen in Washington: Donald Trump beschuldigt „Antifa-Leute“ und wettert wieder gegen Wahl

  • Marcel Richters
    vonMarcel Richters
    schließen

Donald Trump streitet weiter jede Verantwortung am Sturm auf das Kapitol ab. Schuld ist laut des US-Präsidenten die „Antifa“.

  • Für die Ausschreitungen in Washington sollen Mitglieder von Antifa-Gruppen verantwortlich sein.
  • Medien und Politiker:innen in den USA verbreiten entsprechende Gerüchte. Im Vorfeld hatte US-Präsident Donald Trump vor Antifa-Gruppen in Washington gewarnt.
  • In einem Telefonat mit Kevin McCarthy wiederholt der US-Präsident die unbewiesenen Anschuldigungen. McCarthy widerspricht Donald Trump: „Hören Sie auf. Es ist vorbei.“

Update vom Dienstag, 12.01.2021, 12.33 Uhr: US-Präsident Donald Trump macht einem Bericht der Nachrichten-Website „Axios“ zufolge „Antifa-Leute“ für die Stürmung des Kapitols in Washington am Mittwoch (06.01.2021) verantwortlich. Dagegen gibt es eindeutige Video- und Dokumentationsnachweise, die zeigen, dass Trump-Anhänger:innen die Unruhen ausgelöst haben. Auch das berichtet „Axios“.

Donald Trump: Angespanntes Telefongespräch mit McCarthy

Während eines Telefongesprächs habe Kevin McCarthy, Fraktionsvorsitzender der Republikaner im Repräsentantenhaus, dem US-Präsidenten mitgeteilt, dass es unbestritten keinerlei Hinweise auf eine Beteiligung von Antifa-Mitgliedern an der Belagerung des Kapitols in Washington gegeben habe. Ein Beamter des Weißen Hauses sagte gegenüber „Axios“, dass das Gespräch sehr angespannt gewesen sei. Donald Trump habe wiederholt über Betrug bei der US-Wahl 2020 gesprochen, woraufhin McCarthy erwiderte: „Hören Sie auf. Es ist vorbei. Die Wahl ist vorbei.“

Der Fraktionsvorsitzende der Republikaner, Kevin McCarthy, hat Donald Trump in einem Telefonat erklärt, dass es keine Beweise für die Beteiligung von Antifa-Mitgliedern beim Sturm auf das Kapitol gibt.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs soll laut dem Bericht von „Axios“ McCarthy den US-Präsidenten aufgefordert haben, sich mit Joe Biden zu treffen und seinem Nachfolger außerdem der Tradition folgend einen Willkommensbrief auf dem Schreibtisch des Oval Office zu hinterlassen. Donald Trump habe ihm daraufhin gesagt, dass er noch nicht wisse, ob er dies tun wolle.

Stürmung des Kapitols in Washington: XRVision weist Behauptung von Republikaner zurück

Update vom Freitag, 08.01.2021, 9.47 Uhr: Nachdem der republikanische Abgeordnete Matt Gaetz im Repräsentantenhaus behauptet hatte, das Unternehmen XRVision hätte Beweise für eine Beteiligung von „Antifa-Infiltratoren“ an den Ausschreitungen am Capitol Hill in Washington, hat das Unternehmen diese Behauptung zurückgewiesen. Zuvor hatte die konservative Tageszeitung „Washington Times“ berichtet, dass XRVision über die entsprechenden Daten verfüge. Der entsprechende Bericht wurde von mehreren republikanischen Politiker:innen aufgegriffen.

Die Washington Times hat sich inzwischen für die falsche Berichterstattung entschuldigt und ihre Angaben korrigiert. Laut der Nachrichtenagentur AFP handelt es sich bei einer der Personen, deren Bild im Zusammenhang mit dem Bericht in sozialen Netzwerken verbreitet wurde, um den Gründer der rechtsextremen „Maryland Skinheads“. Beweise, dass tatsächlich Antifa-Gruppen an dem Sturm auf das Kapitol in Washington beteiligt waren, gibt es bisher nicht.

Dieser Mann sollte laut einem Bericht Mitglied der Antifa sein. Inzwischen ist klar: Er ist Gründer der rechtsextremen Maryland Skinheads.

Politiker und rechte Medien in USA geben Antifa Schuld an Ausschreitungen

Erstmeldung vom Donnerstag, 07.01.2021, 12.51 Uhr: Washington – Der Schock nach dem Angriff auf das Kapitol in Washington sitzt in den USA tief. Viele rechte Medien und Politiker:innen machen sich nun auf die Suche nach Schuldigen und sind überzeugt: „die Antifa“ steht hinter den Ausschreitungen.

Prominente Politiker geben Antifa Schuld an Ausschreitungen in Washington

Ein prominenter der Vertreter dieser Ansicht ist Matt Gaetz, der Florida für die Republikaner im Repräsentantenhaus vertritt. In einer Rede vor seiner Kammer sagte Gaetz: „Some of the people who breached the Capitol today were not Donald Trump supporters, they were masquerading as Trump supporters and in fact were members of the violent terrorist group antifa.“ Als Beweis führt Gaetz Daten eines nicht näher genannten Gesichtserkennungsunternehmens an.

Allein, dass „die Antifa“ als Ganzes nicht existiert, sondern lediglich verschiedene Antifa-Gruppen, macht es unwahrscheinlich, dass tausende organisierte Antifaschist:innen das Parlamentsgebäude der USA in Washington stürmen. Dennoch machte das Gerücht schnell die Runde in sozialen Netzwerken. Neben Gaetz verbreiteten Ken Paxton, Generalstaatsanwalt von Texas, die ehemalige republikanische Vize-Präsidentschaftskandidatin Sarah Palin und der republikanische Kongressabgeordnete Mo Brooks die Meldung.

Palin sagte gegenüber dem US-Sender Fox News, dass die Gewalt „unpatriotisch“ sei und Konservatismus auf der Basis von Recht und Gesetz stehe. „Wir wissen nicht, wer die Anstifter waren“, so Palin. Es gebe Bilder von denselben Personen, die im Kapitol fotografiert wurden, die diese Personen auf Protesten „auf der anderen Seite“ zeigen, so die ehemalige Governeurin von Alaska. Beweise für die Theorie, dass es sich bei den gewalttätigen Angreifern um Mitglieder Antifa-Gruppen handelt, bleibt Palin dennoch schuldig.

Medien verbreiten Vorwürfe gegen Antifa nach Gewaltexzess in Washington

Nicht nur ihre Interviewpartner:innen, sondern auch die Verantwortlichen in einigen US-Medien greifen den Vorwurf auf, dass Mitglieder von Antifa-Gruppen die Gewalt in Washington gesät hätten. „Ich höre von einigen Leuten vor Ort, dass sich die Frage stellt, ob die Antifa die Trump-Kundgebung infiltriert hat und Unruhen schürt“, sagte Emerald Robinson vom rechtskonservativen Sender Newsmax.

Auch Brit Hume von Fox News sagte auf Twitter, niemand solle „überrascht sein, wenn wir in den kommenden Tagen erfahren, dass die Trump-Krawallmacher von Linksextremisten infiltriert wurden“.

Donald Trump warnte vor Krawallen vor Antifa in Washington

Bereits am Vortag der gewaltätigen Krawalle in Washington hatte US-Präsident Donald Trump vor Antifa-Gruppen in der Stadt gewarnt. Auf Twitter schrieb er: „Antifa ist eine terroristische Organisation, bleibt weg aus Washington. Die Strafverfolgungsbehörden beobachten euch sehr genau!“

Ob auch Donald Trump davon überzeugt ist, dass antifaschistische Gruppen die Gewalt in Washington angestachelt haben, ist unklar. Die Accounts des scheidenden Präsidenten in diversen sozialen Netzwerken sind gesperrt, gegenüber der Presse hat sich Trump zu dem Thema bisher nicht geäußert.

Diskussion über Antifa und Gewalt in Washington auch in Deutschland

In Deutschland nimmt die Diskussion um die Gewalt in Washington und die Rolle antifaschistischer Gruppen ebenfalls an Fahrt auf. Zwar bleiben Vorwürfe, antifaschistische Gruppen hätten die Ausschreitungen angeführt aus. Dafür mehren sich Vergleiche zwischen den rechtsextremen Angreifern und antifaschistischen Gruppen. Der CDU-Politiker Thomas Heilmann vergleicht die rechtsextremen Randalierer, von einigen US-Medien als „Terroristen bezeichnet“, mit Antifaschist:innen. Heilmann wörtlich bei Twitter: „Egal ob #Trump, #noAfD oder Antifa... Polarisierung & Hetze führen immer zu Hass und Gewalt!“.

Die Grünen-Politikerin Marina Weisband schreibt auf Twitter bezogen auf die Proteste: „Deshalb brauchen wir übrigens die Antifa“. Ihr Widersprechen der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Müller, der bayrische CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Florian Hahn schreibt zu einem anderen Tweet eines Grünen-Abgeordneten: „Es geht mir nicht in den Kopf, wie man angesichts der gewalttätigen und antidemokratischen Ereignisse in den USA Werbung für gewalttätige Antidemokraten in Deutschland machen kann“. Inwiefern Antifaschismus gleichzeitig antidemokratisch ist, erläutern die Politiker von CDU und CSU in ihren Stellungnahmen nicht. (Marcel Richters)

Rubriklistenbild: © Jacquelyn Martin

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare