Unterdrückte Wahrheiten

Die Stimme des Hasses und der neue Antisemitismus in der arabischen Welt / Harold Evans über die Rolle der Medien und der Propaganda

Unmittelbar bevor Yassir Arafat von Präsident Bush gewissermaßen entlassen wurde, machte er ein außerordentliches Angebot - außerordentlich, weil es dabei nicht um eine der spezifischen Forderungen ging, die Bush an ihn hatte, sondern weil Arafat darin einen versteckten Gräuel zur Kenntnis nahm: die Indoktrination jener desillusionierten jungen Menschen, die zu Selbstmordattentätern werden. In einem sechsseitigen persönlichen Memorandum, das er an Präsident Bush und die arabischen Hauptstädte richtete und in dem er seinen 100-Tage-Reform-Plan darstellte, sagte Arafat, er würde "jeglichem Fanatismus in den Bildungsstätten abschwören und den Geist der Demokratie, Aufklärung und Offenheit verbreiten".

Unter dem Deckel, den Arafat damit lüftete, befindet sich viel bisher Verstecktes. Zum Beispiel der Fanatismus, der den Selbstmordattentätern und Millionen junger Menschen in den gesamten arabischen Nationen eingetrichtert wird und den die Medien, Regierungen, akademische oder kirchliche Vertreter in der demokratischen Welt kaum zur Kenntnis nehmen. Palästinensische Schulen, finanziert von Europa aus, sind offene Brutstätten des Hasses, den sie nicht nur gegen Israel, sondern alle Juden und ihre Freunde säen.

Dr. Ahmad Abu Halabiya, der frühere Präsident der Universität von Gaza, spricht es offen aus: "Wo immer ihr seid, tötet Juden und die Amerikaner, die ihnen gleichen, und alle anderen, die sie unterstützen."

Arabische Potentaten fahren nach Washington, London und Genf mit Papieren, die den Frieden predigen, während sie zu Hause ihre Bevölkerung mit solchen oder ähnlichen Hetzreden füttern. Selbst wenn das Wunder geschieht und es zu einer Lösung in Sachen palästinensischer Staat kommt, wird es dennoch eine ganze Generation lang keinen Frieden im Nahen Osten geben können. Israelis mögen sich bereit finden, die Selbstmordattentate zu vergessen oder zu vergeben; Palästinenser finden vielleicht eine Möglichkeit, die Entwürdigung der Besatzung hinter sich zu lassen. Aber der politische Kampf um Palästina ist nur ein Aspekt des Fanatismusgebräus, der hier zur Gärung kommt. Es geht dabei insgesamt um eine Enthumanisierung aller Juden, und dieses Gebräu wird produziert und im gesamten Nahen Osten und Südasien verbreitet in einem Maße und mit einer Intensität, die ihresgleichen sucht.

Es ist dies eine relativ neue Entwicklung in der islamischen Welt, da es traditionell in der islamischen Welt mehr Toleranz gegenüber den Juden gab als im christlichen Europa.

Mir war wie jedem von uns bewusst, dass die Palästinenser den israelischen Staat hassen. Was mich jedoch erstaunte ist die Virulenz des neuen Antisemitismus in den meisten moslemischen Ländern: Er ist wahnhaft, stimmgewaltig, manisch, bösartig, einfallsreich und im Übrigen eher zufällig an den Palästinakonflikt gebunden. Das von uns so geschätzte Prinzip Hoffnung hat wenig Auswirkung darauf. Als auf das Camp-David-Abkommen ein Augenblick der Hoffnung folgte, war nicht etwa ein Verlaufen dieser Antisemitismuswelle zu verzeichnen sondern es kam, im Gegenteil, zu einer wahren Springflut. (. . .)

Die Kultur des religiösen Fanatismus, der den Terrorismus gezeugt und legitimiert hat und den neuen Antisemitismus antreibt, ist jeder Vernunft abhold. Mit was wir uns da konfrontieren sollten, ist am besten illustriert durch das, was die Juden dem World Trade Center angetan haben. Weltweit weiß jeder Moslem, dass der 11. September eine jüdische Verschwörung war, die den Weg ebnen sollte für eine israelisch-amerikanische Militäroperation nicht nur gegen Osama bin Laden und die Taliban, sondern auch gegen islamistische Militante in Pakistan. Am Tag des Anschlags waren 4000 Juden nicht im World Trade Center: Man hatte sie natürlich gewarnt.

Wie können Menschen so empfänglich sein für Desinformation? (. . .) Verschwörungstheorien und Gerüchte blühen überall, wo der freie Fluss von Nachricht und Meinungsäußerung behindert wird und ganz besonders da, wo Analphabetismus herrscht.

Aber es gibt inzwischen noch eine zusätzliche Erklärung für die Kraft der Lügen. Es ist die Aura der Authentizität, die sich durch Technologien, insbesondere das Internet, herleitet. John Daniszewski von der Los Angeles Times fragte Ayesha Haroon, Redakteurin der Nation in Islamabad, warum man dort Israel beschuldigt. "Es ist gut möglich, dass da eine gezielte Bosheit vorliegt", sagt sie, fügt dann jedoch hinzu: "Ich denke auch, dass es mit dem Internet zu tun hat. Wenn man etwas auf dem Computer sieht, hat man die Tendenz, es für Realität zu halten." Hier also, in der neuen Wunderwelt, liegt eine Quelle des Problems. Ein Indonesier, der die islamische Hochburg Jojjakara besuchte, war laut Friedmann alarmiert über die Heftigkeit der Zustimmung zu einem Dschihad gegen Christen und Juden. Dabei haben nur etwa 5 Prozent der Bevölkerung Internetzugang, aber diese 5 Prozent verbreiten Gerüchte über die Juden überall. "Sie sagen: ‚Er hat es aus dem Internet.' Sie glauben daran wie an eine Bibel."

Der Rufmord, der alle Juden verhöhnt, die im World Trade Center starben, und der von Millionen als Realität genommen wird, stammt ursprünglich von einer Website vom September 2001. Sie heißt InformationTimes.com, ein "unabhängiger Nachrichten- und Informationsdienst", als dessen Adresse das Pressehaus in Washington, DC, angegeben ist. Mir schien es wert, den Chefredakteur Syed Adeeb nach Beweisen zu fragen. Er war nicht so leicht zu finden. Bei der telefonischen Auskunft gab es keine Eintragung unter dem Namen des Informationsdienstes oder dem seines Chefredakteurs, die Hausverwaltung des Pressehauses hatte ebenfalls keinen Mieter dieses Namens verzeichnet.

Erst kürzlich habe ich Adeeb endlich in Virginia erreicht und ihn nach seiner Quelle gefragt. Es sei der Fernsehsender Al Manar in Libanon, sagte er. Als ich ihn fragte, ob er keine Bedenken habe, sich auf Al Manar zu verlassen, da der Sender immerhin ein Organ der terroristischen Hisbollah-Gruppe sei und das erklärte Ziel verfolge, "eine wirksame psychologische Kriegsführung gegen den zionistischen Feind in Gang zu bringen", meinte Adeeb nur: "Aber er ist ein sehr beliebter Sender."

Ganz offensichtlich glaubte er selbst an seine Story. Als ich erwähnte, dass es jüdische Namen unter den Opfern in den Türmen gäbe, gestand er zu, dass ein oder zwei Juden gestorben sein könnten; aber er fand es weiterhin verdächtig, dass es keine Auskunft darüber gab, wie viele Juden dort umgekommen seien. Er sagte mir, ohne dass ich danach gefragt hätte, er sei US-amerikanischer Bürger und einige seiner besten Freunde seien Juden.

Man braucht sich nur die Schlagzeilen seines Informationsdienstes anzuschauen und erkennt schnell das Weltbild des Syed Adeeb: "Israelis mit Bombenmaterial in Washington verhaftet"; "Israelische Mafia beherrscht den US-Kongress"; "Verrückte Hindu-Terroristen drohen Amerika"; "CIA und FBI sollten Israel-Lobby untersuchen"; "Barbarische israelische Soldaten vergewaltigen und foltern 86 Frauen in Nablus, Palästina".

Als ich nach der Quelle für die Meldung über die Vergewaltigungen in Nablus fragte, wurde ich an die britische Labour-Abgeordnete Lynne Jones verwiesen. Ich habe es daraufhin überprüft: Tatsächlich hat Lynne Jones diese Meldung, die sie aus einer E-Mail von Anthony Razook in Nablus hatte, zirkulieren lassen. Aber sie ist immerhin skeptisch genug gewesen, um anzumerken: "Dieser Bericht ist nicht bestätigt worden." Solche Einschränkungen lösen sich in der Endlosschleife von weiterverbreiteten Informationen sehr schnell in Luft auf.

Früher wären solche Geschichten auf verschmierten Flugblättern weitergereicht worden und in keiner Zeitung erschienen. Heute haben Zauberer wie Adeeb durch die falsche Authentizität der elektronischen Weitergabe ein Megafon, durch das sie einer verführbaren Welt etwas vorposaunen.

Leider verstärken Reportagen und Kommentare im Westen - aus durchaus gutwilligen Motiven - den antisemitischen Affekt. Israel wird unterstützt, in Lenins Formulierung, wie ein Hängender durch den Strang. Informationen von korrupten Polizeistaaten und bekannten Lügnern wird gleiches Gewicht gegeben wie gründlich selbstkritischen Demokratien. Die fromme, aber auch lächerliche Pose ist, dies sei irgendwie fair: Als ob die Wahrheit in einem moralischen Vakuum existierte oder etwas sei, das per Meter gemessen wird wie Baumwollstoff.

Fünf Millionen Juden in Israel sind eine bedrohte Minderheit, umgeben von 300 Millionen Moslems, die zum größten Teil von autoritären Regimen regiert werden. Diese Regierungen sind Quasi-Polizeistaaten, die in den letzten fünfzig Jahren nie aufgegeben haben, Israel durch Krieg oder Terrorismus auslöschen zu wollen. Sie haben die eigene Opposition und jegliche kritische Berichterstattung zum Schweigen gebracht, ihre Rechtssysteme gehorchen dem Gedanken der Rache, und ihre Schulen vergiften die Kinder; zudem haben sie in fast allen Aspekten sozialer und politischer Gerechtigkeit keinerlei Erfolge zu verzeichnen, und sie lenken die daraus folgende Frustration der Massen ab auf den Sündenbock Zionismus; sie brüten internationalen Terrorismus aus und finanzieren ihn.

Dschenin

Und dennoch ist es Israel, das mit Skepsis und nicht selten Feindseligkeit betrachtet wird. Nehmen wir die Schlacht von Dschenin. Die Annahme war in der ersten heißen Phase der Nachrichtenrecherche - selbst in den besten Zeitungen Europas und in stundenlangen Übertragungen der Sender -, dass die Nachricht von 3000 getöteten und heimlich vergrabenen Palästinensern wahr sein musste, obwohl der Hauptverantwortliche für die Verbreitung dieser Nachricht Saeb Erekat war, der immer wieder als Lügner entlarvt worden ist. Der Guardian schrieb sogar in seinem Kommentar, der israelische Angriff auf Dschenin sei "ebenso abscheulich" wie der Angriff Osama bin Ladens auf New York am 11. September. Tatsächlich aber hatte es kein Massaker und kein Massengrab gegeben. Human Rights Watch hat die Zahl der Toten inzwischen auf 54 geschätzt, darunter 22 Zivilpersonen, die Israelis sagen, es seien drei Zivilisten gewesen. Einige palästinensische Militante behaupten sogar, Dschenin sei mit dem Tod von 23 israelischen Soldaten ein Sieg für sie gewesen.

Natürlich war es die Pflicht der Presse, die palästinensische Behauptung eines Massakers zu bringen; sie war berechtigt, Fragen zu stellen und Warnungen in ihren Kommentaren auszusprechen. Aber die Wahrheit lag nicht in der Balance zwischen konkurrierenden Statements, und die herrschende Hysterie tat ihr Übriges. Geschichten wie diese verlangen jedoch eine besonders gründliche Berichterstattung, Zurückhaltung in der Sprache, skrupulöse Sorgfalt in den Schlagzeilen, angemessene Aufmerksamkeit für die Quellen und vor allem Verantwortlichkeit: Das Wort "Genozid" bedeutet etwas zu Furchtbares, als dass man es entwerten und in kleiner Münze ausgeben sollte.

Die Selbstmordattentäter als "Märtyrer" zu bezeichnen, wie es jüngst in der Schlagzeile einer britischen Zeitung geschah, heißt, eine barbarische Haltung gutzuheißen; Palästinenser können diese Attentäter Märtyrer nennen, wenn sie wollen, aber es ist eine Verleumdung historischer Märtyrer, die sich opferten, um andere zu retten und nicht um unterschiedslos Menschen zu töten oder ihren eigenen Familien einen Sold einzubringen.

Worte, sagte Churchill einmal, sind das Einzige, das ewig hält.

Und lassen Sie mich noch eine weitere Sophisterei zurückweisen, nämlich die Auffassung, eine derart kritische Hinterfragung bedeute, alle Anstrengungen, die ja angeblich nur dem Protest gegen Antisemitismus gelten, zunichte zu machen.

Es ist ebenso wenig antisemitisch, sich in Anbetracht von Dschenin ein paar Fragen zu stellen, als es antijournalistisch ist, sich Fragen über die Berichterstattung zu stellen. Es ist nicht antisemitisch, über die Misshandlung von Palästinensern zu berichten und dagegen zu protestieren. Es ist nicht antisemitisch, zu glauben, dass Scharons Vergangenheit seine Versprechen für die Zukunft Lügen straft. Es ist nicht antisemitisch, die lange Besatzung zu beklagen, auch wenn sie ursprünglich zu Stande kam durch arabische Politiker, die drei Kriege anzettelten und sie verloren.

Allerdings ist es antisemitisch, den Staat Israel als teuflische Abstraktion zu diffamieren und nur den einzelnen Juden zu tolerieren, nicht aber die Juden als Kollektiv. Es ist antisemitisch, andauernd an Israel zu verdammen, was man an anderen ignoriert oder sogar duldet. Vor allem ist es antisemitisch, das Judentum und das jüdische Volk zu entmenschlichen, beispielsweise durch Aufhetzung und Rechtfertigung ihrer Auslöschung. Und genau das ist es, was wir tausendfach in unerträglichem Ausmaß sehen.

Die Europäische Union hat kürzlich weiteren Millionen zugestimmt, die für die palästinensische Autonomiebehörde (PA) gedacht sind. So korrupt sie auch ist: Man sympathisiert mit ihrem Ruf nach Solidarität für die Linderung von Leiden und Armut. Sollte es nicht dennoch eine Bedingung gewesen sein, dass die PA aufhören muss, europäisches Geld für rassistische Propaganda in ihren Schulen und Moscheen, in Fernsehen und Rundfunk, in politischen Demonstrationen und Ferienlagern auszugeben? Der Fanatismus, dem Arafat anbot abzuschwören - als Verhandlungsmasse, nicht aus moralischem Prinzip -, ist der Fanatismus seiner eigenen Behörde, die unter anderem Bildungsfilme mit kleinen Mädchen produziert, wie sie inbrünstige Loblieder auf Märtyrer singen.

Das Ausmaß der Ansteckung wurde kürzlich deutlich an der Al-Najah-Universität in Nablus, in der Studenten eine Ausstellung organisierten unter dem Titel "Die Sbarro Café Ausstellung". Das Sbarro Café war die Pizzeria, in der ein palästinensischer Selbstmordattentäter 15 Menschen durch eine explodierende Bombe in den Tod riss. Die Ausstellung enthielt, laut Associated Press und einiger israelischer Medien, Pizzastücke und Körperteile, die im Raum verteilt waren. An den Wänden war rote Farbe, die Blut symbolisieren sollte.

Es ist nicht leicht, irgendwo noch so etwas wie geistige Gesundheit zu finden, selbst im Fachbereich Psychiatrie der Ein-Shams-Universität in Kairo nicht. Die folgende Aussage über Selbstmordattentate stammt von Dr. Adel Sadeq, Vorsitzender des Psychiatrieverbandes: "Als professioneller Psychiater stelle ich fest, dass der höchste Moment der Seligkeit am Ende des Countdowns kommt: zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins. Wenn der Märtyrer zur "Eins" kommt und explodiert, hat er ein Gefühl des Fliegens, denn er weiß, dass er nicht tot ist. Es ist nur ein Übergang zu einer anderen, besseren Welt. Keiner im Westen opfert sein Leben für seine Heimat. Wenn seine Heimat bedroht ist, ist er der Erste, der das sinkende Schiff verlässt. In unserer Kultur ist das anders. (. . .) Dies ist die einzige arabische Waffe, die es gibt, und jeder, der etwas anderes sagt, ist ein Verräter."

Der Nächste, bitte!

Die erbarmungslose Karikatur des Juden in der moslemischen Welt ist öde und stetig dieselbe: Juden sind immer dreckige, hakennasige, geldgierige, rachsüchtige und Ränke schmiedende Parasiten. Sie sind Barbaren, die willentlich Sünde, Drogen und Prostitution verbreiten und das Wasser vergiften. Unter solcherart Fabrikationen sind beispielsweise die folgenden: "Israelische Behörden infizierten während der Intifada durch Spritzen 300 palästinensische Kinder mit dem HI-Virus"; "Israel vergiftet Palästinenser mit Uran und Nervengas"; "Israel verteilt mit Drogen präparierte Kaugummis und Bonbons, um Frauen sexuell zu korrumpieren"; "Juden benutzen das Blut von Nichtjuden, um Matze zum Pessachfest zu backen" (Al Ahram, Kairo).

Im April verbreiteten staatlich geförderte Studenten in San Francisco ein Poster mit dem Bild eines Babys, "das nach jüdischem Ritus unter amerikanischer Lizenz geschlachtet" wurde.

Es ist kaum zu fassen, dass arabische und moslemische Medien - hinter ihnen jeweils ihre Staaten -, die notorische Fälschung der Protokolle der Weisen von Zion wieder haben auferstehen lassen. Dieses angeblich okkulte Dokument enthält den heimlichen zionistischen Plan, mit Hilfe dessen die teuflischen Juden die Weltherrschaft erobern wollen. Es sind diesem Buch schon mehr akademische Pfähle durchs Herz geschlagen worden als dem hunderttausendsten Film-Dracula, aber seine bizarren Fälschungen sind in der moslemischen Welt täglich Brot. Eine 30-teilige Serie mit 400 Schauspielern, die viele Millionen gekostet haben muss, ist für das ägyptische Fernsehen und den Rundfunk produziert worden. Und sie ist durchaus nicht als Satire gemeint.

Es sind die Protokolle, durch die sich Hamas, die islamistische Widerstandsbewegung, inspirieren lässt und die es seinen Kindern vorsetzt und behauptet, es seien die Juden, die sowohl die Reichtümer als auch die Medien der Welt besitzen. Laut Hamas - und wer würde das im Klassenzimmer oder auf der Straße hinterfragen - haben die Juden gezielt die Französische und Russische Revolution sowie den Ersten Weltkrieg angezettelt, damit das islamische Kalifat ausgelöscht und die Liga der Nationen gegründet würde, "so dass ihre Zwischenhändler die Welt regieren". (. . .)

Globale Kampagne

Abgesehen von Ausmaß und Intensität der multimedialen globalen Kampagne hat es auch eine merkwürdige Veränderung der politischen Richtung gegeben. Die arabische Frustration über die Anerkennung des Staates Israel nach dem Zweiten Weltkrieg ist seit Jahrzehnten ausgedrückt worden in der Frage: "Warum sollen Araber zahlen für den Holocaust, den die Europäer angerichtet haben?"

Heutzutage wird behauptet, dass der Holocaust eine zionistische Erfindung sei. Die Heftigkeit, mit der diese These vertreten wird, ist ebenso erstaunlich wie die Missachtung jeglicher historischer Dokumentation.

Ein typischer Kolumnist in Al-Akhbar, der regierungstreuen ägyptischen Tageszeitung, schreibt am 29. April: "Diese ganze Sache (der Holocaust) ist, wie viele französische und britische Wissenschaftler inzwischen bewiesen haben, nichts anderes als eine riesige israelische Verschwörung, die lediglich darauf abzielt, den europäischen Ländern und insbesondere der deutschen Regierung Geld aus der Tasche zu ziehen. Angesichts dieser Tatsache möchte ich persönlich mich gern bei Hitler beschweren und sagen: "Hättest du es doch nur vollbracht, Bruder, wenn es doch wirklich passiert wäre, so dass die Welt befreit atmen könnte ohne ihre Bosheit und Sünde." Hiri Manzour schreibt in der offiziellen palästinensischen Tageszeitung: "Die Zahl der sechs Millionen Juden, die in Auschwitz verbrannt worden sein sollen, ist eine Lüge", eine Fälschung, die von den Juden verbreitet wird als Teil ihrer internationalen "Marketing-Operation". (. . .)

Hier wird offensichtlich ein konzertierter Versuch unternommen, das moralische Fundament des Staates Israel zu untergraben - und daran beteiligen sich sogar einige angeblich moderate Leute. Der ehemalige iranische Präsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani sagte im Teheraner Rundfunk: "Eine Atombombe könnte Israel spurlos verschwinden lassen, die islamische Welt würde jedoch durch eine israelische nukleare Reaktion nur angekratzt, nicht aber zerstört werden."

Dschihad

Das Verblüffende an der antisemitischen Kampagne ist ihre umwerfende Verdrehung: Die arabischen und moslemischen Medien und Moscheen zeichnen die Israelis als Nazis - selbst der eher zum Einlenken bereite Barak und der Falke Scharon werden gleichermaßen mit Hakenkreuzfahnen umwunden und bluttriefendem Raubtiergebiss gezeigt - dabei sind es die Moscheen und Medien, die eine Judenfeindschaft verbreiten, wie sie nach Auschwitz führte.

Leute im Westen, die dieselbe mörderische Metapher für Israel benutzen - und ich habe es kürzlich bei einem Besuch in Europa des Öfteren gehört -, werden vielleicht in ihren eigenen Ländern als Witzfiguren gesehen, aber auch wenn sie nur moralische Vollidioten sind, verleihen sie doch den bösartigen Lügen aus dem Nahen Osten Glaubwürdigkeit.

Im Vergleich mit den Phantasmagorien, die ich zitiert habe, ist es fast eine Nebensächlichkeit, dass palästinensische Schulbücher, die von der PA verteilt und mit europäischem Geld produziert werden, ausnahmslos die Landkarte des souveränen Staates Israel auslassen, sein Fünf-Millionen-Volk nicht erwähnen und die historische Beziehung der Juden zu Jerusalem nicht anerkennen.

Der palästinensische Anspruch auf einen Staat ist unabweisbar, und ein solcher wäre unter einer klügeren Führung längst existent. Es ist tragisch, dass die palästinensische Sache inzwischen derart rücksichtslos ausgebeutet wird - mit "dem Juden" als Codewort für extremistische Aufhetzung gegen die USA und den Westen. Dies ist ein Dschihad. Er ist gegen uns alle gerichtet, gegen alle Europäer, die "aussehen wie" Amerikaner, weil sie an die liberale Demokratie glauben und von der US-Kultur angesteckt sind. Aber dessen erste Opfer sind in Wirklichkeit die Palästinenser und die frustrierten Massen der moslemischen Welt.

Ihre Anführer haben sie in drei Kriegen in die Niederlage geführt. Sie haben es nicht geschafft, ihre korrupten und inkompetenten Gesellschaften zu reformieren. Es ist bequem für sie, die Verzweiflung und Wut auf ihren Straßen gegen Israel und die Juden zu richten, die angeblich den Westen beherrschen. Aber Gesellschaften, in denen dazu ermutigt wird, Terror und Hass zu tolerieren, werden meist selbst davon vergiftet. Bernard Lewis beobachtete schon vor 16 Jahren, dass der Antisemitismus zum Bestandteil des intellektuellen Lebens der Araber wurde, "fast so sehr wie in Nazi-Deutschland". Damals setzte er noch den tröstlichen Gedanken hinzu, dass es diesem Antisemitismus an der tiefen emotionalen Verwurzelung mangele, die er in Osteuropa hatte, und "zum großen Teil nur politisch und ideologisch, intellektuell und literarisch" sei, ohne persönliche Animosität oder populäre Resonanz. Der Antisemitismus würde von den arabischen Herrschern und Eliten nur zynisch benutzt, eine rhetorische Waffe, die man wegwerfen würde, wenn man sie nicht mehr bräuchte.

Aber das war vor dem jetzigen elektronischen Aufblühen des Hasses, vor der Gehirnwäsche, die ich hier skizziert habe, vor dem 11. September. Denkmuster, die den Terror akzeptieren, werden in der moslemischen Welt verankert und durch Lethargie und Vorurteile in Europa sanktioniert: Jene Palästinenser, die ihre Freudentänze am 11. September tanzten, und jene Studenten, die die grässliche Ausstellung der Pizzeria-Morde zusammenstellten, sind nicht alle Al Qaeda. Aber ihre Akzeptanz des Terrors als Ersatz für Politik lässt nichts Gutes ahnen für die Zukunft ihres Landes oder die Möglichkeit eines friedlichen politischen Dialogs in irgendeinem der arabischen Staaten.

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