Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zalmay Khalilzad
+
Zalmay Khalilzad bei einer Pressekonferenz in Washington. (Archivfoto)

USA

Chaotischer Afghanistan-Abzug: US-Sonderbeauftragter tritt zurück

  • Julian Dorn
    VonJulian Dorn
    schließen

Nach dem Afghanistan-Debakel verliert Joe Bidens Sonderbeauftragter für das Krisenland seinen Posten. Vor allem eine Amtshandlung war hochumstritten.

Washington D.C. – Der überhastete Abzug der USA aus Afghanistan und das dadurch entstandene Chaos haben international scharfe Kritik an der amerikanischen Führung ausgelöst. Nun hat das desaströse Ende des 20-jährigen Einsatzes personelle Konsequenzen im US-Außenministerium: Der US-Sonderbeauftragte für Afghanistan, Zalmay Khalilzad, ist von seinem Posten zurückgetreten. Außenminister Antony Blinken teilte am Montagabend (18.10.2021, Ortszeit) mit, Khalilzads bisheriger Stellvertreter Thomas West werde ihm im Amt nachfolgen.

„Ich danke Botschafter Khalilzad für seinen Dienst und heiße den Sonderbeauftragten West in dieser Funktion willkommen“, so Blinken. Nach der Ankündigung des Abzugs der USA aus Afghanistan durch US-Präsident Joe Biden hatten die Taliban Mitte August wieder die Macht übernommen – nur rund zwei Wochen vor dem geplanten Ende des US-Einsatzes.

Afghanistan: US-Sonderbeauftragter tritt zurück – Umstrittenes Abkommen mit den Taliban

Khalilzad war bereits unter dem republikanischen US-Präsidenten Donald Trump Sonderbeauftragter für Afghanistan. Er war maßgeblich daran beteiligt, ein im Februar vergangenen Jahres in Doha unterzeichnetes Abkommen zwischen der Trump-Regierung und den Taliban auszuhandeln, die afghanische Regierung wurde von den Verhandlungen ausgeschlossen.

Alle wichtigen News zur US-Politik direkt in Ihr Mail-Postfach

Mit dem USA-Newsletter der FR sind Sie immer top informiert.

Das Abkommen sah einen vollständigen Abzug der US-Truppen bereits Ende Mai dieses Jahres vor und bereitete der erneuten Machtübernahme der Taliban nach Ansicht von Fachleuten den Weg. Khalilzad geriet anschließend unter Druck. Scharfe Kritik an seinem Umgang mit den Taliban wurde laut: „Er hat schlecht verhandelt, die Taliban ermutigt und behauptet, Verhandlungen würden zu einer Übereinkunft der Machtteilung führen, obwohl die Taliban keinerlei Absicht hatten, die Macht zu teilen“, urteilte Husain Haqqani von der Denkfabrik Hudson Institute im August 2021.

Afghanistan: Strategie des US-Sonderbeauftragten „spektakulär gescheitert“

Der konservative US-Abgeordnete und Afghanistan-Veteran Michael Waltz schrieb im August in einem Brief an Biden. Darin hieß es, der Sonderbeauftragte habe den Präsidenten „schlecht beraten“, seine diplomatische Strategie sei „spektakulär gescheitert“. Der Demokrat Joe Biden kündigte im April ein Ende des Einsatzes für Ende August an, knüpfte daran aber keine Bedingungen für die Taliban. Der Vormarsch der militanten Islamisten gewann daraufhin an Geschwindigkeit.

US-Sonderbeauftragter für Afghanistan

Für den gebürtigen Afghanen Zalmay Khalilzad (70) könnte der Rücktritt das Ende einer langen diplomatischen Karriere bedeuten. Er trat im Jahr 1985 in das US-Außenministerium ein. Von 2003 bis 2005 war US-Botschafter in Afghanistan, in den beiden darauffolgenden Jahre vertrat er die Vereinigten Staaten im Irak.

Daraufhin war er bis 2009 US-Botschafter bei den Vereinten Nationen in New York. Zum Sonderbeauftragten für Afghanistan wurde er von der Trump-Regierung im September 2018 ernannt. Unter der Biden-Regierung behielt er den Posten bei.

Nach der Machtübernahme der Taliban in Kabul kam es zu chaotischen Evakuierungen am Flughafen der Hauptstadt. Kurz vor dem Ende der US-Evakuierungsmission wurden bei einem Anschlag am Flughafen 13 Angehörige der US-Armee und Dutzende Afghaninnen und Afghanen getötet.

Afghanistan-Debakel der USA: Scharfe Kritik an Präsident Joe Biden

Bidens Regierung ist wegen des Debakels in Afghanistan unter massiven Druck geraten. Der Präsident argumentierte, er habe vor der Wahl gestanden, die Truppen abzuziehen oder den Krieg gegen die Taliban zu eskalieren. Fachleute hatten allerdings mehrere Wege aufgezeigt, die zwischen diesen beiden Extremen gelegen hätten.

Für Unmut in europäischen Regierungen sorgte, dass Biden den Abzug der US-Truppen und damit das Ende des internationalen Einsatzes eigenmächtig und trotz der gewaltigen Bedenken von Verbündeten beschloss. (judo/dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare