Auch in New York City konnten Menschen schon vor dem eigentlichen Wahltag ihre Stimme abgeben.
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Auch in New York City konnten Menschen schon vor dem eigentlichen Wahltag ihre Stimme abgeben.

Ablauf und Wahlsystem

Was man zur US-Wahl wissen muss

  • Steffen Herrmann
    vonSteffen Herrmann
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Warum die Umfragen zur US-Wahl 2020 genauer sind als jene 2016 und worüber in den USA sonst abgestimmt wird.

Die Menschen in den USA wählen – und zur Wahl steht mehr als nur das Amt des Präsidenten. In elf Bundesstaaten stimmt die Bevölkerung über ihre Gouverneure ab, ein prestigeträchtiges Amt an der Spitze jedes Bundesstaates, aber ohne direkten Einfluss auf die bundesweite Gesetzgebung in Washington. Außerdem werden Landesparlamente, Bürgermeister:innen, Sheriffs und andere Amtsträgerinnen und Amtsträger gewählt; es gibt mehrere Referenda, etwa über die Auswilderung von Wölfen in Colorado oder die Entkriminalisierung halluzinogener Pilze im Hauptstadtbezirk Washington D.C.

Fünf Monate nach der Tötung des Afroamerikaners George Floyd durch einen Polizisten in Minnesota geht es in vielen Städten und Landkreisen auch um Polizeireformen – eine zentrale Forderung der „Black Lives Matter“-Bewegung.

Einen größeren Einfluss auf die Bundespolitik der Vereinigten Staaten hat der Kongress. Er ist zuständig für die Gesetzgebung, hat Macht über den US-Haushalt und kontrolliert nicht zuletzt die Exekutive – also den Präsidenten. Das Parlament kann viele seiner Vorhaben blockieren.

Wie wird der US-Präsident gewählt?

Deshalb werden Republikaner und Demokratinnen gleichermaßen gespannt beobachten, was auf dem Kapitol in Washington geschieht: Denn neben dem Präsidenten stehen alle 435 Abgeordnete des Repräsentantenhauses sowie 35 der 100 Senatoren zur Wahl.

Bislang kontrollieren die Demokraten das Repräsentantenhaus. Im Senat haben Trumps Republikaner eine knappe Mehrheit. Doch am Wahlabend könnten Trump und seine Republikanerinnen und Republikaner viele ihrer roten Sitze im Senat durch die sogenannte blaue Welle an die Demokraten verlieren. Das Ergebnis der Senatswahl ist aber schwer vorauszusehen.

Mit einer Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses könnte ein künftiger Präsident Joe Biden vieler seiner Vorhaben durchsetzen. Derzeit sehen landesweite Umfragen den demokratischen Herausforderer im Schnitt rund zehn Prozentpunkte vor dem republikanischen Amtsinhaber. Doch Donald Trump lag auch 2016 in den Umfragen zurück, sammelte insgesamt weniger Stimmen als Hillary Clinton – und wurde Präsident.

Landesweit lagen die Umfragen für die Präsidentschaftswahl 2016 zwar nahe am tatsächlichen Votum der US-Bürgerinnen und -Bürger. Nicht aber in einigen Staaten wie Michigan, Pennsylvania und Wisconsin. Dort gewann Donald Trump mit wenigen Tausend Stimmen Vorsprung – anders als prognostiziert.

Den Umfrageinstituten war damals ein schwerwiegender Fehler unterlaufen: In ihren Umfragen waren Menschen ohne Hochschulabschluss unterrepräsentiert. Dabei stimmen bis heute vor allem weiße Männer ohne Bildungsabschluss für den selbst ernannten Arbeiterführer Donald Trump.

Viele Institute haben ihre Methoden inzwischen angepasst. Zudem haben viele Menschen schon vor dem eigentlichen Wahltag ihre Stimme abgegeben – insbesondere per Briefwahl. Von einem „historischen Niveau“ sprach etwa Chris Jackson vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos Public Affairs. Aber: „Wir wissen nicht, welche Auswirkungen das haben wird.“

Auch ist noch unklar, wann das Wahlergebnis feststehen wird. Anders als bei vergangenen Wahlen, als der Sieger meist schon in der Nacht bekannt war, könnte die Unsicherheit einige Tage anhalten - oder länger. Ein Grund ist der Andrang auf die Briefwahl, ein anderer ist das komplexe Wahlrecht, das die einzelnen Bundesstaaten bestimmen. Die Verantwortlichen in mehreren Bundesstaaten haben gewarnt, die Auszählung könnte bis Freitag 6. November dauern.

Eine offizielle Wahlbehörde gibt es nicht. Resultate werden nach und nach in Wahllokalen, Bezirken und Bundesstaaten bekanntgegeben. (mit afp/dpa)

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