Soziale Medien

Gewaltalarm bei Facebook

  • Viktor Funk
    vonViktor Funk
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Die Hängepartei beim Rennen zwischen Donald Trump und Joe Biden beschert Facebook viel Arbeit.

Seit dem Arabischen Frühling wird die Macht von sozialen Medien für die politische Mobilisierung diskutiert. Facebook und Twitter mussten sich nicht nur einmal dem Vorwurf stellen, dass sie ein Werkzeug für die Organisation von Gewalt stellen. Offenbar analysieren die Plattformen die Stimmungen, die ihre Nutzerinnen und Nutzer haben.

Ein Mitarbeiter von Facebook hat nun intern gewarnt und auf ein steigendes Gewaltpotenzial in den USA hingewiesen. Wie Buzzfeed News am 5. November berichtete, sei der interne Index für „Gewalt und Anstiftungen“ bei Facebook innerhalb von fünf Tagen um 45 Prozent gestiegen.

Indikatoren für den Index sind Hashtags und Suchanfragen wie #DrainTheSwamp, #Trump2020, #KeepAmericaGreat und andere. Diese verweisen im Zeitraum der Wahl auf generelle Unzufriedenheit und Verschwörungstheorien. Die Nachrichten, die mit diesen Stichwörtern versehen werden, werfen Demokraten vor, die Wahl „zu stehlen und den Ergebnissen nicht zu trauen“.

Der interne Index war bisher nicht bekannt. Das Unternehmen Facebook wurde aber unter anderem beschuldigt, bei der Gewalt gegen und bei der Vertreibung von Muslim:innen in Myanmar eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Auch wegen der digital vorangetriebenen Organisation rechter Milizen in den USA steht Facebook in der Kritik.

Facebook hat in der Zwischenzeit eine große Gruppe geschlossen, in der sich Trump-Anhänger:innen organisiert und den Demokraten einen Wahlbetrug vorgeworfen hatten. In dieser Gruppe (Stop the Steal/Stopp den Diebstahl), die am Wahltag gegründet wurde, waren mehr als 365 000 Mitglieder. Facebook erklärte, dass die Gruppe „sich organisierte, um den Wahlprozess zu delegitimieren“. Ob der interne Gewalt-Index und das Schließen der Gruppe zusammenhängen, blieb unklar.

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