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US-Soldaten in Syrien. Die USA wollen ihre Truppen aus dem Land abziehen.

Truppenabzug der USA

US-Truppen verlassen Syrien

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"Mission erfüllt": Die 2000 amerikanischen Soldaten sollen offenbar bis zur Jahreswende ihren Einsatz beenden / Von Stefan Koch

Entgegen aller Warnungen aus dem Pentagon will das Weiße Haus umgehend sämtliche US-Truppen aus Syrien abziehen. Wie es am Mittwoch in Regierungskreisen hieß, soll die Rückholaktion so schnell wie möglich umgesetzt werden. „Wir haben den IS geschlagen, das war mein einziger Grund für diesen Einsatz“, twitterte Donald Trump zur Überraschung des Pentagons. Tatsächlich hatte der US-Präsident während seiner Wahlkampagne 2016 mehrfach betont, die amerikanischen Truppen abzuziehen, sobald die Widerständler des „Islamischen Staates“ (IS) besiegt seien.

In führenden amerikanischen Militärkreisen wird dieses Manöver allerdings ganz anders beurteilt. Da die US-Soldaten in den vergangenen Jahren engstens mit den kurdischen Rebellen kooperierten, bringen sie mit der Aktion ihre wichtigsten Verbündeten in die Bredouille: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte bereits mehrfach mit einer Offensive gegen die kurdische YPG gedroht, die seiner Einschätzung nach eine separatistische Terrorgruppe sei. Zurzeit leben viele Kurden im Norden und Osten Syriens in einer autonomen Region – ähnlich wie im Nordirak.

Wie Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders am Mittwoch vor Journalisten in Washington betonte, werden die US-Truppen in eine „neue Phase“ eintreten: Die weltweite Koalition im Kampf gegen den IS werde fortgesetzt. Im Vergleich zu ihrer gefährlichen Kraft vor fünf Jahren seien die Widerständler heute jedoch nur noch ein Schatten ihrer selbst. 

Diverse Verteidigungspolitiker in Washington halten den Abzug für eine Fehlentscheidung: „Der Iran jubelt jetzt“, twittert Adam Kinzinger. Der republikanische Abgeordnete befürchtet, dass der Einfluss des Iran und Russlands auf die gesamte Region deutlich zunehmen dürfte. Kinzingers düstere Prognose: „Wir werden zurückkommen müssen.“ 

Verhalten äußert sich auch das Pentagon: „In diesem Moment setzen wir unsere Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort fort“, sagte Robert Manning, Sprecher des Ministeriums. Wie es heißt, halten die Kampfeinsätze der US-Luftwaffe weiter an – auch um ein Wiedererstarken des IS zu verhindern. 

Ein entschiedener Gegner eines überstürzten Abzugs ist demnach auch Jim Mattis. Sorgen bereitet dem Verteidigungsminister allem Anschein nach nicht nur das verstärkte Engagement Irans und Russlands in der Region, sondern auch die Zukunft amerikanischer Auslandseinsätze. Es seien nicht allein die kurdischen Truppen, die viel Vertrauen in Washington verlieren würden. Auch andere lokale Verbündete, mit denen die US-Truppen beispielsweise in Afghanistan oder im Jemen zusammenarbeiten, seien verunsichert. 

Im Übrigen, so heißt es im Pentagon, seien die IS-Anhänger keineswegs vollständig geschlagen. Entlang der irakisch-syrischen Grenze gebe es noch immer Abschnitte, die verbissen von den Widerständlern verteidigt werden. 

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