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US-Wahl 2020 ‒ Fox News-Moderator: „Lasst uns alle aufhören zu lügen!“

  • Ines Alberti
    vonInes Alberti
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Der Sender Fox News agierte lange als Sprachrohr von Donald Trump. Jetzt kehrt er dem Präsidenten den Rücken, doch ein Moderator bleibt Trump erhalten.

  • Der Trump wohlgesinnte Sender Fox News kehrt dem Präsidenten den Rücken.
  • Fox News verkündete Herausforderer Joe Biden als Gewinner im Staat Arizona vor Ende der Auszählung.
  • US-Wahl 2020: Alle Nachrichten im Überblick.

+++ 18.45 Uhr: Der üblicherweise Trump-freundliche US-Sender Fox News hat sich in den vergangenen Tagen vom noch amtierenden Präsidenten überraschend abgewandt - aber dabei offenbar die Rechnung ohne Moderator Tucker Carlson gemacht. In seiner Sendung „Tucker Carlson Tonight“ am Montag (09.11.2020) ließ sich der Journalist knapp 25 Minuten lang darüber aus, auf welchen Wegen die Amerikaner:innen am 3. November um ihre Wahl gebracht worden sein sollen. Damit schlägt sich Carlson klar auf die Seite von Trump und dessen Team, das fest davon ausgeht, Joe Biden habe die Präsidentschaftswahl nur mithilfe von Wahlbetrug gewinnen können.

Carlson kritisiert in seiner Show andere Medien, Meinungsforschende, Wahlhelfer:innen und natürlich die demokratische Partei. „Wir wissen nicht, wie viele Stimmen Dienstagnacht gestohlen wurden. Wir wissen nichts über die Software, die viele als manipuliert bezeichnen. Wir wissen es nicht. Wir müssen es herausfinden, aber soviel wissen wir. In größerem Umfang, auf den höchsten Ebenen, ist unser System nicht das, was wir dachten. Es ist nicht so fair wie es sein sollte. Nicht mal annähernd“, stellt Carlson die Vorwürfe des Wahlbetrugs als eine Tatsache dar.

Und Fox News-Moderator Tucker Carlson schlägt auch vor, wie man diese Probleme lösen könnte: „Wie lösen wir das und bringen das Land zusammen? Wie erschaffen wir ein Amerika, in dem man leben möchte? Die einzige Antwort, die einzige Lösung ist Ehrlichkeit. Lasst uns alle aufhören zu lügen! Lügen über alles, was wichtig ist“, appelliert der Moderator offenbar an Joe Biden und dessen Unterstützer, denen er offen Wahlbetrug vorwirft.

Auf Twitter erntete der Moderator für seinen Vorschlag, Ehrlichkeit walten zu lassen, hauptsächlich Häme. „Das ist, als würde El Chapo allen sagen, keine Drogen mehr zu verkaufen“, schreibt ein Nutzer. „Ich kann vielleicht nie wieder aufhören zu lachen. Das ist möglicherweise der Witz des Jahrhunderts. Ich wusste nicht, dass Tucker nicht nur ein Idiot ist, sondern auch ein Comedian“, macht sich ein weiterer über Tucker Carlsons Statement lustig. Einige Nutzer erinnerten auch an einen Gerichtsprozess gegen Carlsons Show auf Fox News, den der Sender gewann. Der Fox-Jurist argumentierte damit, dass Zuschauer:innen die Show aufgrund von Carlsons Ruf „mit einer angemessenen Menge Skepsis“ schauten und den Moderator und seine Äußerungen ohnehin nicht ernst nähmen.

Eklat nach US-Wahl 2020: Fox News bricht Live-Übertragung von Trump-Sprecherin ab

Update vom Dienstag, 10.11.2020, 13.11 Uhr: Der US-Sender Fox News hat die Übertragung eines Pressebriefings der Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, abgebrochen. McEnany wiederholte in dem Briefing, dass Donald Trump keine Wahlniederlage eingestehe und sprach von angeblichem Wahlbetrug, wie auch Trump und viele Republikaner, die den Sieg Bidens bei der US-Wahl nicht anerkennen. Die Trump-Sprecherin sagte, Republikaner wollten, dass jede legale Stimme gezählt und jede illegale Stimme ausgesondert werde.

„Es gibt nur eine Partei in Amerika, die Wähler-Identifizierung ablehnt. Es gibt nur eine Partei in Amerika, die eine Überprüfung von Unterschriften (...) ablehnt. Es gibt nur eine Partei in Amerika, die versucht, Beobachter aus dem Auszählraum herauszuhalten. Und diese Partei, meine Freunde, ist die demokratische Partei“, verlas McEnany ihre persönliche Anklage. Und weiter: „Man bezieht diese Positionen, weil man offen für Betrug und offen für illegale Stimmabgaben ist.“

Dann reichte es Fox News-Moderator Neil Cavuto und er ergriff im Studio das Wort: „Whoa, whoa, whoa ‒ ich glaube, wir müssen hier sehr klar sein. Sie beschuldigt die andere Seite, offen für Betrug und offen für illegale Stimmabgaben zu sein. Sofern sie nicht mehr Details hat, um das zu belegen, kann ich Ihnen das nicht guten Gewissens weiter zeigen.“ Cavuto betonte, wieder zurückschalten zu wollen, sobald McEnany Beweise liefere. „Aber das ist eine brisante Anschuldigung. (...) Nicht so schnell.“

US-Wahl 2020: Donald Trump plötzlich im Clinch im Fox News - Jared Kushner schaltet sich ein

+++ 22.47 Uhr: Besonders der Datenanalyst von Fox News zieht den Ärger der Kampagne von Donald Trump auf sich. Arnon Mishkin ist Leiter des sogenannten „Decision Desk“. Letztlich ist Mishkin die Person, die darüber entscheidet, ob ein Bundesstaat einem der beiden Kandidaten zugesprochen wird oder weiter als „too close to call“ gilt.

Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner soll persönlich bei Rupert Murdoch, Besitzer der Fox-Gruppe, angerufen haben, um sich über die Berichterstattung zu beschweren. Doch Murdoch weigerte sich auch nach der Forderung des Ehemanns von Ivanka Trump, auf die Berichterstattung seines Senders Einfluss zu nehmen. Von Trump habe Murdoch bislang nichts gehört, berichtete er der „Washington Post“. „Aber selbst dann hätte ich nicht eingegriffen“, sagte Murdoch gegenüber der US-Zeitung.

US-Wahl 2020: Trump-Kampagne attackiert Fox News

Die Trump-Kampagne startete aber weiter Attacken auf die Berichterstattung des einst so Trump-freundlichen Senders - und ganz persönlich auf Mishkin. Er sei ein registrierter Demokrat, habe Geld an Demokraten gespendet, und deshalb parteiisch. Tatsächlich hatte Mishkin in der Verhangenheit an die Demokratische Partei gespendet. Doch spendete er auch Geld an die Republikanische Partei, wie die „Washington Post“ schreibt. Für die Trump-Kampagne spielt das aber keine Rolle, Mishkin sei ein „für Clinton stimmender, Biden-spendender Demokrat.“

Ärger wegen der US-Wahl: Donald Trumps Schwiegersohn soll Druck auf Fox-News Besitzer Rupert Murdoch ausgeübt haben.

+++ 17.41 Uhr: Trump-Anhänger:innen im ganzen Land machen ihrem Ärger über den TV-Sender Fox News Luft. Der Sender hatte verhältnismäßig früh Herausforderer Joe Biden einen Sieg im Bundesstaat Arizona zugeschrieben und berichtet über weitere zu erwartende Siege der Demokraten in der US-Wahl 2020. Anhänger von US-Präsident Trump protestieren einem Bericht des britischen „Guardian“ zufolge etwa vor einem Wahlzentrum in Phoenix (Arizona) und skandieren „Fox News sucks!“ ‒ „Fox News ist Mist!“.

Auch andernorts lassen sie verlauten, sie hätten das Vertrauen in den rechtsgerichteten Sender Fox News verloren, der in den vergangenen Jahren immerzu auf Trumps Seite zu stehen schien. Auf Twitter bezeichnen User:innen den Sender als Fake News und verbreiten den Hashtag #FoxNewsIsDead.

US-Wahl 2020: Fox News spekuliert über Niederlage Trumps

Erstmeldung vom Freitag, 06.11.2020, 16.58 Uhr: Washington/New York City - Im US-Bundesstaat Arizona sind nicht annähernd 100 Prozent der Stimmen ausgezählt, da erklärt der US-Sender Fox News bereits den Demokraten Joe Biden zum dortigen Sieger - während andere, Donald Trump üblicherweise weniger wohlgesonnenere Medien noch zögern. Trumps Haus- und Hofberichterstatter kehrt ihm offenbar den Rücken.

Der US-Präsident und sein Team sind empört darüber, dass Fox News Biden den Sieg im Staat Arizona zuschreibt. Auch bei anderen Swing States legt sich der US-Sender fest. In Pennsylvania rechnet man bei Fox News mit einem Sieg Joe Bidens.

US-Wahl 2020: Fox News berichtet von Biden als Gewinner in Arizona

Fox News berichtet außerdem, dass Berater dem Präsidenten unter anderem mittlerweile empfehlen, eine Wahlniederlage zuzugeben. „Fox wurde gesagt, seine Berater haben ihm Empfehlungen in beide Richtungen gegeben. Manche glauben, ein Eingeständnis sei das Richtige - andere glauben, er muss kämpfen, um sicherzustellen, dass die Abstimmung korrekt war“, heißt es im Live-Ticker von Fox News. Der Sender zitiert einen Berater: Donald Trump „könnte es schlussendlich einräumen. Aber er ist noch nicht so weit.“

Donald Trump: Wahlkampf-Team wehrt sich gegen Berichterstattung

Trumps Wahlkampf-Team wehrt sich derweil gegen die Berichterstattung von Fox News: „Diese Wahl ist noch nicht vorbei. Die falsche Darstellung von Joe Biden als Gewinner basiert auf Ergebnissen von vier Staaten, die weitaus nicht final sind“, heißt es in einer Erklärung der Trump-Kampagne. Das Team ist demnach fest davon überzeugt, dass Donald Trump schlussendlich wiedergewählt wird und vorher auch in Arizona gewinnen wird: „Der Präsident ist auf dem Weg, Arizona klar zu gewinnen, trotz der unverantwortlichen und fehlerhaften „Zuschreibung“ des Staates für Biden von Fox News und der Associated Press“, so Matt Morgan von der Trump-Kampagne.

Die Biden-Kampagne meldete sich unterdessen dazu zu Wort, dass Trump noch nicht bereit für das Eingeständnis einer Wahlniederlage sei. Sprecher Andrew Bates sagte Medienberichten zufolge, die Regierung sei „absolut imstande, Unbefugte aus dem Weißen Haus zu eskortieren.“ (ial)

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/dpa

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