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Junger, schwuler Afghanistanveteran mit Harvard-Diplom: Buttigieg hat viele neugierig gemacht.

US-Präsident

USA: Alle gegen Pete Buttigieg

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Der Außenseiter im Rennen der US-Demokraten um das Präsidentenamt muss sich bei der TV-Debatte viel Kritik seiner Parteikollegen anhören.

Die Debatte plätscherte schon eine gute Stunde dahin, als Elizabeth Warren plötzlich zum politischen Dolchstoß ansetzte. „Der Bürgermeister hatte kürzlich ein Spendertreffen in einem Weinkeller mit Kristallleuchtern und ließ Wein für 900 Dollar pro Flasche ausschenken“, empörte sich die linke Senatorin über den Mitstreiter am Stehpult auf ihrer rechten Seite: „Milliardäre in Weinkellern sollten nicht den nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten auswählen!“

Die frontale Attacke galt dem Mann, der monatelang als sympathischer Überraschungskandidat im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur mitgelaufen ist: Pete Buttigieg, dem Bürgermeister der Kleinstadt South Bend in Indiana. Als eloquenter Sohn eines maltesischen Immigranten, Schwuler, Harvard-Absolvent und Veteran des Afghanistankriegs hat der 37-Jährige lange den Bonus des unverbrauchten Außenseiters genossen. Doch damit ist es vorbei, seit Buttigieg Ende November in den Umfragen zeitweise bis an Bernie Sanders und Warren heranrückte, die um den zweiten und dritten Platz hinter dem Favoriten Joe Biden buhlen. In den vergangenen Wochen geriet Buttigieg wegen seiner früheren Tätigkeit für die Unternehmensberatung McKinsey in die Kritik. Bei der sechsten Demokraten-Debatte am Donnerstagabend mutierte er dann zeitweise zum Prügelknaben.

Der Konter auf Warrens Attacke ließ nicht lange auf sich warten: „Ich bin hier die einzige Person auf der Bühne, die kein Millionär oder Milliardär ist“, setzte Buttigieg an. Tatsächlich besitzen Warren und ihr Ehemann laut dem Magazin Forbes ein Vermögen von zwölf Millionen Dollar. „Das ist das Problem mit Reinheitstests, wenn man sie selber nicht besteht“, ätzte Buttigieg. „Ich verkaufe nicht den Zugang zu meiner Zeit“, konterte Warren scharf. Deswegen nehme sie keine Großspenden an: „Wenn Sie diesen einfachen Schritt als Kandidat nicht machen und Reichen die Stirn bieten, wie soll das amerikanische Volk glauben, dass sie es als Präsident tun?“ Nun erzwang Buttigieg eine Replik. Er warf Warren Heuchelei vor, weil sie zehn Millionen Dollar, die sie als Senatorin bereits vor ihrer Selbstbeschränkung auf Kleinspenden gesammelt hatte, auf ihr Wahlkampfkonto übertragen habe. „Hat Sie das korrumpiert, Frau Senatorin? Natürlich nicht.“

Der scharfe Schlagabtausch illustriert den zunehmend harten Kampf um die demokratische Spitzenkandidatur sechs Wochen vor den wichtigen ersten Vorwahlen im Bundestaat Iowa. Der moderate Ex-Vizepräsident Joe Biden hält sich in den Umfragen trotz mehrerer Ausfälle bei rund 28 Prozent. Am Donnerstag wirkte der 77-Jährige ungewohnt wach und schlagfertig; er hatte seinen bislang besten Auftritt. Dahinter rangieren die beiden dezidiert linken Kandidaten Warren und Sanders. Doch Warren schwächelt seit einiger Zeit. Sie hat für alle Probleme große Pläne, aber ist Detailfragen zu oft ausgewichen.

Der konservativere Buttigieg konkurriert mit ihr um die gebildete weiße Wählerschicht. Kürzlich ist auch noch der Multimilliardär Michael Bloomberg in das Rennen eingestiegen. Er hatte sich für die Debatte zwar noch nicht qualifiziert, besitzt aber eine unerschöpfliche Wahlkampfkasse. Und schließlich bot Amy Klobuchar, die etwas bieder, aber sehr solide wirkende pragmatische Senatorin von Minnesota, zuletzt mehrere starke Auftritte.

Klobuchar war es auch, die in der Debatte zum zweiten Angriff auf Buttigieg ansetzte. Der Bürgermeister versucht, seine geringe politische Erfahrung zu kompensieren, indem er sich als Gegenmodell zum Washingtoner Establishment verkauft. „Ich habe nie Ihre Erfahrung als lokaler Amtsträger infrage gestellt, und Sie sollten meine Erfahrung respektieren“, forderte Klobuchar von ihm. Buttigieg reagierte, wie öfter bei Kritik, ziemlich angespannt und säuerlich: „Sie haben meine Erfahrung abqualifiziert“, spielte er den Vorwurf zurück.

Sein Gegenangriff geriet unglücklich: „Versuchen Sie einmal, als Schwuler in Mike Pence’s Indiana eine Koalition zu schmieden, die sie mit 80 Prozent zurück ins Amt bringt“, forderte er Klobuchar auf. Tatsächlich war er mit diesem Traumergebnis 2015 als Bürgermeister bestätigt worden. Sein Anlauf für eine landesweite Karriere war jedoch misslungen. „Sie haben es versucht und sind gescheitert“, beschied ihm Klobuchar daher kühl.

Nach diesen Rempeleien klang das Schlusswort von Buttigieg recht ambitioniert: „Wir hier auf der Bühne wollen alle dasselbe“, versicherte er. Es gehe darum, Trump aus dem Amt zu jagen: „Im Moment der Entscheidung müssen sich alle um den demokratischen Kandidaten scharen.“

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