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Unwort des Jahres „Klimaterroristen“: Symptom des Verdrängens

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Von: Friederike Meier

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Aktivist:innen der „Letzten Generation“ werden häufig beschimpft.
Aktivist:innen der „Letzten Generation“ werden häufig beschimpft. © epd

Wer Kampfbegriffe wie „Klimaterroristen“ für Menschen nutzt, die sich für unsere Lebensgrundlagen einsetzen, verdrängt die Realität. Der Kommentar.

Wer sich für mehr Klimaschutz einsetzt, kämpft für die Gegenwart und Zukunft aller Menschen auf der Erde. Diese Engagierten als „Klimaaktivist:innen“ zu bezeichnen, wird der Sache also schon nicht ganz gerecht. Wer hingegen am fossilen Wirtschaftssystem festhalten will, von dem er oder sie profitiert, braucht eine Strategie, um mit Hinweisen auf die Klimarealität klarzukommen: Es muss ein „wir gegen die“ erzeugt werden.

Das geht gut mit Kampfbegriffen. Einer davon - „Klimaterroristen“ - ist jetzt zum „Unwort des Jahres 2022“ gekürt worden. Die Jury aus Sprachwissenschaftler:innen kritisiert, dass damit Klimaaktivist:innen kriminalisiert und diffamiert werden. „Unter Terrorismus ist das systematische Ausüben und Verbreiten von Angst und Schrecken durch radikale physische Gewalt zu verstehen“, schreibt die Jury. „Durch die Gleichsetzung des klima-aktivistischen Protests mit Terrorismus werden gewaltlose Protestformen zivilen Ungehorsams und demokratischen Widerstands in den Kontext von Gewalt und Staatsfeindlichkeit gestellt.“

Klar: Von einem Straftäter brauche ich mir nicht sagen zu lassen, dass ich weniger Auto fahren soll. Dass Kampfbegriffe wie „Klimaterroristen“ aufkommen, ist ein Symptom der Verdrängung der Klimakrise.

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