US-Wahl 2020

Resigniert und müde im TV-Interview: Akzeptiert Donald Trump nun seine Niederlage?

  • vonMirko Schmid
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Im TV lieferte US-Präsident Donald Trump einen müden und lustlosen Auftritt ab. Er wirkte jedoch, als hätte er die US-Wahl 2020 noch nicht abgehakt.

  • Donald Trump klang bei seinem letzten Interview vor der US-Wahl mit Fox News erstaunlich resigniert.
  • Seinem Haussender „Fox News“ stellt der Präsident kein gutes Zeugnis aus.
  • Alle Informationen und News rund um den 45. Präsidenten der USA finden Sie in den Trump-News.

Update 08.11.2020, 06:22 Uhr: Die Wahlniederlage will Donald Trump nach wie vor nicht eingestehen. Trump stellt sich als Opfer systematischen Wahlbetrugs dar, ohne dafür stichhaltige Beweise vorzulegen zu können. Er sieht sich als legitimer Sieger der Wahl. Mithilfe seiner Anwälte will Donald Trump seine Niederlage noch abwenden. Die Erfolgsaussichten gelten jedoch als sehr gering. Anders als üblich verzichtete Trump daher auch darauf, den Gewinner anzurufen und seine Niederlage einzugestehen.

In den USA ist es selten, dass ein Präsident nach nur einer Amtszeit abgewählt wird. Zuletzt war das bei George Bush Senior der Fall, der die Wahl im Jahr 1992 verlor. Donald Trump erhielt von mehr als 70 Millionen Wählern die Stimme. Das hat er aber auch der außergewöhnlich hohen Wahlbeteiligung zu verdanken.

Müder Auftritt des US-Präsidenten beim Haussender Fox News

Erstmeldung: USA - Ein als besonders unmotiviert wahrgenommener Auftritt von Präsident Donald Trump im Programm seines „Haussenders“ Fox News macht in den US-Medien die Runde. Fox gab dem Präsidenten am Tag der US-Wahl die Möglichkeit, vor einem Millionenpublikum noch einmal mit Nachdruck für sich zu werben und seine Anhänger und Anhängerinnen zu mobilisieren. Nur: Der Präsident liefert nicht.

Donald Trump im Weißen Haus: Bald wird sein Abgang folgen.

Donald Trump klingt im Gespräch mit Fox News über die US-Wahl 2020 resigniert

Zunächst erscheint Donald Trump 45 Minuten später als erwartet auf Sendung und klingt nicht energiegeladen. Vielmehr bescheinigen ihm Beobachter:innen seines letzten Auftritts unter dem Brennglas der US-Öffentlichkeit vor der US-Wahl 2020 einen müden, beinahe erschöpften Eindruck. „The Daily Beast“ beschreibt seine Performance als die eines Mannes, der „gerade aus einem tausendjährigen Schlaf“ erwacht sei.

Während das Gespräch mit dem Republikaner in der Sendung „Fox and Friends“, die in der Vergangenheit in der Regel 60 Minuten dauert, nimmt sich Donald Trump nur die Hälfte der üblichen Sendezeit. Der Amtsinhaber hört sich in einigen Passagen fast schon pessimistisch an, er spricht unter anderem davon, dass es eine Ehre gewesen sei, der USA zu dienen - wohlgemerkt im Präteritum.

Donald Trump deutet erstmals an, das Ergebnis der US-Wahl zu akzeptieren - auch wenn er verliert

Von Anfang des Interviews an klingt Donald Trump laut „The Daily Beast“ wie ein Mann, der Abschied nimmt. Der Präsident wählt erneut die Vergangenheitsform, als er den sichtlich verdutzen Moderatoren erklärt: „Dies war eine ganz besondere Show für mich. Vom ersten Tag an hatten wir eine großartige Beziehung und Sie haben eine großartige Show, also war es mir eine Ehre.“ Gastgeber Steve Doocy antwortet daraufhin: „Wir fühlen uns geehrt, weil Sie unsere Show als erste für ein Fernsehinterview ausgewählt haben, das Sie als Präsident geführt haben. Es ist großartig, dass Sie auch heute zu uns kommen.“

Überraschender Weise lenkt Donald Trump gegenüber seinem „Heimatsender“ erstmals in der Frage ein, ob er eine Niederlage in der US-Wahl akzeptieren würde. Er verspricht den Moderatoren gegenüber, sich nicht zum Sieger zu erklären, bevor er eine belastbare Mehrheit von mindestens 270 Wahlleuten gesammelt habe. Seine Begründung: Es gebe keinen „Grund, Spiele zu spielen.“ Im Anschluss klingt er lange nicht so siegessicher wie zuletzt.

Fox News-Moderator fragt Donald Trump, ob er wegen der US-Wahl jemals geweint habe

Donald Trump wörtlich: „Wenn es einen Sieg gibt, werden wir wahrscheinlich einen Sieg haben. Ich denke, die Umfragen sind Unterdrückungsumfragen und ich denke, wir werden einen Sieg haben.“ Der Präsident fügt hinzu: „Ich sehe eine sehr solide Gewinnchance. Ich weiß nicht, wie hoch die Chancen sind, ich weiß nicht, wie Sie die Chancen bewerten, aber ich denke, wir haben eine sehr solide Gewinnchance.“ Im Bezug auf einen möglichen Sieger der US-Wahl Joe Biden sagt Trump: „Joe wird es schwer haben, er wird nicht in der Lage sein, mit Ihnen umzugehen.“

Gastgeber Brian Kilmeade fragt Trump daraufhin, ob er bei seiner letzten Wahlkampfkundgebung am Montag emotional gewesen sei, da dies „die letzte Kundgebung Ihres politischen Lebens“ gewesen sein könnte. Trump antwortet, er habe einige Emotionen gespürt, aber er habe nur gescherzt, als er auf der Bühne sagt, er habe Lust zu weinen. „Haben Sie in Ihrer Zeit als Präsident jemals geweint?“ entgegnete sein Gastgeber. Die Frage bleibt unbeantwortet.

Donald Trump gibt sich enttäuscht über die Performance von Fox News im Rahmen der US-Wahl

Anschließend wendet sich Donald Trump direkt gegen seinen „Haussender“ Fox. Der Sender habe sich „sehr verändert“, klagt Trump. Was der größte Unterschied zwischen Fox heute und Fox vor vier Jahren sei, fragt der Präsident, um seine Frage selbst zu beantworten: „Fox ist ganz anders. Ein anderer Ort in Bezug auf die Politik.“ Das Gespräch endet jäh, als Moderator Doocy Trump darauf hinweist, dass das Team des Weißen Hauses Fox signalisiert habe, „dass Sie gehen müssen“. Trumps Antwort: „Es war mir eine Ehre. Es gab solche Liebe.“ (Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/dpa

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