Vorstädte für Biden, Rust Belt bleibt Trump-Land

US-Wahl 2020: Wer für Donald Trump stimmt und wer Joe Biden favorisiert

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
    schließen

Bei der US-Wahl 2020 zeichnet sich ab, welche Wählergruppen im Vergleich zur letzten Wahl 2016 die Seiten gewechselt haben - und wer Trump treu bleibt.

  • Viele verschiedene Wählergruppen beeinflussen den Ausgang der US-Wahl 2020 — und unterscheiden sich dabei stark voneinander.
  • Schon jetzt hat Donald Trump deutlich mehr Stimmen bekommen als noch 2016, Joe Biden übertraf Clintons Ergebnis der letzten Wahl ebenfalls deutlich.
  • Joe Biden punktet bei der Wahl 2020 bisher besonders in den Vorstädten, während Trump bei Minderheiten und in der besser gebildeten Wählerschaft Stimmen dazugewinnt.

Viele wundern sich darüber, dass auch diesmal wieder so viele Menschen für Donald Trump gestimmt haben. Er bekam sogar mindestens fünf Millionen Stimmen mehr als 2016 – weil die Bevölkerung der USA wächst und die Wahlbeteiligung angestiegen ist. Welche Stimmen waren es also, die trotz dessen Joe Biden zum Sieg verholfen haben? Der holte mindestens sechs Millionen Stimmen mehr als Clinton.

Besonders bedeutsam ist das Wahlverhalten der Bevölkerungsmehrheit ohne College-Abschluss. Diese Gruppe hatte vor vier Jahren Probleme mit der als elitär angesehenen Hillary Clinton. Joe Biden hingegen gilt mit seiner hemdsärmeligen Art als volksnäher. Nachwahlbefragungen legen nahe, dass ihm dieses Attribut mit zum Sieg verholfen haben könnte: Während für Clinton nur 43 Prozent der Menschen ohne College-Abschluss gestimmt hatten, erhielt Biden wohl 49 Prozent der Stimmen dieser Gruppe – wie Donald Trump.

Dafür konnte Trump bei der besser gebildeten Wählerschaft aufholen: Statt 36 Prozent entschieden sich diesmal 43 Prozent für ihn. Zuwächse für Trump gibt es auch bei Minderheiten wie den Latinos in Florida und bei Schwarzen. Insgesamt stimmten aber auch 2020 wieder alle großen Minderheiten der USA (Schwarze, Latinos und Asian-Americans) mehrheitlich für die Demokraten – also für Biden.

Trump konnte bei der besser gebildeten Wählerschaft aufholen.

US-Wahl 2020: In den Vororten wird jetzt mehrheitlich für Biden gestimmt

Einen großen Sprung konnte Joe Biden wohl in den Vororten machen, die – zwischen den eher linken Großstädten und dem konservativen Land gelegen – als wahlentscheidend gelten. Nachwahlbefragungen zufolge errang Biden in diesen „Suburbs“ mit vier Prozentpunkten Vorsprung die meisten Stimmen – 2016 hatte in den Vorstädten mit drei Prozentpunkten noch Donald Trump vorne gelegen.

„Dieser Verlust an Unterstützung in den Vororten beunruhigt mich“, sagte der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, am Wahlabend. In der Tat sind viele Vororte keineswegs mehr reine Horte des weißen Konservatismus. Beispielhaft für den Wandel ist der 6. Kongresswahldistrikt in Georgia, der große, von Schnellstraßen durchzogene Vororte Atlantas umfasst. Eigentlich ist die Gegend klassisches Trump-Terrain. Seit 1978 wurden hier durchgängig Konservative in den Kongress gewählt. 2018 aber gewann mit Lucy McBath zum ersten Mal seit den 70ern eine Demokratin – die zudem schärfere Waffengesetze fordert. Am Dienstag wurde sie wiedergewählt.

„Rust Belt“ bleibt Trump treu, während noch mehr Frauen bei der US-Wahl 2020 für den Bewerber der Demokraten abstimmen als noch 2016

Ebenfalls besorgt zeigte sich McConnell über das Abschneiden Trumps bei Frauen – sie stimmten mit 56 Prozent deutlicher für Biden, als 2016 für Clinton (54 Prozent). Die finalen Ergebnisse können abweichen. Weiter Richtung Donald Trump ist hingegen der „Rust Belt“ gerutscht – jene ehemaligen Industrieregionen, die unter dem Strukturwandel ächzen und der Kampagne Trumps 2016 mit zum Sieg verhalfen. Beispiel Youngstown: Der Landkreis des ehemaligen Stahlindustriezentrums in Ohio stimmte 2016 für Clinton – und 2020 für Trump.

Rubriklistenbild: © SETH HERALD/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare