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Ein US-Soldat bewacht einen gefangenen Iraker in Tikrit. Der Mann soll enge Verbindungen zum gestürzten Diktator Saddam Hussein haben.

US-Soldaten nehmen Leibwächter Saddams gefangen

Erneut Angriff auf Patrouille in Irak / Bertelsmann-Studie plädiert für multinationale Truppe unter UN-DachNach der Festnahme eines langjährigen Leibwächters von Saddam Hussein hoffen die USA auf neue Erkenntnisse über den Aufenthaltsort des gestürzten irakischen Diktators. Im Haus des am Dienstag in Tikrit überwältigten Mannes seien nützliche Dokumente gefunden worden. Dossier: Irak nach dem Krieg

Tikrit, 29. Juli (ap/rtr/dpa). Adnan Abdullah Abid el Musslit sei ein enger Vertrauter Saddam Husseins, der ihn kurz vor dem Krieg aus dem Ruhestand zurückgeholt habe, sagte Oberstleutnant Steve Russell. Dies hätten Einwohner Tikrits berichtet. Russell teilte weiter mit, auf Musslit seien seine Soldaten bei einer anderen Razzia aufmerksam geworden. In einem Bauernhof eines kürzlich inhaftierten Cousins von Saddam Hussein, Barsan Abd el Ghafur Sulajman Madschid al-Tikriti, seien Fotos des Leibwächters an der Seite des Ex-Präsidenten gefunden worden. Wenige Straßen weiter holten Soldaten den Sicherheitschef von Tikrit, Daher Siana, und einen Kommandeur der Fedajin-Milizen, Rafa Idham Ibrahim el Hassan, aus ihren Häusern. Insgesamt wurden zwölf Personen festgenommen.

Nach Angaben des stellvertretenden US-Außenministers Richard Armitage ist Saddam den US-Spezialeinheiten bei Einsätzen am Montag nur knapp entkommen. Die Soldaten hätten den gestürzten Diktator nur "um Stunden verpasst", sagte Armitage dem Sender CNN. Einzelheiten nannte er nicht. Offiziere des US-Militärs sagten, nach dem Tod der Saddam-Söhne Udai und Kusai kämen immer mehr Iraker mit Informationen über Saddam.

Der gestürzte Diktator betrauert angeblich auf einem Tonband, das der arabische Sender Al Dschasira am Dienstag ausstrahlte, den Tod seiner Söhne. "Ich traure vor Euch um den Tod von Udai und Kusai", hieß es in der Botschaft. Jeder Kämpfer in dem Heiligen Krieg wünsche sich, auf die gleiche Art zu sterben wie seine Söhne.

Wie am Dienstag bekannt wurde, demolierten Saboteure in Irak erstmals eine wichtige Brücke. Sie verbindet die Städte Bakuba und Tikrit und musste für den Verkehr geschlossen werden. Auf einem Floß unterhalb der Brücke wurde nach US-Angaben eine Bombe gezündet. Unbekannte griffen am Dienstag in der Stadt Bakuba eine US-Patrouille mit Panzerfäusten an, berichtete Al Dschasira. Über mögliche Opfer lagen zunächst keine Angaben vor.

240 Flüchtlinge traten am Dienstag die Rückkehr nach Irak an; der erste Konvoi seit Ende der Kampfhandlungen am 1. Mai verließ das Lager Rafha in Saudi-Arabien, teilte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit. Die USA legten am Montag (Ortszeit) eine Liste mit 30 Staaten vor, die sich in Irak an Militär- oder Polizeieinsätzen beteiligen wollen. Die Kriegsgegner Russland, Frankreich und Deutschland sind nicht darunter. Mit einigen Staaten würden US-Finanzhilfen erörtert, da die Regierungen nicht die Mittel hätten, ihren Beitrag zu finanzieren, sagte US-Außenamtssprecher Richard Boucher.

Die US-Streitkräfte müssen einer Studie zufolge noch mehrere Jahre in Irak bleiben, bis es dort eine legitimierte Regierung gibt. Allerdings werde eine andauernde Besatzung zunehmend zu Opposition und Widerstand führen. Das ist das Ergebnis eines am Dienstag veröffentlichten Strategiepapiers der Bertelsmann-Stiftung. Es ist nach Gesprächen von rund 70 Politikern und Entscheidungsträgern aus den USA, Europa, Nahost und Russland entstanden. In dem Papier wird empfohlen, den politischen Übergangsprozess durch eine multinationale Truppe der Vereinten Nationen zu unterstützen. Das Unvermögen der USA, die Situation nach dem Sturz Saddams unter Kontrolle zu bringen, sei kein gutes Omen für den Aufbau einer alliierten Übergangsregierung.

Der von den Alliierten eingesetzte irakische Verwaltungsrat wählte am Dienstag ein neunköpfiges Präsidium. Ursprünglich sollte der Verwaltungsrat einen Präsidenten bestimmen, doch konnten sich die 25 Mitglieder nicht auf eine einzelne Person verständigen. Der Verwaltungsrat machte in einer in Bagdad veröffentlichten Erklärung keine Angaben darüber, wie das Präsidium arbeiten wird.

Der Däne Ole Wøhlers Olsen, Leiter eines der vier Verwaltungsbezirke in Südirak, tritt vorzeitig zurück. Das gab er am Montagabend in Kopenhagen bekannt. Er begründete den Schritt mit einer Neuorganisation der Verwaltung. Nachfolger wird der Brite Sir Hillary Synnott.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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