US-Wahl 2020

Donald Trump und die Wahlen: Wird der Präsident zum Opfer seiner eigenen Verschwörungstheorie?

  • Tim Vincent Dicke
    vonTim Vincent Dicke
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Joe Biden will mithilfe der Briefwahl den Kampf ums Weiße Haus manipulieren: Diese Verschwörungstheorie verbreitet Donald Trump immer wieder. Dem US-Präsidenten könnten die Äußerungen um die Ohren fliegen.

  • In den USA herrscht ein tiefer Streit um die Briefwahl. Donald Trump wirft den Demokraten vor, sie wollten damit die Wahl 2020 manipulieren.
  • Aktuelle Zahlen zeigen, dass Joe Biden bei den Anträgen für die Stimmzettel deutlich führt.
  • Bei den Republikanern dürften sich die Sorgenfalten vergrößern.

Washington – Am 3. November ist es so weit: Die US-Amerikaner wählen den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Schon im Voraus können die Bürger Anträge für die Briefwahl stellen und abstimmen. Und dort scheint es in nur eine Richtung zu gehen.

US-Wahl 2020: Donald Trump liegt deutlich bei Briefwahl-Anträgen zurück

Joe Biden und die Demokraten haben nach derzeitigen Erkenntnissen einen enormen Vorsprung bei den Anträgen für die Stimmzettel, berichtet die renommierte US-Zeitung „Politico“. Die Dominanz der demokratischen Partei verteilt sich dem Bericht nach auf eine Vielzahl der hart umkämpften „Swing States“ – eben die Staaten, die Kandidaten im Kampf ums Weiße Haus zur Macht verhelfen.

In North Carolina und Pennsylvania haben die Demokraten dreimal mehr Briefwahlanträge gestellt als die Republikaner um Donald Trump. Auch in Florida gingen über 700.000 Wahlanträge der Biden-Anhänger mehr ein. Trump muss den „Sunshine State“ bei der US-Wahl 2020 unbedingt gewinnen, um eine realistische Chance auf eine zweite Amtszeit zu haben. Auch in den wichtigen Bundesstaaten New Hampshire, Ohio und Iowa liegt Herausforderer Joe Biden vorne.

US-Wahl 2020: Sorgenfalten bei Republikanern – Donald Trump verbreitet bizarre Theorien zur Briefwahl

Zudem werden die Sorgenfalten der Republikaner aufgrund eines weiteren Phänomens größer. Demokratische Wähler, die bei der Wahl 2016 nicht abgestimmt hatten, fragen deutlich mehr Anträge für die Briefwahl an. Im „Swing State“ Pennsylvania wird das besonders deutlich: Mehr als doppelt so viele Demokraten im Vergleich zu Republikanern haben bis dato einen Stimmzettel beantragt.

Einer der Hauptgründe für den demokratischen Vorsprung dürften Trumps bizarre Verschwörungstheorien sein. Beim Nominierungsparteitag der Republikanerin Charlotte unterstellte Donald Trump Bidens Demokraten ohne jeden Beleg, die US-Wahl 2020 manipulieren zu wollen. „Sie versuchen, die Wahl von den Republikanern zu stehlen“, sagte er. „Die einzige Möglichkeit, wie sie uns diese Wahl wegnehmen können, ist, wenn das eine manipulierte Wahl ist.“

Wird Donald Trump zum Opfer der eigenen Verschwörungstheorie?

Donald Trump verbreitet immer wieder die Theorie, dass die Briefwahl Betrug Tür und Tor öffne. Einen Beweis dafür bleibt er schuldig.

Donald Trump hat einen Vorschlag für die US-Wahl 2020: Warum nicht einfach doppelt abstimmen?

Derweil sorgt der US-Präsident weiterhin für Eklats. Donald Trump ermutigte Briefwähler zum Versuch, zusätzlich auch im Wahllokal abzustimmen. Sollte das Briefwahl-System so gut funktionieren, wie von dessen Befürwortern angegeben, „dann werden sie nicht in der Lage dazu sein“, argumentierte Trump. Mehrere Bundesstaaten betonten, dass eine doppelte Stimmabgabe illegal wäre. Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany bestritt, dass der Präsident zu einer Rechtsverletzung aufgerufen habe.

Trump schrieb auf Twitter, es gehe darum, dass Wähler sicherstellen sollten, dass ihr Stimmzettel tatsächlich gezählt und nicht verloren oder „zerstört“ werde. Facebook und Twitter gingen gegen Beiträge mit seinen Äußerungen vor, weil sie die Integrität der Wahlen gefährden könnten.

Donald Trump und die Briefwahl: Experten und Politiker kritisieren Briefwahl-Äußerungen des US-Präsidenten

Experten widersprechen Trumps wiederholter Behauptung, wonach Briefwahl Betrug Vorschub leistet. Bundesaußenminister Heiko Maas warf Donald Trump ein skrupelloses Verhalten im Wahlkampf vor. Dem Boulevardblatt „Bild am Sonntag“ sagte der SPD-Politiker: „Es ist verstörend, dass ein amerikanischer Präsident glaubt, so etwas nötig zu haben.“ Er setze auf die Vernunft und den gesunden Menschenverstand der Amerikaner, „damit der ruchlose Versuch scheitert, Zweifel an der Gültigkeit der Wahl zu säen, um später womöglich eine Wahlniederlage nicht zu akzeptieren.“

US-Justizminister William Barr räumte ein, die Warnungen des US-Präsidenten basierten lediglich auf „Logik“. Er habe keine Erkenntnisse, die auf Betrugspläne hinwiesen. (Tim Vincent Dicke mit dpa)

Wer die US-Präsidentschaftswahl im November gewinnen wird, steht in den Sternen. Doch der Berater Roger Stone gibt Donald Trump Tipps, wie er gegen eine Niederlage vorgehen kann - in der Show eines rechten Verschwörungstheoretikers.

Weiterhin sterben viele Menschen in den USA aufgrund des Coronavirus. Donald Trump beweist derweil seine grenzenlose Ignoranz, insbesondere im Umgang mit Risikogruppen.

Rubriklistenbild: © ANDREW CABALLERO-REYNOLDS / AFP

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