Elizabeth Warren verkündet vor ihrem Wohnhaus in Massachusetts ihren Rückzug aus dem Rennen.
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Elizabeth Warren verkündet vor ihrem Wohnhaus in Massachusetts ihren Rückzug aus dem Rennen.

US-Vorwahl

US-Vorwahlen: Elizabeth Warren steigt aus - Amerikanerinnen warten weiter auf eine Präsidentin

  • vonThomas Spang
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Mit Elizabeth Warren steigt die letzte aussichtsreiche Kandidatin aus dem Rennen der US-Demokraten aus.

Die Amerikaner nennen den kleinen Finger liebevoll „Pinkie“. Und wenn zwei Menschen sich mit ihren kleinen Fingern berühren, dann ist das eine Art Siegel für ein hochheiliges Versprechen, ein „Pinkie Promise“. Elizabeth Warren hat im Vorwahlkampf der Demokraten tausende davon gegeben. Dafür ging sie nach Wahlkampfveranstaltungen regelmäßig in die Hocke, um ihren kleinen Fans in die Augen zu schauen. „Das ist, was Mädchen tun“, pflegte die Kandidatin zu sagen. „Sie bewerben sich darum, Präsidentin zu werden.“

Als Warren (70) am Donnerstag vor ihrem Haus in Cambridge stand, um das Ende ihrer Kandidatur für das Amt im Weißen Haus zu verkünden, erinnerte sie an die vielen „Pinkie Promises“, die sie abgelegt hat, seit sie im Februar 2019 angetreten war. „Mir gehen alle diese Mädchen durch den Kopf, die nun weitere vier Jahre warten müssen“, sagt die Senatorin sichtbar bewegt. „Das wird schwer für sie sein“.

Vier weitere Anwärterinnen warfen hin

Warren teilt die Erfahrung der Niederlage mit vier anderen Frauen, die bei diesen Vorwahlen als aussichtsreiche Kandidatinnen gestartet waren und an dem scheiterten, was die erste und einzige Präsidentschaftskandidatin, Hillary Clinton, als „die unsichtbare Glasdecke“ der amerikanischen Politik bezeichnet.

Als erste warf die New Yorker Senatorin Kirsten Gillibrand das Handtuch. Dann schied die mit großen Erwartungen gestartete Senatorin aus Kalifornien und erste Generalstaatsanwältin des Bundesstaates Kamala Harris aus dem Rennen. Am Vorabend des „Super Tuesday“ beugte sich die Senatorin aus Minnesota, Amy Klobuchar, den politischen Realitäten. Stattdessen hat ausgerechnet die Partei, deren Wähler zu 60 Prozent Frauen sind, nun die Wahl zwischen zwei alten, weißen Männern.

„Es bleibt noch verdammt viel zu tun, bis außerordentlich begabte Frauen in der Lage sein werden, zum Commander-in-Chief gewählt zu werden“, zeigt sich Harris nach dem Rückzug Warrens wenig optimistisch. Und die Zahlen scheinen ihr recht zu geben. Obwohl die Frauen am Dienstag die Mehrheit der Wähler ausmachten, erhielten Bernie Sanders und Joe Biden jeweils rund zehn Prozent mehr der weiblichen Stimmen als Warren. Allein bei den Akademikerinnen lag Warren mit 30 Prozent vorn.

Kandidatinnen in der Zwickmühle

Warren sagt, sie sei im Wahlkampf oft von Frauen auf die Sorge angesprochen worden, die Amerikaner seien nicht so weit, eine Präsidentin zu wählen. Die Aussicht, vier weitere Jahre mit dem Sexisten Donald Trump leben zu müssen, schreckte Frauen mehr ab als Männer. In einer CNN-Umfrage vom Januar zeigten sich mehr als doppelt so viele Wählerinnen (18 Prozent) der Demokraten besorgt, eine Frau könne nicht gewinnen, als männliche Wähler (sieben Prozent).

Die Frauenrechtlerin Rebecca Traister sieht Kandidatinnen in einer Zwickmühle. Diese könnten nicht über den offenkundigen Sexismus sprechen, der sie daran hindere, ganz nach oben aufzusteigen, ohne damit ihre Chancen zu ruinieren. „Ehrlich sein zu wollen, aber nicht über diese Sachen zu sprechen zu können, weil das nach Heulsuse klingt, ist eine Falle.“

Warren kann das aus ihrer Erfahrung bestätigen. Es gelang ihr zwar, im Alleingang den Milliardär Michael Bloomberg wegen dessen frauenfeindlichem Verhalten in der Vergangenheit zu demontieren, aber sie selber half sich nicht. Die Geschlechter-Frage habe bei diesen Vorwahlen eine entscheidende Rolle gespielt, erklärte Warren nach ihrem Ausscheiden. „Zu sagen, es gebe keinen Sexismus, wirft bei unendlich vielen Frauen die Frage auf: Auf welchem Planeten leben Sie?“

Ob und welchen der beiden Männer sie nun unterstützen will, ließ Warren zunächst offen. Nur so viel – sie werde sich an ihre „Pinkie Promises“ halten. Sie werde weitermachen. „Wir wissen, dass wir eine Frau im Weißen Haus haben können, wenn wir endlich eine ins Weiße Haus wählen.“

Von Thomas Spang

Im US-Vorwahlkampf kommt es zu einem Skandal: Mit dem Hissen einer Hakenkreuz-Fahne bei einer Wahlkampfveranstaltung des jüdischen US-Präsidentschaftsbewerbers Bernie Sanders in Phoenix hat ein Mann in den USA für Empörung gesorgt.

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