Präsidentielle Feindschaft

Barack Obama: So rechnet der Ex-Präsident auf dem Parteitag der US-Demokraten mit Donald Trump ab

  • Isabel Wetzel
    vonIsabel Wetzel
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Der Parteitag der Demokraten wird in mehrfacher Hinsicht in Erinnerung bleiben. Am Tag danach sind vor allem die Worte von Ex-Präsident Barack Obama in Richtung von Donald Trump in aller Munde.

  • Historischer Parteitag der Demokraten in den USA.
  • Barack Obama hält eine dramatische Rede - und rechnet mit seinem Nachfolger Donald Trump gehörig ab.
  • Die Präsidentschaft Trumps schürt bei Obama eine Wut, die schon lange schwelt.

Washington - Der Parteitag der Demokraten in den USA wurde zu einem historischen Abend. Die Demokratische Partei hat neben der Nominierung Joe Bidens als offiziellen Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl, auch die Nominierung der kalifornischen Senatorin Kamala Harris als Vizepräsidentin bekanntgegeben.

Im Falle eines Sieges wäre Kamala Harris die erste afro-amerikanische Vizepräsidentin in der Geschichte der USA. Außerdem fand der Parteitag der Demokraten aufrund der in den USA immer noch sehr gravierenden Corona-Pandemie, ausschließlich virtuell statt. Doch am Tag nach dem Parteitag ist hauptsächlich die Rede von Ex-Präsident Barack Obama in aller Munde. Diese hat durch den digitalen Parteitag keinesfalls an Nachdruck verloren.

Historische Rede: Barack Obama findet deutliche und eindringliche Worte für Donald Trump

Die Rede des ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten war für ihn ungewöhnlich dramatisch und besonders eindringlich. Und vor allem ein historischer Moment: Denn in der Tradition der USA äußern sich Ex-Präsidenten in der Regel gar nicht oder nur sehr vorsichtig über ihre derzeit amtierenden Kollegen. Doch obwohl Barack Obama auf dem Parteitag am Mittwoch (19.08.2020) sehr deutliche und eindringliche Worte in Richtung Donald Trump findet, ist es nicht das erste Mal, dass er über seinen Nachfolger im Weißen Haus einmal Luft ablässt.

Schon im Frühjahr 2020 fand Barack Obama deutliche Worte für die Politik der Trump-Regierung. „In diesem Augenblick müssen wir uns alle gegen eine Politik vereinen, die durch Eigensucht, Korruption, Täuschung, Ignoranz und Gemeinheit gekennzeichnet ist“, so die Worte, die der Ex-Präsident in einer Videobotschaft loslässt, in der er sich hinter den demokratischen Kandidaten Joe Biden stellt. In der Botschaft erwähnte Obama nicht einmal Donald Trumps Namen und dennoch sendete er eine eindeutige Botschaft.

So richtig lieb hatten sie sich wohl nie: Barack Obama und Donald Trump im Januar 2017.

Obama: „Trump ist nicht in das Amt hineingewachsen, weil er es nicht kann“

In seiner Rede auf diesem historischen Parteitag kritisiert Barack Obama Nachfolger Donald Trump und seine Arbeit als US-Präsident auf ganzer Linie. Er wirft ihm „Totalversagen“ vor, erklärt, Trump halte die Präsidentschaft nur für eine weitere Reality Show in der er sich in Szene setzen könne, er mache Politik nur für sich und seine Freunde und nicht für alle Amerikaner. Außerdem - und das sei besonders entscheidend - sei Donald Trump eine akute und immer größer werdende Gefahr für die Demokratie in den USA.

„Ich hatte gehofft, dass Donald Trump unserem Land zuliebe ein wenig Interesse daran zeigt, den Job ernst zu nehmen; dass er irgendwann das Gewicht des Amtes spürt und ein wenig Demut für die Demokratie entwickelt, die er in seiner Obhut hat. Aber das ist nie geschehen. Seit vier Jahren, hat er kein Interesse daran gezeigt, tatsächlich zu arbeiten. Donald Trump ist nicht in das Amt hineingewachsen, weil er es nicht kann. Und die Folgen davon sind ernst. 170 000 Amerikaner sind tot. Millionen Arbeitsplätze sind vernichtet. Unsere schlimmsten Instinkte wurden geweckt, unser stolzer Ruf in der Welt ist schwer beschädigt, und unsere demokratischen Institutionen sind gefährdet wie nie zuvor.“

Barack Obama

Schneidender „Wutausbruch" - Obama macht langer Wut und Angst Luft

Barack Obama schien in seiner Rede auf dem Parteitag der US-Demokraten nicht nur dem Ärger über die vergangenen Monate der Corona-Pandemie Luft zu machen, sondern deutlich länger angestauter Wut und vielleicht auch ein bisschen Angst davor, dass alles wofür Generationen in den USA gekämpft haben, zerstört wird. Und auch Verachtung schwang in seinen Worten mit. Obama ist in den vergangenen Jahren nie als wütender, impulsiver Redner aufgetreten. Aber er war schon immer ein guter Redner und wusste seine Standpunkte präzise zu platzieren. Und dementsprechend nachhaltig und akzentuiert waren seine Worte am Mittwoch.

Die „Süddeutsche Zeitung“ bringt den „Wutausbruch“ Obamas treffend auf den Punkt: Gerade weil Obama kein „Haudrauf“ sei, war seine Rede „so kalt, scharf und fein wie ein Skalpell, halb Geschichtsvorlesung über Amerika, halb schneidende Charakteranalyse des Mannes, der alles kaputt macht, was Generationen aufgebaut haben.“

Angriff auf Präsident Donald Trump - Die Wahlkampfstrategie der Demokraten

Und Obama war bei weitem nicht der einzige US-Demokrat, der an dem amtierenden Präsidenten Donald Trump kein gutes Haar ließ. Alle Redner, sei es Michelle Obama, Ex-Präsident Bill Clinton, die Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris oder Hilary Clinton, Trumps Konkurrentin der vergangenen US-Wahl, sie alle warnen eindringlich vor der Wiederwahl Trumps.

Das hinterlässt den Eindruck, als wäre der offensive und direkte Angriff auf Donald Trump ein nicht unwesentlicher Bestandteil der demokratischen Strategie für die diesjährige US-Präsidentschaftswahl. Die Demokraten wollen mit Einigkeit auftreten, vor einer zweiten Präsidentschaft Trumps warnen und den amerikanischen Wählern deutlich machen, dass Donald Trump dem Amt nicht gewachsen ist. Und auch Donald Trump hat im Wahlkampf alle Weichen auf Angriff gestellt.

Er verwandelt Tragödien in politische Waffen.

Kamala Harris zu Trumps Corona-Politik

Trump und Obama: Immer wieder Kritik und Stichelei

Doch die „präsidentielle Feindschaft“, die zwischen Donald Trump und Barack Obama herrscht, ist älter und tiefer als nur der US-Präsidentschaftswahlkampf 2020. Obama kritisierte Donald Trump bereits zu mehreren Anlässen. In einer Rede vor Studenten im Bundesstaat Illinois 2018 warf er ihm eine tiefe Spaltung des Landes vor, Eingriffe in die Unabhängigkeit der Justiz und auch die Bedrohung der Pressefreiheit. Und auch 2016, kurz bevor Obama das Amt des US-Präsidenten an Donald Trump übergeben musste, schoss der damalige Präsident der USA noch einmal scharf.

Das alljährliche Dinner des amerikanischen Präsidenten mit der Presse in Washington wird traditionell für Scherze über den Politik- und Medienbetrieb genutzt. So nutzte Obama seinen letzten Auftritt bei diesem Korrespondenten-Dinner, um ausgiebig über den damaligen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump zu lästern. Der war zu dem Dinner nicht einmal erschienen, was Obama wie folgt kommentierte: „Wir hatten letztes Mal so viel Spaß... und es ist überraschend, da ist ein Raum voller Reporter, Stars, Kameras und er sagt nein. Ist dieses Dinner zu geschmacklos für The Donald?“

Obama spekulierte dann, was Trump stattdessen machte und spielte auf Trumps frühere Ausflüge ins Fleisch-Geschäft und auf dessen Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik an: „Isst er zu Hause ein Trump Steak? Twittert er Beleidigungen an Angela Merkel?“

„Präsidentielle Feindschaft“: Zwist zwischen Trump und Obama ist schon viele Jahre alt

Doch der Beginn des Zwists zwischen dem ehemaligen und dem amtierenden Präsidenten liegt noch weiter zurück. Bereits Jahre bevor Donald Trump überhaupt daran dachte, als US-Präsident zu kandidieren, geriet er mit Obama aneinander. Der Republikaner setzte eine regelrechte Verschwörungstheorie in die Welt, nach der Präsident Obama gar nicht in den USA geboren sei und damit überhaupt nie als Präsident hätte kandidieren dürfen. Beim Korrespondentendinner 2011, also immer noch lange vor der Präsidentschaftskandidatur von Donald Trump, zog Präsident Barack Obama die Zweifel Trumps an seiner Herkunft dann öffentlich ins Lächerliche, indem er ein „Video von seiner Geburt“ zeigte. Tatsächlich handelte es sich dabei um einen Ausschnitt aus dem Disney-Cartoon „Der König der Löwen."

Donald Trump, der damals als Unternehmer an dem Dinner teilnahm, saß derweil wie versteinert an seinem Tisch. Man munkelt, dort hätte er die Entscheidung getroffen als Präsident zu kandidieren. Und vielleicht erklärt dieser Auftritt auch, warum der amtierende US-Präsident 2016 nicht mehr zum Dinner erschien. Daher war es für Barack Obama, der Trump schon lange vor seiner Kandidatur für das Amt des Präsidenten nicht geeignet und - noch viel schlimmer - außerdem für eine Gefahr für das Land und die Demokratie hielt, sicherlich mehrfach schwer, das Amt an Donald Trump zu übergeben. iwe

Es ist offiziell: Im November wird Joe Biden bei den Präsidentschaftswahlen in den USA für die Demokraten antreten. In seiner Abschlussrede verspricht Biden den „Sieg des Lichts über die Dunkelheit“. Donald Trump Jr. wirbt für Waffenhersteller und posiert mit bekanntem Sektenanhänger

Rubriklistenbild: © Saul Loeb/dpa

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