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Donald Trump wollte sich Mob im Kapitol anschließen: „Secret Service sagte, ich dürfe nicht“

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Von: Delia Friess

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Donald Trump spricht in einem Interview über den Angriff auf das Kapitol und eine mögliche erneute Kandidatur für das Amt des US-Präsidenten.

Washington D.C. – Die US-Zeitung Washington Post berichtet über die künftigen Pläne von Donald Trump und weitere Details zu den Ereignissen am 6. Januar 2021 in den USA. Josh Dawsey, ein Reporter der Washington Post, traf dazu am Mittwoch (06.04.2022) den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump in dessen Golf-Resort Mar-a-Lago in dem US-Bundesstaat Florida zu einem Interview. Mit Dawsey sprach Trump über seine Rolle beim Angriff auf das US-Kapitol und eine mögliche erneute Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2024 in den USA.

Donald Trump sagte in dem rund 45-minütigen Interview, dass er sich am 6. Januar 2021 gerne seinen Anhänger:innen bei dem Angriff auf das US-Kapitol in Washington angeschlossen hätte, aber vom Secret Service daran gehindert worden sei. „Der Secret Service hat gesagt, ich dürfe nicht mitgehen. Ich wäre sofort hingegangen“, so Trump. Der Secret Service äußerte sich laut Washington Post bisher nicht zu den Behauptungen Trumps.

Donald Trump äußert sich uneindeutig über eine erneute Kandidatur bei den US-Präsidentschaftswahlen 2024.
Donald Trump äußert sich uneindeutig über eine erneute Kandidatur bei den US-Präsidentschaftswahlen 2024. © Scott Olson/AFP

Donald Trump bleibt bei Behauptung: US-Wahl 2020 „gestohlen“

Am 6. Januar 2021 wurden die Ergebnisse der US-Wahl 2020 offiziell bestätigt: Der Demokrat Joe Biden konnte die US-Wahl 2020 laut der Verfassung der USA für sich entscheiden. Radikale Anhänger:innen von Donald Trump griffen jedoch am 6. Januar 2021 das US-Kapitol an und verschafften sich gewaltsam Zutritt. Donald Trump und auch seine Kinder, darunter sein ältester Sohn Donald Trump Jr., hatten zuvor die Wahlergebnisse zugunsten von US-Präsident Joe Biden angezweifelt und auf ihren Social-Media-Kanälen ihre Anhänger:innen aufgestachelt. Trumps Twitter-Account wurde daraufhin von Twitter gesperrt.

Seine Behauptungen, dass die Wahlen „gestohlen“ worden seien, bekräftigte Donald Trump erneut im Interview mit der Washington Post. Allerdings blieb er auch hier Beweise schuldig. Zahlreiche Gerichte und unabhängige, internationale Beobachter:innen konnten keine Belege für seine Behauptungen des Wahlbetrugs finden. In manchen Bundesstaaten wurden die Stimmen teilweise mehrfach ausgezählt, allerdings ohne, dass sich die Ergebnisse änderten. Auch führende Republikaner haben sich inzwischen – wenn auch spät – von Trumps Behauptungen distanziert.

US-Wahlen 2024: Donald Trump äußert sich über mögliche Kandidatur

Am 6. Januar wurde zudem eine Lücke von mehreren Stunden in der Anrufliste von Donald Trump festgestellt. Darauf angesprochen sei Trumps Haltung im Interview laut Washington Post „trotzig“ gewesen. So weigerte er sich, zu sagen, ob er vor einem Kongressausschuss, der den Angriff vom 6. Januar untersucht, aussagen würde. Dass seine Tochter Ivanka Trump vor dem Ausschuss ausgesagt habe, sei laut Trump eine „Schande und Belästigung“. Trump behauptete außerdem, er könne sich nicht daran erinnern, an diesem Tag „sehr viele“ Anrufe erhalten zu haben, obwohl er ein gutes Gedächtnis habe. Er bestritt zudem, Anrufprotokolle entfernt oder Wegwerfhandys benutzt zu haben.

Donald Trump bereute im Interview mit der Washington Post seine Tweets auf Twitter im Vorfeld der Ereignisse nicht. Darin hatte er seine Anhänger:innen aufgefordert, am 6. Januar nach Washington zu kommen, und geschrieben, dass der Tag „wild“ werden würde. Trump richtete sich damals außerdem mit folgenden Worten an seine Anhänger:innen: „Mit Schwäche werdet ihr unser Land nicht zurückerobern. Man muss Stärke zeigen und stark sein“ und „wir kämpfen wie die Hölle. Und wenn ihr nicht wie die Hölle kämpft, werdet ihr kein Land mehr haben“. Trump verteidigte diese Aussagen im Interview mit der Washington Post als „friedlich“ und „patriotisch“.

USA: Donald Trump macht Demokraten für den Angriff auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 verantwortlich

Die Schuld an den Ausschreitungen gab er - trotz seines Wunsches sich dem Mob anzuschließen - der Demokratin Nancy Pelosi. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses habe die Ausschreitungen nicht verhindert. „Ich dachte, es sei eine Schande, und ich fragte immer wieder, warum tut sie nicht etwas dagegen? Warum unternimmt Nancy Pelosi nicht etwas dagegen? Und die Bürgermeisterin von D.C. auch. Die Bürgermeisterin von D.C. und Nancy Pelosi sind dafür verantwortlich“, so Trump.

Nancy Pelosi hat allerdings nicht die vollständige Kontrolle über die Polizei des US-Kapitols und teilte diese mit dem Republikaner Mitch McConnell, wie die Washington Post weiter berichtet. Die meisten Entscheidungen würden allerdings in einem dafür zuständigen Ausschuss getroffen werden. „Abgesehen von den verzweifelten Lügen des ehemaligen Präsidenten war die Sprecherin an diesem Tag ebenso wenig für die Sicherheit des Kapitols verantwortlich wie Mitch McConnell“, sagte Drew Hammill, ein Sprecher von Pelosi.

USA: Donald Trump äußert sich über erneute Kandidatur bei den US-Wahlen 2024

Die Bürgermeisterin von Washington D.C., die Demokratin Muriel Elizabeth Bowser, soll zudem an dem Tag verzweifelt versucht haben, das Trump-Team zu erreichen. Schon zuvor hatte sich Trump ähnlich geäußert: Nach einer Rede von Joe Biden auf einer Gedenkveranstaltung zum Jahrestag am 6. Januar veröffentlichte Trump über seine Pressesprecherin ein Statement auf Twitter, in dem er Biden für die Geschehnisse am 6. Januar verantwortlich machte.

Die Menge am 6. Januar sei Trump zufolge viel größer gewesen, als es auf den Fernsehbildern ersichtlich sei. Dafür gebühre ihm seiner Ansicht nach mehr Anerkennung. „Die Menge war viel größer, als ich dachte. Ich glaube, es war die größte Menge, zu der ich je gesprochen habe“, so Trump. Und: „Ich weiß nicht, was das bedeutet, aber man sieht nur sehr wenige Bilder. Sie wollen keine Bilder zeigen, die Fake News wollen keine Bilder zeigen. Aber das war eine riesige Menschenmenge.“ Eine erneute Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen 2024 schloss Trump im Interview nicht aus, mache dies aber von seiner Gesundheit abhängig. Sein gesundheitlicher Zustand sei derzeit gut.

Zunächst stehen in den USA die Midterm Elections an, die auch als Stimmungstest für die US-Wahl gelten. Erst kürzlich hatte Donald Trump eine große Party in seinem Golf-Resort Mar-a-Lago für seine Anhänger:innen gegeben. (df)

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