Neuer Selbstmordanschlag im Irak: Iraker stehen um ein zerstörtes Auto herum.
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Neuer Selbstmordanschlag im Irak: Iraker stehen um ein zerstörtes Auto herum.

US-Besatzer fürchten Abzug der Helfer

Rotes Kreuz überdenkt nach Bombenanschlägen Engagement in IrakNach der Anschlagserie in Bagdad hat das Internationale Rote Kreuz noch nicht entschieden, ob es sich aus Irak zurückzieht. Die US-Zivilverwaltung appellierte an ausländische Helfer zu bleiben. Bei einem neuerlichen Attentat starben in Falludscha mindestens fünf Menschen. Dossier: Irak nach dem Krieg

Bagdad/Genf/Berlin · 28. Oktober ·dpa/sim/ap/rtr · Ein Selbstmordattentäter zündete am Dienstag in der Stadt Falludscha etwa 100 Meter entfernt vom Hauptquartier der Polizei in einem Auto den Sprengsatz. Er riss mindestens vier Zivilisten mit in den Tod. In Krankenhauskreisen war von insgesamt sechs Toten die Rede. Eine US-Militärsprecherin in Bagdad sagte, sie habe keine Informationen über den Vorfall. Im Laufe des Tages ereigneten sich in Falludscha Einwohnern zufolge mehreren Explosionen. Die Stadt gilt als Hochburg des Widerstands gegen die Alliierten. Die US-Verwaltung in Bagdad teilte am Dienstag mit, der Vize-Bürgermeister der Stadt, Faris Abdul Rassak el Assam, sei am Sonntag von mehreren Unbekannten erschossen worden.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gibt sich nach den blutigen Bombenanschlägen von Montag eine "Bedenkzeit", bevor es über die Fortsetzung seiner Arbeit in Irak entscheidet. Das Personal habe jetzt "seine Tätigkeiten der neuen Lage angepasst", sagte IKRK-Sprecherin Antonella Notari in Genf. Die Beschäftigten würden auf riskante Missionen außerhalb des Hauptquartiers verzichten.

Notari hob hervor, das Rote Kreuz wolle nicht "blind" der Aufforderung der US-Zivilverwaltung und von US-Außenminister Colin Powell folgen, die sich gegen einen Rückzug der Hilfsorganisationen aus Irak ausgesprochen hatten. Powell hatte am Montagabend an die Hilfsgruppen appelliert, trotz der Anschläge in Irak zu bleiben, weil sie dort gebraucht würden. Das Rote Kreuz lehnte überdies das Angebot der Alliierten ab, militärischen Schutz für seine Arbeit zu erhalten.

Beobachter in Genf bezeichneten einen Rückzug des IKRK allerdings als unwahrscheinlich, nicht zuletzt weil die USA der größte Beitragszahler der unabhängigen Hilfsorganisation sind. Mehr als ein Viertel des IKRK-Jahresetats von 610 Millionen Euro komme aus den USA.

Auch deutsche Hilfsorganisationen wollen ihre Mitarbeiter trotz der prekären Sicherheitslage nach eigenen Angaben vorerst in Irak belassen. "Wir denken natürlich darüber nach, wie lange wir diesen Einsatz unter diesen Konditionen noch so aufrechterhalten können", sagte der Vorsitzende der Hilfsorganisation Cap Anamur, Elias Bierdel. Zunächst würden die Beschäftigten aber im Land bleiben. Auch das Technische Hilfswerk plane zurzeit keinen Abzug seines Personals aus Irak, teilte das Bundesinnenministerium in Berlin mit. Ähnlich äußerten sich der Malteser Hilfsdienst, die Organisation "Help" und die "Aktion Deutschland hilft".

Einen Tag nach den blutigen Bombenanschlägen in der irakischen Hauptstadt, die mindestens 35 Todesopfer forderten, herrschte noch immer Unklarheit über die Herkunft der Attentäter. US-Präsident George W. Bush vermutet als Drahtzieher des Attentats Anhänger Saddam Husseins oder ausländische Terroristen oder aber beide Gruppierungen, wie er bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus sagte. Irakische und US-Behörden in Bagdad verwiesen auf einen festgenommenen Syrer, dessen geplantes Sprengstoffattentat am Montag vereitelt worden sei. Ein Sprecher der alliierten Truppen, Charles Heatley, sagte, es gebe Hinweise darauf, dass ausländische Terroristen ins Land eingedrungen seien.

Dossier: Irak nach dem Krieg

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