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Umstritten. Die angestrebte Präsenz des US-Militärs in Kolumbien.

Militärbasen in Kolumbien

US-Wunsch spaltet Südamerika

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Peru und Chile stellen sich den Plänen von mehr US-Militärpräsenz in Kolumbien nicht entgegen. Fidel Castro hingegen fordert Venezuela zur Aufrüstung auf. Andere Staatsmänner drohen mit Boykott. Von Wolfgang Kunath

Der frühere kubanische Präsident Fidel Castro hat sich dafür ausgesprochen, dass Venezuela militärisch aufrüstet. Das sei "unumgänglich", wenn die US-Militärpräsenz in Kolumbien verstärkt werde. Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe bietet Washington Militärbasen an, was in der Region Besorgnis auslöst.

"Welchen Sinn haben denn die Militär- und Marine-Stützpunkte, die die Vereinigten Staaten rund um Venezuela und im Herzen Südamerikas aufbauen wollen?", fragte Castro in einem Zeitungsbeitrag. Die Verhandlungen, die Washington und Bogotá über kolumbianische Basen führten, "zwingen Venezuela, in Waffen zu investieren".

Venezuela rüste jedoch nicht "gegen das Brudervolk Kolumbiens, sondern gegen das Imperium auf", das in der Vergangenheit bereits versucht habe, "die Revolution zu zerstören". Würde Kolumbien Stützpunkte zur Verfügung stellen, dann sei das eine Bedrohung "aller Staaten im Süden des Kontinents".

Venezuelas Präsident Hugo Chávez sagte, um die Militärbasen könnte ein Krieg ausbrechen, denn "es handelt sich um die Yankees, den aggressivsten Staat in der Geschichte der Menschheit, der in der Lage war, Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abzuwerfen". Chávez kündigte an, den Import von 10.000 in Kolumbien hergestellten Autos zu stoppen. Das wäre die erste konkrete Auswirkung des Handelsboykotts, den Chávez neben der Suspendierung der diplomatischen Beziehungen verkündet hatte.

Keine vehemente Ablehnung

Bei den Nachbarn stieß Uribe freilich nicht nur auf Ablehnung. Peru, wo ebenso wie in Kolumbien eine US-freundliche, rechtsgerichtete Regierung am Ruder ist, stellte sich dem Plan nicht entgegen. Aber auch die linksliberale Regierung von Chile - das in der jüngeren Vergangenheit durch Waffenkäufe in den USA kräftig aufgerüstet hat - äußerte keine vehemente Ablehnung.

Paraguays linker Präsident Fernando Lugo wurde zitiert, jedes Land könne souverän entscheiden, ob es fremde Militärs bei sich zulassen wolle.

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