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US-Künstler können wieder mit Obama

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Ehrung für den Maler Frank Stella, 2009 im Weißen Haus.
Ehrung für den Maler Frank Stella, 2009 im Weißen Haus. © AFP

Toni Morrison, Paul Auster, Jonathan Franzen: Amerikas bekannte Künstler unterstützen Präsident Obama wieder. Zwar sind sie immer noch enttäuscht von ihm. Unter Mitt Romney würde es für sie aber noch viel schlimmer kommen.

Von Sebastian Moll

Es war ein illustrer Kreis, der sich da in der Galerie Paula Cooper im New Yorker Stadtteil Chelsea eingefunden hatte, um Barack Obama zu unterstützen, die Gästeliste las sich wie ein Who’s Who der New Yorker Kunst- und Literaturszene. Cindy Sherman war gekommen und Toni Morrison, Richard Serra und Frank Stella waren da, Salman Rushdie saß zwischen Paul Auster und Jonathan Safran Foer und Jonathan Franzen las einen Auszug aus seinem Roman „Freedom“ vor, in dem er gründlich mit George Bush und den Neokons ins Gericht gegangen war. Bis zu 35.000 Dollar pro Nase hatten die Vertreter der intellektuellen Ostküstenelite dafür bezahlt, an diesem Abend dabei sein zu dürfen, das gesammelte Geld ging in das Wahlkampfsäckel des amtierenden Präsidenten. Wichtiger noch als die TV-Werbeminuten, die Obama damit kaufen konnte, war jedoch die Solidaritätsbekundung der Intelligenzia mit Obama auch im Wahlkampf 2012.

Diese Solidarität war in den vergangenen drei Jahren mitunter nicht mehr so selbstverständlich gewesen. Nach der ungebrochenen Euphorie in der amerikanischen Kulturwelt rund um die Wahl von Obama 2008 hatten sich die Kunstschaffenden mehr und mehr aus dem politischen Leben zurückgezogen. Wie in anderen Teilen der amerikanischen Linken setzte nach und nach die Ernüchterung über Obama ein. 2011 sah man mehr Künstler und Schriftsteller in den Occupy-Lagern als im Obama-Umfeld.

Künstler hatten sich mehr erwartet

Die Künstler hatten sich mehr von Obama erwartet, „wir dachten, er sei einer von uns“, schrieb kürzlich der Kunstkritiker Tyler Green in seinem Blog. Und Obama hatte ihnen ja in seinem letzten Wahlkampf auch allerlei Anlass dazu gegeben. Immer wieder erzählte etwa die First Lady Michelle, dass Barack Obama sie zu ihrem ersten Rendezvous ins Art Institute of Chicago eingeladen hatte. Dabei habe er sie mit seinem Wissen sowohl über die Alten Meister als auch über die Meister der Moderne beeindruckt. Feinen Geschmack bestätigte Obama beim Einzug ins Weiße Haus, als er Werke von Richard Diebenkorn, Josef Albers, Robert Rauschenberg und Alma Thomas an die Wände hängen ließ. Tatsächlich umgab sich Obama auch eine Zeit lang mit Künstlern und Intellektuellen. Für die Inaugurations-Feierlichkeiten beauftragte er die Poetin Elizabeth Alexander, ein Gedicht zu schreiben. Itzhak Perlman und Yoyo Ma spielten auf, Aretha Franklin sang. Später verlieh er dem Maler Frank Stella und dem Bildhauer Mark di Suvero nationale Ehrenmedaillen und startete eine hochkarätige Konzertserie im Weißen Haus. Wenn es um konkrete Kulturpolitik ging, war Obama jedoch weniger überzeugend. Er hatte im Wahlkampf die Einrichtung eines nationalen Künstlerkorps versprochen, eine Offensive in der Kulturdiplomatie, eine drastische Erhöhung der Kunstförderung und eine flächendeckende Gesundheitsfürsorge für Künstler. Gehalten hat er von diesen Versprechen jedoch nur wenige.

Obama will Kunst fördern, Romney streichen

Für 2013 hat die Obama-Regierung beispielsweise das Budget der staatlichen Kunstförderung wieder um 5,5 Prozent angehoben. In den beiden vorangegangenen Jahren war es jedoch um über 13 Prozent gekürzt worden. Mit 154 Millionen liegt es noch immer weit unter dem Höchststand von von 175 Millionen, der während der Ära von George Bush dem Älteren erreicht wurde.

Von den 750 Millionen, die laut dem ehemaligen Direktor des Whitney Museums in New York, David Brooks, nötig wären, um eine vitale Kulturproduktion in den USA aufrechtzuerhalten, ist es Lichtjahre entfernt. Natürlich wissen die amerikanischen Künstler, dass es für Obama angesichts der politischen Verhältnisse in Washington auch beim besten Willen schwierig gewesen wäre, mehr durchzusetzen. Vor allem weiß die amerikanische Kulturwelt jedoch, dass das alles noch immer um Längen besser ist, als das, was von Obamas Gegner zu erwarten wäre. „Wir sind alle in Angst erstarrt“, sagte Paula Cooper zu Eröffnung ihrer Veranstaltung in Chelsea. Mitt Romney hat nämlich gelobt, sämtliche Bundesmittel für die Kunstförderung zu streichen, wenn er gewählt würde, er werde es zu einer „Priorität“ seiner Regierung machen, diese Ausgaben zu kürzen. „Ich mag ja vieles, was mit den Geldern gemacht wird“, behauptete er. „Aber die Kunstinstitutionen müssen unter mir auf eigenen Beinen stehen.“

Die Kürzungen sind Teil von Romneys Plan, das Defizit aufzuheben, ohne die Steuern zu erhöhen. Gerade an der Kunstförderung wird jedoch deutlich, wie lächerlich dieser Plan ist. Die 155 Millionen für die „National En-dowment of the Arts“, die Kunststiftung der Bundesregierung, sind weniger als ein einziges Waffensystem der Militärs kostet. Der Multimillionär Romney, bemerkte das Nachrichtenportal Huffington Post, könnte das Kunstbudget komplett aus eigener Tasche bezahlen, wenn er wollte. So ist es kein Wunder, dass sich die Künstler trotz eines schwindenden Enthusiasmus doch wieder hinter Obama stellen. So verkaufen Ed Ruscha, Bruce Naumann und Richard Serra Drucke im Wert von vier Millionen Dollar zugunsten des Obama-Wahlkampfes, Chuck Close bietet Porträts von Obama zu 100.000 Dollar das Stück an.

Künstler im Romney-Lager

Namhafte Künstler im Romney-Lager gibt es etliche, der berühmteste davon ist Clint Eastwood. Auch ein Maler auf der konservativen Seite machte während des Wahlkampfs Schlagzeilen, der Mormone Jon McNaughton. Er fertigt übergroße pseudo-historische Schinken an, mit denen er die Botschaft der Tea Party verbreiten will. In einem Bild ist zu sehen, wie Jesus Christus der Menschheit die amerikanische Verfassung bringt, in einem anderen, wie Obama zum Schrecken all seiner umstehenden 43 Vorgänger eben jene Verfassung mit Füßen tritt. In einem dritten Gemälde wird Obama dabei gezeigt, wie er die Verfassung verbrennt. Der New Yorker Kunstkritiker Jerry Saltz sprach das Offensichtliche aus, als er McNaughtons Bilder „klassische Propagandakunst“ nannte und sie als „visuell so tot wie eine Türschwelle“ bezeichnete. Immerhin konnte Saltz sich jedoch damit trösten, das McNaughton wohl weder unter Obama noch unter Romney gefördert würde.

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