In diesem Hotel im Zentrum Athens laufen die Vorbereitungen für den Sommerurlaub bereits.
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In diesem Hotel im Zentrum Athens laufen die Vorbereitungen für den Sommerurlaub bereits.

Coronavirus

Urlaub, aber anders

  • Marina Kormbaki
    vonMarina Kormbaki
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Die Bundesregierung hebt die weltweite Reisewarnung für die europäischen Staaten in der Corona-Krise weitgehend auf.

Ein Aufruf zum Kofferpacken war es nicht gerade, den Heiko Maas am Mittwochvormittag verkündet hat. Zwar stellte der Außenminister den Deutschen trotz der Corona-Pandemie Sommerferien an Europas Stränden in Aussicht – allerdings nur unter Vorbehalt.

„Ab dem 15. Juni wird die weltweite Reisewarnung für die EU, für Schengen-assoziierte Staaten und für das Vereinigte Königreich aufgehoben und durch individuelle Reisehinweise ersetzt“, sagte der SPD-Politiker. „Wir dürfen uns aber nicht in falscher Sicherheit wiegen und müssen gemeinsam verhindern, dass eine Wiederaufnahme des Tourismus zu einer zweiten Corona-Welle führt, bei uns oder anderswo“, so Maas nach einer Kabinettssitzung der Bundesregierung. Dort wurde ein vom Auswärtigen Amt erarbeitetes „Eckpunktepapier“ beschlossen.

Das Papier enthält allerhand Bedingungen zur Wiederaufnahme des europäischen Tourismus. Es lässt erahnen, dass der Sommerurlaub 2020 wenig zu tun haben dürfte mit dem früherer Jahre.

Das fängt bereits bei der Wahl des Urlaubsortes an. So will die Bundesregierung zwar ab Mitte nächster Woche alle übrigen 26 EU-Staaten plus Großbritannien, Island, Norwegen, die Schweiz und Liechtenstein aus ihrer weltweiten Reisewarnung herausnehmen. Aber nicht alle Staaten wollen da schon wieder bereist werden. So gelten in Norwegen und Spanien noch über den 15. Juni hinaus Einreisesperren. Maas zufolge will Spanien zum 21. Juni seine Vorschrift aufheben. Dann werde auch die Bundesregierung ihre Reisewarnung für das beliebte Urlaubsland aufheben, kündigte er an. Von Reisen nach Großbritannien rät der Minister fürs Erste aufgrund der dort noch geltenden Quarantänepflicht für Einreisende ab.

Die Aufhebung der Reisewarnung für europäische Staaten bedeutet jedoch nicht automatisch grünes Licht für Touristen. Die Bundesregierung will landesspezifische Hinweise geben, die vom Infektionsgeschehen vor Ort abhängen. So darf die Zahl von 50 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen nicht überschritten werden. Auch müssen die Zielländer dafür Sorge tragen, dass vor Ort Abstands- und Hygieneregeln gewahrt werden. Falls nicht, behält sich die Bundesregierung „Schutzmaßnahmen“ vor. Die könnten dann darin bestehen, „dass aus einem Reisehinweis wieder eine Reisewarnung werden würde“, sagte Maas. Er warnte zudem vor leichtfertiger Planung: „Es wird in diesem Sommer nicht noch einmal eine Rückholaktion geben für deutsche Urlauber, die sich im Ausland befinden.“ Ob und wann die Reisewarnung der Bundesregierung auch für Staaten außerhalb der EU aufgehoben wird, ist offen. Maas zufolge ist da Brüssel am Zug.

Weltärztechef Frank Ulrich Montgomery kritisierte den Kabinettsbeschluss als „verfrüht“. „Durch die Grenzöffnungen und den Tourismus entsteht wieder ein neues Risiko, dass Menschen aus anderen Ländern das Virus einschleusen. Die Grenzöffnungen bleiben riskant“, sagte der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ). mit fr

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