US-Wahl 2020:

Donald Trump reagiert bei „Town Hall“-Show gereizt – Joe Biden erreicht höhere Einschaltquote

  • Christian Stör
    vonChristian Stör
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  • Lukas Rogalla
    Lukas Rogalla
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Donald Trump liegt in Umfragen deutlich hinter Joe Biden zurück. Auch sein Auftritt bei einer TV-Runde läuft nicht reibungslos. Biden geht als Gewinner der Fernsehrunden hervor.

  • Donald Trump stellt sich im Swing State Florida den kritischen Fragen der Menschen.
  • Der Präsident der USA erreicht beim Town Hall in Miami eine geringere Zuschauerzahl als sein Gegner.
  • Alle Nachrichten zu Donald Trump und der US-Wahl im Überblick.

+++ 19.34 Uhr: Nach Donald Trumps Auftritt beim Town Hall in Miami liegen die ersten Bewertungszahlen vor. Laut einem Bericht des US-Magazins „Variety“ sahen 12,7 Millionen Menschen die Town Hall Show von Joe Biden, die bei ABC ausgestrahlt wurde, während Donald Trump bei NBC nur eine Zuschauerzahl von 10,4 Millionen erreichte. Damit scheint Biden der klare Gewinner der Fernsehrunden zu sein, in denen sich die beiden Präsidentschaftskandidaten den Fragen der Zuschauer*innen stellten.

Fox News attackiert „Town Hall“-Moderatorin und verteidigt Donald Trump

+++ 10.40 Uhr: Diesmal war Donald Trump nicht der Star der Show. Normalerweise hält sich der US-Präsident ja an keinerlei Regeln und verwandelt auch die simpelste Fragerunde oder TV-Debatte mit seinem Dominanzverhalten in ein chaotische Veranstaltung. Doch das war beim Town Hall in Miami anders. Grund war die Moderatorin des TV-Senders NBC. Savannah Guthrie ließ Trumps Behauptungen nicht unwidersprochen im Raum stehen, gab ihm mit sofortigen Faktenchecks immer wieder Kontra und ließ ihn ein ums andere Mal alt aussehen.

Das kam vor allem bei Trumps Lieblingssender Fox News nicht gut an. Dort laufen solche Gespräche in der Regel ganz anders ab, nur selten muss Trump hier mit kritischen Fragen rechnen. Zuletzt war dies im Juli der Fall bei einem Interview von Chris Wallcace der Fall. Ob Katie Pavlich, Laura Ingraham oder Greg Gutfeld - sie alle hatten etwas auszusetzen. Gutfeld zum Beispiel beklagte sich lautstark darüber, dass Guthrie den Präsidenten geradezu „belästigt und gemobbt“ habe.

Und Sean Hannity? Der konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Der Fox-News-Moderator sprach davon, dass NBC den Präsidenten in einen Hinterhalt gelockt und quasi hinterrücks überfallen hätte. „Fragen, Themen und Taktiken, die alle nach reiner politischer Voreingenommenheit stinken“, sagte Hannity, der Guthrie dann auch noch einen Rat mit auf dem Weg gab: „Savannah, du musst aus der New Yorker, liberalen, elitären, wirklichkeitsfernen Blase, in der du lebst, herauskommen und vielleicht andere Nachrichten lesen oder einen Schritt raus machen aus der linksextremen Enklave, die sich Verschwörungs-TV MSNBC nennt.”

Update Freitag, 16.10.2020, 06.30 Uhr: Die Präsidentenwahl in den USA steht kurz vor der Tür. Oder besser: kurz vor dem Abschluss, denn fast überall wird ja schon eifrig gewählt - und zwar so viel wie nie zuvor. Viel deutet dabei darauf hin, dass das Pendel beim Early Voting eher in Richtung Joe Biden ausschlägt. Die Demokraten scheinen hochmotiviert, Donald Trump aus dem Weißen Haus zu jagen.

Was also kann der US-Präsident noch tun, um gegenzusteuern? Ein zweites TV-Duell wäre vielleicht eine Möglichkeit gewesen, doch das fiel ins Wasser. Blieb also nur, sich in Fernsehrunden den Fragen aus dem Volk zu stellen. Das taten denn auch beide, Donald Trump bei NBC, Joe Biden bei ABC. Beide traten in umkämpften Bundesstaaten auf, Trump in Miami (Florida), Biden gut 1600 Kilometer entfernt in Philadelphia (Pennsylvania). Doch Boden gutmachen konnte Trump mit seinem Auftritt wahrscheinlich nicht.

Donald Trump reagiert genervt auf Fragen zu QAnon und Rechtsradikalen

Anders als bei Wahlkampfauftritten vor seinen Fans musste Donald Trump sich diesmal nämlich kritische Fragen gefallen lassen. Und Moderatorin Savannah Guthrie nahm ihn dabei regelrecht in die Zange, der reagierte darauf mitunter gereizt. „Lassen Sie uns die ganze Show vergeuden“, sagte Trump, als ihn Guthrie auf die Verschwörungstheoretiker von QAnon ansprach, die auch unter seinen Republikanern Unterstützer haben. „Es ist diese Theorie, dass die Demokraten ein satanischer Pädophilenring sind und dass Sie der Retter davor sind“, sagte Guthrie. Ob Trump sich davon „ein für alle Mal“ distanziere? „Ich weiß nichts über QAnon“, antwortete Trump genervt. „Lassen Sie mich Ihnen nur sagen, was ich darüber höre, ist, dass sie sehr entschieden gegen Pädophilie sind, und dem stimme ich zu.“

Gereizt reagierte Trump auch, als er nach seiner Haltung zu Rechtsradikalen gefragt wurde - er ist unter Druck geraten, weil er sich von ihnen nicht eindeutig distanzieren wollte. „Jetzt geht das wieder los“, sagte Trump sichtlich genervt - und behauptete dann, dass er „seit Jahren“ Rechtsradikalismus verurteile. Zugleich betonte er aber, er verurteile auch die Antifa und „diese Menschen auf der Linken, die unsere Städte niederbrennen“. Trump kritisierte außerdem, dass Joe Biden bei einer NBC-Fragestunde in der vergangenen Woche nicht danach gefragt worden sei, ob er die Antifa verurteile.

Zudem musste sich Donald Trump einer Frage stellen, die ihm wohl eher unangenehm sein dürfte: Was hat es mit seinen finanziellen Verhältnissen auf sich? Seine Schulden beliefen sich nur auf „einen winzigen Prozentsatz meines Nettovermögens“, sagte Trump. Die von der „New York Times“ kürzlich berichtete persönliche Schuldenhöhe von 421 Millionen Dollar schien er in etwa zu bestätigen. Er wollte sich zunächst zwar auf Nachfrage der Moderatorin nicht festlegen, sprach dann aber selbst von „400 Millionen Dollar“. Wie schon seit Jahren versprach er, er werde seine Steuererklärungen veröffentlichen, sobald eine Buchprüfung der Steuerbehörde IRS abgeschlossen sei.

Donald Trump wiederholt falsche Corona-Aussage

Zur Corona-Pandemie äußerte sich der erst kürzlich selbst an Covid-19 erkrankte Präsident ein weiteres Mal widersprüchlich. „Ich sage, tragt die Masken. Ich habe kein Problem damit“, betonte er. Trump wiederholte aber auch seine falsche Aussage, dass sich nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC 85 Prozent der Menschen, die eine Maske tragen, mit dem Virus infizierten. Richtig ist, dass bei einer CDC-Untersuchung 85 Prozent einer Gruppe von Infizierten angaben, sie hätten in den 14 Tagen zuvor oft oder immer eine Maske getragen.

Zudem wollte sich Donald Trump wieder nicht darauf festlegen, wann er vor seiner Covid-Erkrankung zuletzt negativ getestet worden war. „Ich erinnere mich gar nicht daran“, sagte er. Diese Frage ist wichtig, um zu klären, ob Trump womöglich noch bei Veranstaltungen war, obwohl er von einer Infektion wusste. Dass auch das Weiße Haus und Trumps Ärzte Angaben dazu verweigern, räumt diesen Verdacht nicht aus der Welt.

Donald Trump fühlt sich in Miami nicht wohl.

Donald Trump in Florida unter Druck - Wie schlägt sich der US-Präsident in Miamis „Town Hall“?

Erstmeldung vom 15.10.2020: Miami - Wenige Wochen vor der US-Wahl wird sich Donald Trump den Fragen von unentschiedenen Wähler*innen stellen. Donnerstagnacht findet die „Town Hall“-Fragerunde in Florida statt. Zeitgleich wird in Pennsylvania Trumps Konkurrent Joe Biden befragt.

Die meisten Augen werden auf Donald Trump gerichtet sein. In der „Town Hall“ geht es um den direkten Kontakt zu den Bürger*innen - ein Format, das dem US-Präsidenten nicht sonderlich liegt. Gerade deshalb wollen sich viele Zuschauer den Auftritt nicht entgehen lassen.

US-Wahl 2020: Donald Trump in der „Town Hall“ in Miami

Die „Town Hall“ mit US-Präsident Donald Trump wird vom Fernsehsender „NBC“ unter strikten Corona-Auflagen organisiert. Etwa eine Stunde wird die Fragerunde dauern. Dabei werden 60 Wähler*innen aus Florida anwesend sein, ein von Republikanern und Demokraten hart umkämpfter „Swing State“. Als zentrale Themen werden die Corona-Pandemie und die daraus folgende Rezession in den USA erwartet.

Donald Trump stellt sich in der „Town Hall“ den Wähler*innen Floridas.

Das „Town Hall“-Format birgt das Potenzial, die Schwachstellen eines Donald Trump zu offenbaren. Es unterscheidet sich in der Dynamik völlig von einem Auftritt, wie ihn sich der Präsident am liebsten vorstellt - alleine auf der Bühne und vor einer Menge jubelnder Fans. Auch ein Eins-gegen-Eins, wie in der ersten TV-Debatte gegen Joe Biden, käme Trump eher gelegen. Das Problem für ihn: Das Publikum ist nicht dort, um Donald Trump zu feiern und von ihm unterhalten zu werden, sondern um ihn auszufragen.

US-Wahl: „Town Hall“ offenbart Schwächen von Donald Trump

Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2016 wurde dies deutlich. Zwar fand die „Town Hall“ als direkte Debatte mit Hillary Clinton statt - anders als die separaten Fragerunden in diesem Jahr - jedoch könnten sich für Trump die gleichen Probleme zeigen wie noch vor vier Jahren. Während sich seine Konkurrentin dem Publikum mit all ihrer Erfahrung emotional annähern konnte, quälte sich Donald Trump durch die Fragen der Wähler*innen.

Donald Trump bei der „Town Hall“-Debatte 2016 gegen Hillary Clinton.

Als besonders wichtig gilt es bei dem Format, die Fragesteller*innen vor der Antwort beim Namen zu nennen und Empathie zu zeigen. Doch mit unsensiblen und teils irrelevanten Äußerungen lenkte Trump mehrmals vom Thema ab. Eine Bindung zum anwesenden Publikum aufzubauen, gelang ihm nicht. Auch bezeichnend für die „Town Hall“-Debatte 2016 waren die langen Abschnitte, in denen es überhaupt nicht zu Fragen des Publikums, sondern nur zu erbitterten Wortgefechten zwischen Trump und Clinton kam. Auch bei einer „Town Hall“-Fragerunde im vergangenen September schweifte Trump vom Thema ab und griff eher die Demokraten an als genauer auf die Fragen einzugehen.

US-Wahl 2020: Donald Trump in der „Town Hall“ von NBC News

Wie sich Donald Trump mit den Fragen der Wähler*innen in Miami schlagen wird, lässt sich in der Nacht von Donnerstag (15.10.2020) auf Freitag um 2 Uhr (MESZ) auf NBC News Now mitverfolgen. Joe Biden wird nicht dabei sein, sondern parallel in der „Town Hall“ in Philadelphia auftreten - zu sehen bei ABC News. In den Umfragen liegt der US-Präsident hinter seinem demokratischen Herausforderer.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Evan Vucci/dpa

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