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TV-Duell Clinton vs Trump

Der US-Wahlkampf wird richtig schmutzig

  • vonDaniel Haufler
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Das zweite TV-Duell beginnt ohne Handschlag der beiden Präsidentschaftskandidaten Clinton und Trump. Der Schlagabtausch verläuft weit unter der Gürtellinie.

Die eigentliche Überraschung des Abends bietet Donald Trump nicht in der TV-Debatte mit Hillary Clinton, sondern kurz davor. In einer improvisierten Pressekonferenz versammelt in einem kleinen Nebenraum vier Frauen, von denen drei angeblich von Bill Clinton sexuell missbraucht worden sind und nun Trump in seinem Wahlkampf unterstützen. Die vierte Frau wirft Hillary vor, als Anwältin einen Mann verteidigt zu haben, der sie als Zwölfjährige sexuell belästigt hat. Unerwähnt lässt sie dabei, dass Clinton als Pflichtverteidigern den Fall zugewiesen bekam und der Richter ihren Wunsch ablehnte, sie von dem Fall zu entbinden.

Trump macht also ernst mit seiner Ankündigung, im Wahlkampf gegen Clinton ihren Mann Bill persönlich zu attackieren. Nicht nur in der seltsamen Pressekonferenz, sondern auch in der Debatte. Wenigstens zwölf Mal kommt er auf Bill Clinton zu sprechen und unterstellt Hillary, sie habe missbrauchte Frauen geschmiert, um die Präsidentschaft ihres Mannes zu retten. Er setzt damit den Ton für ein Duell, in dem beide Seite einander aggressiv angehen, als unglaubwürdig oder unfähig für das Präsidentenamt beschimpfen – und Trump die ehemalige Außenministerin sogar einmal zum leibhaftigen Teufel erklärt.

Um Politik geht es während der neunzigminütigen Debatte nur selten. Stattdessen verteidigt Trump seine Sprüche über sexuelle Belästigungen, die man als ein Promi wie er ungestraft begehen könne, als „Umkleidekabinengespräch“. Auf Nachfrage des Moderators Anderson Cooper sagt er, dass es nur Gerede gewesen sei – it's just words – und er nichts dergleichen je gemacht habe. Ob das die Kritik an seinen Aussagen entkräftet, ist allerdings fraglich, zumal in der Zwischenzeit weitere Aufnahmen sexistischer Kommentare Trumps aus der Howard-Stern-Sendung aufgetaucht sind. Schon jetzt haben sich etliche Parteifreunde energisch von ihrem Kandidaten distanziert.

Clinton lässt daher auch nicht locker in der Debatte und bezeichnet Trumps Angriffe auf Bill und sie als Ablenkungsmanöver. So wie Donald über Frauen gesprochen habe, zeige sich, „was er über Frauen denkt. Er sagt, die Aufnahme gebe nicht wider, wer er sei, aber ich denke, es ist für jeden erkennbar, der sie gehört habe, dass sie genau zeigt, wie er ist.“ Diese Wahl sei daher auch anders als jede andere zwischen einem Demokraten und einem Republikaner bisher. Früher habe sie nicht in Frage gestellt, dass ein Konkurrent für das Präsidentenamt geeignet sei. „Bei Donald Trump ist das anders.“

Clintons Fehler im Fokus

Sie verlangt von ihm eine Entschuldigung für seine sexistischen Aussagen. Doch die gibt es nicht. Lieber wechselt Trump das Thema und versucht die Debatte auf Hillary Clintons vermeintliche oder wirkliche Fehler zu lenken, auf den Anschlag in Bengasi, bei der während ihrer Amtszeit als Außenministerin der Botschafter und drei weitere Mitarbeiter ums Leben kamen. Oder auf den privaten E-Mail-Server, über den sie ihre Korrespondenz als Regierungsmitglied eigentlich nicht hätte laufen lassen dürfen.

So gelingt es Trump immerhin zeitweise – im Gegensatz zur ersten Debatte – Clintons Taten in den Fokus zu stellen. Und das ist nicht schlecht für ihn. Denn in diesem Wahlkampf verliert immer der Kandidat an Boden, der im Fokus steht, wie der republikanische Politikberater Steve Schmidt zu Recht meint. Allerdings übertreibt Trump dann auch gleich wieder, als er ankündigt, Clinton ins Gefängnis zu stecken, wenn er Präsident werden würde.

Schwierig für Trump wird es, wenn es um inhaltliche Fragen ging. Er bleibt wie bisher stets sehr vage und allgemein. In Bedrängnis gerät er allerdings, als die Moderatorin Martha Raddatz ihn nach seiner Syrien-Politik fragt, die sich offenkundig von den Vorstellungen unterscheidet, die sein Vizekandidat Mike Pence kürzlich in seiner TV-Debatte geäußert hatte. Trump muss dies einräumen und sagt schlicht: „Er und ich haben uns nicht unterhalten seitdem. Und ich stimme ihm nicht zu.“

Trump steht und steht und steht

Irritierend ist auch, dass der republikanische Präsidentschaftskandidat nicht nur bei seinen eigenen Redebeiträgen aufsteht und sich dem Publikum zuwendet. Er bleibt auch stehen, wenn Clinton spricht, und tigert zudem ständig auf und ab wie ein Raubtier in einem Käfig. Das mag einem energetischem Überschuss geschuldet sein, aber zumindest für das Fernsehpublikum sah es doch bisweilen komisch aus, wenn er im Hintergrund mal auftauchte und dann wieder verschwand. Es wirkte immerhin jedoch nicht so abstoßend wie sein Grimassieren während der ersten Debatte. Allerdings konnte er es auch dieses Mal nicht lassen, den Moderatoren Parteilichkeit vorzuwerfen.

Clinton dagegen wirkt eher wie ein Anwältin beim Plädoyer. Stets faktensicher, schnell zum Punkt kommend und durchaus die ein andere Pointe setzend, wenn nötig. Man könnte ihr Auftreten durchaus als präsidial bezeichnen, was sicher auch der Sinn der Sache war. Nur ganz selten lässt sie sich von Trump aus der Fassung bringen.

Ihr überzeugender Auftritt spiegelt sich auch in einer Blitzumfrage von CNN. 56 Prozent der Zuschauer hielten sie für die Siegerin im Fernsehduell, lediglich 34 Prozent sahen Trump vorn. Das ist zwar kein so eindeutiges Ergebnis für Clinton wie nach der ersten Debatte, aber mehr als zufriedenstellend angesichts der Tatsache, dass sie in allen Umfragen deutlich vor Trump liegt.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat hat nun eine schwere Zeit vor sich, da er keinen neuen Schwung aus der Debatte gewinnen kann und wichtige Repräsentanten seiner Partei ihn in den kommenden Wochen nicht mehr unterstützen werden. Und wer weiß, was noch für peinliche Aufnahmen von Trump auftauchen. Ein Fox-TV-Moderator hat bereits angekündigt, er hätte noch ein paar delikate Zitate in petto.

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