Touristen posieren neben der Kathedrale Santa Maria in Palma de Mallorca.
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Urlaub trotz Corona: Touristen posieren neben der Kathedrale Santa Maria in Palma de Mallorca.

Corona-Sprechstunde

Sommer-Urlaub in Corona-Zeiten: Wann Sie die Reise lieber nicht antreten sollten

  • Daniel Baumann
    vonDaniel Baumann
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Urlaub in Corona-Zeiten: Risiken vermeiden, Verbraucherrechte kennen. Was ist bei der Reise nach Italien, Spanien und an die Ostsee wichtig? 

  • Corona schien dem Urlaub dieses Jahr einen Strich durch die Rechnung zu machen. Mittlerweile sind Reisen teilweise und mit Einschränkungen wieder möglich.
  • Experten erklären, wie das Risiko im Urlaub trotz der Gefahr des Corona-Virus gering bleibt, und die wichtigsten Schutzmaßnahmen vor dem Virus.
  • Urlaub in Corona-Zeiten: Diese Rechte haben Verbraucher bei Flugausfällen & Co .

Deutschland - Urlaubszeit, Corona-Zeit. Was tun? Vielfach wird empfohlen, in diesem Jahr zu Hause auszuspannen. Doch manche Menschen zieht es trotz Corona weiterhin für den Urlaub in die Ferne. Sie ziehen eine Flugreise in Betracht. Welche Risiken gehen sie damit ein und worauf sollten sie achten? Fraport-Manager Alexander Laukenmann, Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, Lufthansa-Vertreterin Dörte Klein und Reiserechtsexperte Kai-Oliver Kruske haben Fragen von Leserinnen und Lesern beantwortet.

Ich möchte mit meiner Freundin in den Semesterferien eine Rundreise durch Italien unternehmen. Wir sind beide Mitte 20. Das ist doch kein Problem, oder?

Schmidt-Chanasit: Pauschal würde ich von nichts abraten! Man muss sich das spezifische Risiko angucken, dafür gibt es die reisemedizinische Beratung. Gerade als junger Mensch ohne Vorerkrankung ist das Risiko viel höher, dass ich einen Unfall mit einer Vespa habe, als dass ich an Corona sterbe. Unfälle sind das größte Risiko auf Reisen.

Es wird auch nicht mehr in dem Maße passieren, dass Reisende das Corona-Virus aus dem Ausland mit zu uns bringen. Außerdem ist Corona ja sowieso bei uns, es zirkuliert nach wie vor. Insofern ist es nicht relevant, ob jetzt 10, 20 oder 100 Corona-Infektionen nach Deutschland importiert werden.

Wir wollen nicht fliegen, sondern Urlaub an der Ostsee machen. Wie schätzen Sie das Corona-Risiko ein?

Schmidt-Chanasit: An die Ostsee kann ich mit dem Auto fahren, dann habe ich ein geringeres Corona-Risiko, was die Infektion betrifft. Das ist etwas anderes, als mit 300 Leuten im Flieger zu sitzen. Wenn die Leute die Möglichkeit haben, in Deutschland Urlaub zu machen, ist das natürlich vorzuziehen. Gerade wenn man sich Orte aussucht, wo nicht viele Menschen sind, im Wald oder im Gebirge. Wenn man da ein Haus hat oder eine kleine Unterkunft, ist das hervorragend.

Urlaub in Corona-Zeiten: Das sollte man im Urlaub beachten

Wie hoch ist das Risiko, sich an Bord mit Corona anzustecken?

Klein: Grundsätzlich ist das Risiko, sich während einer Flugreise mit dem Corona-Virus anzustecken, sehr gering. Die Kabinenluft ist eine Mischung aus kontinuierlich zugeführter Außenluft und gefilterter Kabinenluft. Unsere Flugzeuge sind mit speziellen Filtern ausgestattet, die die Kabinenluft von Verunreinigungen wie Staub, Bakterien und Viren säubern.

Sehen Sie die engen Sitzreihen eines Flugzeugs als Infektionsrisiko?

Schmidt-Chanasit: Wenn man den Abstand nicht einhalten kann, ist das natürlich ein Corona-Risiko. Das gilt nicht nur im Flugzeug, sondern überall. Dort trifft man bestimmte Maßnahmen, um auf den engen Abstand zu reagieren. Rein aus virologischer Sicht würde ich mir den Abstand wünschen, aber ich verstehe natürlich auch die andere Seite. Der Kompromiss ist dann der Mund-Nasen-Schutz. Besser wäre aber natürlich Abstand.

Welche allgemeinen Änderungen gibt es in Folge von Corona für Flugreisende in der Kabine?

Klein: Seit dem 8. April ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes an Bord unserer Maschinen verpflichtend. Zudem bekommt jeder Gast beim Einsteigen ein Desinfektionstuch zum Schutz vor dem Corona-Virus überreicht. Des Weiteren wurden einige Anpassungen im Service vorgenommen, um die Interaktion zwischen Crew und Gästen zu minimieren.

Fliegen in Corona-Zeiten: Vorsicht ist geboten. Das sollte man beachten.

Welche Vorsichtsmaßnahmen empfehlen Sie uns für eine Flugreise?

Schmidt-Chanasit: Die Corona-Maßnahmen, die jetzt auch vorgeschrieben sind. Dass man gerade beim Einchecken am Flughafen Abstand hält und Mund-Nasen-Schutz trägt in Situationen, wo das nicht eingehalten werden kann. Im Flugzeug ist man ja letztendlich den Regularien der Fluggesellschaften unterworfen, dort kommt dann eben noch dazu, dass man den Mund-Nasen-Schutz tragen soll.

Wir haben zwei kleine Kinder. Sind Umherlaufen und Essen während des Fluges erlaubt?

Klein: Im Interesse aller Gäste bitten wir unsere Passagiere, möglichst auf ihren Sitzen zu verbleiben. Wir freuen uns über Kinder an Bord und hoffen, dass der Blick aus dem Fenster spannend für sie ist. Wir sind jederzeit für die Eltern da. Der Mund-Nasen-Schutz darf für Essen und Trinken kurz abgesetzt werden.

Wie stelle ich sicher, dass ich in mein Zielland einreisen darf?

Laukenmann: Abfliegende Passagiere werden dringend gebeten, sich vor Reiseantritt mit ihrer jeweiligen Airline in Verbindung zu setzen und fluglinienspezifische Regelungen zu erfragen. Darüber hinaus empfehlen wir dringend, sich vor der Reise Informationen sowie weitere länderspezifische Reise- und Sicherheitshinweise über die Website des Auswärtigen Amtes einzuholen oder, für Reisen innerhalb der Europäischen Union, auf Re-open-EU.

Corona-Risiko in anderen EU-Ländern: So schützen Sie sich im Urlaub und im Flugzeug

Wir zögern mit unserer Urlaubsplanung wegen Corona. Gibt es EU-Länder, die trotz Reiselockerungen besser nicht bereist werden sollten?

Schmidt-Chanasit: Pauschal würde ich das nicht sagen. In den meisten Ländern gibt es eine relativ gute Überwachung des Infektionsgeschehens. Dort, wo viele Corona-Infektionen auftreten, gibt es auch partielle Lockdowns, wie man jetzt in Nordspanien sehen kann. Da muss man das tagesaktuelle Geschehen beobachten und dann sagen: Das Corona-Risiko ist mir hier zu hoch, da fahre ich jetzt nicht hin.

Welche Corona-Auflagen gibt es in den Terminals?

Laukenmann: Das Tragen eines Mundschutzes ist in den Terminalanlagen, Geschäften und Transportmitteln (Busse, SkyLine-Bahn) wegen Corona verpflichtend. Davon ausgenommen sind Kinder unter sechs Jahren und Personen, die aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung keinen Mundschutz tragen können. Zur Erinnerung und zum allgemeinen Schutz für alle Reisenden vor dem Corona-Virus haben wir entsprechende grüne Bodenmarkierungen und Hinweisschilder angebracht. Darüber hinaus haben wir alle Schalter mit Plexiglasabtrennungen versehen. In den Geschäften und Restaurants bitten wir Sie, möglichst bargeldlos zu bezahlen.

Im Terminal stehen Ihnen Desinfektionsspender zu Ihrer Nutzung zur Verfügung. Wir weisen zudem auf die allgemeinen Corona-Hygieneempfehlungen hin, regelmäßig die Hände mit Wasser und Seife für mindestens 20 Sekunden zu waschen. Wir haben unsererseits die Reinigungsintervalle angepasst und desinfizieren regelmäßig alle Kontaktflächen in den Terminals und Transportmitteln.

Was mache ich, wenn ich bei jemand anderem oder mir selbst Corona-Symptome feststelle?

Laukenmann: Gerade in der Corona-Zeit gilt natürlich, dass man die Reise bzw. den Urlaub nicht antreten sollte, wenn man sich krank oder unwohl fühlt. Falls Sie aber während Ihres Aufenthalts am Flughafen Frankfurt feststellen sollten, dass sich Ihr Gesundheitszustand oder Ihr Allgemeinbefinden verschlechtern, wenden Sie sich bitte umgehend an unser Personal und bitten es um medizinische Hilfe. Bei Bedarf können Sie sich gerne in unserer Notfallambulanz im Medical Center untersuchen und behandeln lassen.

Muss ich mehr Zeit für die Abfertigung einplanen?

Laukenmann: Nehmen Sie sich ausreichend Zeit. Tipps für einen guten Urlaubsstart: Von zu Hause aus online einchecken, frühzeitig anreisen, nach der Gepäckaufgabe direkt zur Sicherheitskontrolle gehen und nur ein Handgepäckstück mitnehmen. Prüfen Sie vorab, was in den aufgegebenen Koffer gehört und was ins Handgepäck darf. Damit vermeiden sie unliebsame Überraschungen an der Sicherheitskontrolle und tragen zu einem reibungslosen Prozessablauf bei.

Was droht mir rechtlich, wenn ich im Urlaubsland gegen Quarantäneregeln verstoße oder sogar jemanden mit dem Corona-Virus anstecke?

Kruske: Darüber hat die Verbraucherzentrale leider keinen Überblick. Quarantäneregeln sind Gefahrenabwehrrecht der Mitgliedsstaaten, hier gelten also mindestens 27 verschiedene Gesetze.

Kann ich auf einer kostenlosen Umbuchung bestehen, wenn sich die Situation im Zielland verschlechtert?

Kruske: Eine gravierende Verschlechterung erlaubt weiterhin die kostenfreie Stornierung einer Pauschalreise. Neben einer Reisewarnung können auch andere Aspekte dazu führen, dass die Reise zu gefährlich ist.

Welche rechtlichen Möglichkeiten habe ich eigentlich gegenüber einer Fluggesellschaft, wenn ich auf eigene Faust buche und in ein Risikogebiet fliege, dort an Corona erkranke und früher zurück will?

Kruske: In einem solchen Fall sind Sie selbst für Ihren Rücktransport verantwortlich.

Wer übernimmt zusätzliche Übernachtungs- oder Transportkosten, wenn Rückflüge wegen Corona überbucht sind und Zusatzmaschinen nicht unmittelbar zur Verfügung stehen?

Kruske: Bei einer Pauschalreise muss diese Kosten der Reiseveranstalter übernehmen, bei Flugbuchungen die Airline.

Unterdessen wird durch die Mallorca-Urlauber eine zweite Corona-Welle in Deutschland befürchtet. Außenminister Heiko Maas kommentiert das mit scharfen Worten. Nach langer Corona-Pause sind Kreuzfahrten wieder möglich. Allerdings mit einigen Einschränkungen.

Spanien in Alarmbereitschaft: Urlauber besorgt wegen zweiter Corona-Welle in Spanien. Während am Ballermann auf Mallorca die Behörden angesichts großer Gruppen feierwütiger Menschen schnell eingriffen und zahlreiche Lokalitäten kurzerhand wieder schlossen, wird am Goldstrand in Bulgarien weiter hemmungslos gefeiert – trotz Corona.

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