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Karen Hagemann

Gleichberechtigung

Hat der US-Präsident die Frauenbewegung vorangebracht?

Schon der US-amerikanische Wahlkampf war durch eine extreme politische Polarisierung und eine frauenfeindliche Polemik Donald Trumps geprägt. Ein Blick auf das Thema Gleichberechtigung unter Trump.

Die Frage ist nur mit einem klaren „Jein“ zu beantworten. Schon der US-amerikanische Wahlkampf war durch eine extreme politische Polarisierung und eine frauenfeindliche, vor allem gegen die demokratische Gegenkandidatin Hillary Clinton gerichtete Polemik Donald Trumps geprägt, der vor sexistischen Bemerkungen in der Öffentlichkeit nicht zurückschreckte.

Vor allem seine männliche, weiße Wählerschaft erfreute sich in Wahlkampfveranstaltungen sichtbar an Trumps „starkem“ Widerstand gegen „die Feministinnen“, die „den Männern“ ihre angestammte Vorherrschaft in Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Politik streitig machen und die herkömmliche Geschlechterordnung infrage stellen, in der Männer Familienernährer und Frauen vor allem Hausfrauen und Mütter sind.

Besonders verwerflich ist für ihn und seine rechten, häufig christlich-fundamentalistischen Anhänger der feministische Anspruch auf das weibliche Recht der Kontrolle über den eigenen Körper, weshalb der Kampf gegen die Abtreibung ein wichtiges Wahlkampfthema war. Diese Politik setzten Trump und die ihn tragende Republikanische Partei nach seinem Wahlsieg am 8. November 2016 auf der nationalen Ebene wie in den Bundesstaaten fort. Gegen diesen republikanischen Großangriff auf die Rechte von Frauen zeigte sich schon einen Tag nach Trumps Inauguration am 20. Januar 2017 starke Opposition. 4,2 Millionen Frauen und Männer protestierten überall in den USA mit „Women’s Marches“.

Auf den ersten Blick wurde die Frauenbewegung für mehr Gleichberechtigung durch die „MeToo“-Bewegung gestärkt, die im Oktober 2017 einsetzte und schnell Millionen von Unterstützerinnen in aller Welt hatte, die gegen sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Frauen protestierten. „MeToo“ löste vor allem durch die vielen aufgedeckten Skandale einen Medienhype aus, hat aber interessanterweise nicht dazu geführt, dass die Zahl der Protestierenden gegen die frauenverachtende Politik Trumps und der Republikanischen Partei auf den „Women’s Marches“ im Januar 2018 zunahm; sie halbierte sich im Gegenteil. Lediglich bei den Kongresswahlen im November 2018 deutete sich eine Trendänderung an. Der Anteil der Frauen, die demokratisch wählten, scheint sich deutlich erhöht zu haben, und der Frauenanteil unter den Kongressabgeordneten stieg von 19 auf 26 Prozent. Aber wird diese Entwicklung trotz der starken Gegenkräfte anhalten?

Breite Debatte wäre notwendig

Was notwendig wäre, aber nach wie vor fehlt, und auch die „MeToo“-Bewegung nicht auslöste, ist eine breite Debatte über die strukturellen Ursachen der anhaltenden Diskriminierung von Frauen, die sich deutlich auch im nach wie vor männerdominierten politischen System der ÙSA zeigt, sowie über die gesellschaftliche Bedeutung von sexueller Gewalt gegen Frauen.

Dass ein in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Gesetzgebung historisch tief verankertes geschlechtshierarchisches System sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Frauen erst ermöglicht und umgekehrt diese sexuelle Belästigung und Gewalt diese Geschlechterhierarchie und Geschlechtergrenzen markiert, vor allem, wenn sie individuell und kollektiv herausgefordert werden, wird bisher viel zu wenig öffentlich diskutiert.

Diese Diskussion ist aber auf allen Ebenen notwendig, um die Frauenbewegung und mit ihr die Gleichberechtigung der Geschlechter in den USA und anderswo voranzubringen. Zu dieser öffentlichen Diskussion könnten nicht nur die Gender Studies viel beitragen, sondern mit einer kritischen Berichterstattung zu Geschlechterfragen, die über die „MeToo“-Skandale hinausgeht, auch die Medien.

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