USA, Houston: Ein Mann joggt mit einer Nationalflagge der Vereinigten Staaten eine Straße entlang. Am 4. Juli feiern US-Amerikaner jedes Jahr den „Independence Day“.
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USA, Houston: Ein Mann joggt mit einer Nationalflagge der Vereinigten Staaten eine Straße entlang. Am 4. Juli feiern US-Amerikaner jedes Jahr den „Independence Day“.

„American Dream“ und Co.

USA: Das ist das Land der „unbegrenzten Möglichkeiten“

  • Isabel Wetzel
    vonIsabel Wetzel
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Die USA sind eine Weltmacht, gelten als das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ und sind so divers, dass man kaum von einem Staat und „den Amerikanern" sprechen kann.

  • Die USA sind bekannt als das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Dahinter steckt große Diversität, große Freiheit aber auch große Unsicherheit.
  • Die USA sind eine föderale Republik, die aus 50 Bundesstaaten, einem Bundesdistrikt und mehreren Territorien besteht.
  • Das Präsidentschaftsamt vereint in den USA Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber des Militärs in einer Person.

Die Vereinigten Staaten von Amerika (engl. United States of America, USA) sind sowohl an der Fläche, als auch an der Einwohnerzahl gemessen, der drittgrößte Staat der Erde. Flächenmäßig lassen lediglich Russland und Kanada die USA hinter sich, mehr Einwohner haben nur China und Indien. Daher ist es kaum überraschend, dass die USA geographisch, klimatisch und menschlich eine außergewöhnliche Diversität bieten.

Das „Land der unbegrenzten Möglichkeiten": Das sind die USA

Und genau das ist es, was die USA auch zum „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ macht. Der sprichwörtliche Ausdruck „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ beschreibt treffend, was der „American Dream“ bedeutet: Der Grundgedanke von einem besseren Leben, das auf gleichen Chancen und Möglichkeiten für jeden basiert. Der „American Dream“ ist ein bedeutender Bestandteil der amerikanischen Kultur.

Gemäß dieser Vorstellung kann jeder Mensch durch harte Arbeit und unabhängig von seinem derzeitigen Wohlstand in der Zukunft einen höheren Lebensstandard erreichen. Der „American Dream“ kann für jeden eine ganz individuelle Bedeutung haben und beispielsweise auch demokratisch interpretiert werden: Dann umfasst er das Streben nach gleichen Rechten und Freiheit für jeden. Doch was steckt hinter dem Land des „American Dream“, den USA?

Eine föderale Republik - Die Bundesstaaten der USA

Die USA sind eine föderale Republik, die aus insgesamt 50 Bundesstaaten, einem Bundesdistrikt, fünf größeren Territorien und etlichen Inselterritorien besteht. 1776 entstanden aus den 13 Kolonien, die sich in der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten vom Königreich Großbritannien lossagten, die ersten Bundesstaaten der USA. Das Gebiet dieser 13 Gründer-Kolonien umfasste erst einmal das Gebiet von 16 der heute 50 Bundesstaaten der USA.

Ein Versuch britischer Soldaten, ein koloniales Waffenlager auszuheben, war 1775 der Auslöser des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Ein Kontinentalkongress trat zusammen, der das militärische Oberkommando George Washington übertrug. Am 4. Juli 1776 wurde von 13 Kolonien die Unabhängigkeitserklärung verkündet. Nicht zuletzt durch die militärische Unterstützung Frankreichs zwangen die Amerikaner 1783 das britische Empire zur Anerkennung ihrer staatlichen Souveränität im Frieden von Paris.

Geschichte der USA: Die Vereinigten Staaten von Amerika wachsen schnell

Seitdem ist die Anzahl der Bundesstaaten stetig gestiegen, beispielsweise durch den „Louisiana Purchase“ oder den Beitritt von Texas. Der „Louisiana Purchase“  1803 war das größte Grundstücksgeschäft der Geschichte. Die USA erwarb dabei etwas über zwei Millionen Quadratkilometer Land, für damals 15 Millionen US-Dollar. Das gekaufte Land verdoppelte damals das Territorium der Vereinigten Staaten und macht fast ein Viertel des heutigen Staatsgebiets aus.

Amtssprachelaut Gesetz: keine; faktisch: Englisch
HauptstadtWashington, D.C.
StaatsformFöderale Republik
Regierungssystem Präsidialsystem
StaatsoberhauptPräsident
Fläche9.826.675 km²
Einwohnerzahl328 Mio. (2019)
WährungUS-Dollar (USD, $)
NationalhymneThe Star-Spangled Banner

Geographie der USA

Im Norden grenzen die USA an Kanada und im Süden an Mexiko. Im Osten schließt der Atlantik die USA ab, im Westen der Pazifik. Alaska und Hawaii sind die einzigen beiden Bundesstaaten, die außerhalb des Kernlandes der USA liegen. Die 48 zusammenhängenden Bundesstaaten werden daher auch „Continental US“ oder „Lower 48“ genannt.

Der District of Columbia oder Washington, D.C. ist Bundesdistrikt, Regierungssitz und seit 1800 auch die Hauptstadt der Vereinigten Staaten. Der Distrikt ist dem Kongress der Vereinigten Staaten direkt unterstellt und ist daher weder ein eigenständiger Bundesstaat, noch gehört er einem anderen Bundesstaat an. Trotz Namensgleichheit mit dem Bundesstaat Washington wird die Hauptstadt Washington, D.C. im deutschen Sprachraum häufig nur „Washington“ genannt.

Daneben gibt es insbesondere Unterschiede zwischen der noch sehr europäisch geprägten Ostküste (insbesondere New England) und der immer schon etwas anderen Welt der Westküste.

Geographie, Religion, Politik: Die Vielfalt der USA

Der sogenannte Bible Belt in der Mitte des Landes gilt eher als christlich und konservativ. Exakte Grenzen dieser Region existieren nicht. In der Regel ist ein Gebiet gemeint, das sich eher über die Südstaaten erstreckt. Von Texas im Südwesten und Kansas im Nordwesten bis Virginia im Nordosten und Florida im Südosten.  Interessant sind auch die verschiedenen politischen Richtungen, die man im Groben daran festmacht ob ein Staat nun traditionell eher demokratisch oder republikanisch wählt. Dazwischen gibt es die berühmten Swing States, die immer mal wieder die Lager wechseln.

Die Swing States: Eine graphische Darstellung von der US-Präsidentschaftswahl 2016.

Politik: Das Regierungssystem der USA

Es fällt vielen mitunter schwer, die USA zu begreifen, seine Kultur, seine Gesellschaft und vor allem sein politisches System. Aufgrund der Kolonialisierung im 18. und 19. Jahrhundert gehen viele davon aus, die USA seien Europa ähnlich, eigentlich nur eine westliche Ausdehnung Großbritanniens. Doch die USA unterscheiden sich in einigen Dingen fundamental von Europa. Das beginnt bei der Segmentierung der amerikanischen Gesellschaft und endet im politischen System der Vereinigten Staaten.

Die Segmentierung der US-amerikanischen Gesellschaft lässt ein Solidaritätsgefühl, das mehrere Klassen und Schichten, verschiedene ethnische Gruppen und alle Landesteile vereint, nur schwer entstehen. Die zeitlich je unterschiedliche Einwanderung verschiedenster ethnischer Gruppen und die damit verbundene Besiedlung des Landes, haben diese Segmentierung vorangetrieben. Nachbarschaften und Stadtviertel existieren wie selbstständige kleine Inseln nebeneinander. Auf diesen „Nachbarschaftsinseln“ leben häufig Menschen gleicher ethnischer Herkunft, die sich in punkto Einkommen, Sozialprestige, Kirchenzugehörigkeit, Schulbildung, Ausbildungsweg ihrer Kinder und Wohnverhältnisse weitgehend annähern. Sozusagen Inseln der Gleichheit.

Machtkontrolle in der Politik der USA: Checks and Balances

Diese segmentierte Struktur spiegelt sich auch im politischen System der USA wieder. Die USA leben ein politisches System, das weitgehend auf Parlamentarismus verzichtet. Die beiden Kammern des Kongresses sind so organisiert, dass sie die präsidiale Macht in einem System der „Checks and Balances“ in Konkurrenz kontrollieren. Zweck vieler US-amerikanischer Verfassungsregelungen und auch gezielter politischer Praxis ist vor allem die Machtaufteilung. Dem entspricht ein Grundzug in der politischen Kultur des Landes, der sich grundsätzlich jeder Machtanhäufung widersetzt. Das präsidentielle System der USA ist von den Gründungsvätern in bewusster Abgrenzung gegen die absolutistischen Regime im Europa des 18. Jahrhunderts konzipiert worden.

In diesen Zusammenhang gehört auch das, was als System der „Checks and Balances“ (Machtkontrolle und Machtausbalancierung) bezeichnet wird. Nämlich ein System prinzipieller Gewaltenteilung und nur punktueller Gewaltenverschränkung. 

Politik in den USA: Die Wahl des Präsidenten

Der Präsident wird vom Volk gewählt, er ist die Exekutive. Es ist allerdings keine direkte Wahl. In den einzelnen Bundesstaaten der USA werden 538 Wahlfrauen und -männer bestimmt, die dem sogenannten Electoral College angehören. Diese kommen 41 Tage nach der Wahl in den jeweiligen Hauptstädten ihrer Bundesstaaten zusammen, um ihre Stimmen für den künftigen US-Präsidenten und den Vizepräsidenten abzugeben. Auch eine Briefwahl ist natürlich möglich.

In diesem System kommt es vornehmlich darauf an, die einzelnen Bundesstaaten für sich zu gewinnen. Das gelang Donald J. Trump bei der Präsidentschaftswahl 2016 über die Maßen gut, sodass er am Ende mit 304:227 Stimmen des Electoral College zum 45. US-Präsidenten gewählt wurde. Swing States spielen eine große Rolle.

Ein präsidentielles Regierungssystem in den USA: Allmacht des Präsidenten?

Im präsidentiellen Regierungssystem der USA kann sich der Chef der Exekutive, der Präsident, anders als im parlamentarischen System, wie es beispielsweise in Deutschland etabliert ist, nicht auf eine eigene Mehrheit in den beiden Häusern des Kongresses, in Senat und Repräsentantenhaus, stützen. Vielmehr muss er für jede Gesetzesvorlage, die er durchsetzen möchte, ad hoc eine Mehrheit suchen. Dies gilt selbst dann, wenn in beiden Kammern Abgeordnete „seiner Partei“ die Mehrheit bilden.

Dies widerspricht gängigen europäischen Vorstellungen von der Allmacht des US-Präsidenten. Im Vergleich zum britischen Premierminister, selbst im Vergleich zum Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, ist die Stellung des Mannes im Weißen Haus weitaus angreifbarer. 

Die letzten US-Präsidenten

Präsidenten der USAName / ZeitraumPartei
45. US-PräsidentDonald J. Trump / seit 2017Republikaner
44. US-PräsidentBarack Obama / 2009 - 2017Demokraten
43. US-PräsidentGeorge W. Bush / 2001 - 2009 Republikaner
42. US-PräsidentBill Clinton /1993 - 2001Demokraten
41. US-PräsidentGeorge Bush sen. / 1989 - 1993Republikaner
40. US-PräsidentRonald Reagan /1981 - 1989Republikaner

USA: Krisenzeiten und der Schutzpatron der Nation

Die Sorge um die institutionelle Machtbalance in den USA tritt jedoch in den Hintergrund wenn – wie mit den Anschlägen vom 11. September 2001 deutlich wurde – Gefahr in Verzug ist und nicht zuletzt auch die Bevölkerung vom Präsidenten politische Führung erwartet, um das Land zu schützen. In Zeiten existenzieller Bedrohung kommt dem Präsidenten die Rolle des Schutzpatrons der Nation zu.

Als Oberbefehlshaber des Militärs steht er dann im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der patriotische Sammlungsaffekt des „rally around the flag“ bedeutet einen immensen Vertrauensvorsprung und Machtgewinn für den Präsidenten und die Exekutive. Demgegenüber hat der Kongress eine vergleichsweise schwache Position. In Krisenzeiten kann der Kongress nur eine beratende und unterstützende Rolle spielen.

Das US-Militär

Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten, die United States Armed Forces (inoffiziell meist nur US Military) bestehen aus sechs Teilstreitkräften: 

  • US-Army
  • US Air Force
  • US Navy
  • US Marine Corps
  • US Coast Guard
  • US Space Force

Insgesamt stellen sie seit Jahrzehnten eine der bestausgestatteten und zudem auch personell, nach der Volksbefreiungsarmee der Volksrepublik China, zweitgrößte Militärmacht der Welt dar. Die Schlagkraft des US-Militärs fußt zu großen Teilen auf dem mit Abstand und anhaltend größten Militärbudget der Welt, aus dem die umfangreichsten Anteile in Aufklärung, Informationsfluss, Vernetzung, Ausrüstung und Forschung fließen. 

Neben den Streitkräften der Republik haben einige Bundesstaaten auch eigene Militäreinheiten gegründet, die sogenannten Staatsgarden, die ausschließlich dem jeweiligen Gouverneur unterstellt sind.

Die Vereinigten Staaten von Amerika und das Trauma 11. September 2001

Es ist kaum vorstellbar, in welchem Ausmaß die Terrorangriffe am 11. September 2001 die ganze Nation traumatisierten. Die Terroranschläge islamistischer Fundamentalisten auf New York und Washington, D.C. waren vier koordinierte Flugzeugentführungen mit anschließenden Selbstmordattentaten auf wichtige zivile und militärische Gebäude in den USA. Die Anschläge verursachten den Tod von fast 3.000 Menschen und gelten als terroristischer Massenmord. Etwa 15.100 von 17.400 Personen konnten sich aus den Gebäuden des World Trade Center (WTC) in New York City retten. Neben den Zwillingstürmen des WTC waren weitere Ziele der Terroristen das Pentagon in Arlington, Virginia und vermutlich das Regierungsgebäude in Washington, D.C. Dieses Flugzeug erreichte sein Ziel allerdings nicht und wurde bereits bei Shanksville in Pennsylvania zum Absturz gebracht

Die Angriffe von 9/11 und ihre Folgen beeinflussen nach wie vor erheblich das innen- und außenpolitische Verhalten und Handeln der USA und wurden als historischer Wendepunkt erlebt und erlitten. 

Wie tief die Verletzung „der Amerikaner“ war, erwiesen der nachfolgend aufschäumende Patriotismus und die Bereitschaft, dem Terrorismus den Krieg zu erklären, Milliardensummen in die Aufrüstung zu investieren und traditionell geheiligte Bürger- und Menschenrechte einzuschränken. iwe

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