PORTRÄT

Unter großem Erwartungsdruck

General Tyskiewicz in Irak

Von Thomas Roser (Warschau)

Zumindest das Blitzlichtgewitter der Fotografen lässt der weißhaarige General mit souveräner Gelassenheit über sich ergehen. Doch trotz seines Lächelns macht sich Andrzej Tyszkiewicz über den Erwartungsdruck, der auf ihm lastet, keine Illusion: "Ich bin mir bewusst, dass die Welt in Irak auf mich schauen wird - und ich dort nicht nur Polens Armee, sondern das ganze Land repräsentieren werde."

Der 54-Jährige sieht sich in einer "Pionierfunktion": Nie zuvor habe Polen eine internationale Militärmission angeführt, nie zuvor selbst so viele eigene Soldaten ins Ausland entsandt. "Wir müssen beweisen, dass Polens Entscheidung, sich in Irak zu engagieren, richtig und gut war. Wir haben keine Wahl: Wir müssen dort Erfolg haben."

Mit dem Oberbefehl über die rund 9200 Soldaten starke Einsatztruppe in Polens künftiger Besatzungszone, die von 20 Nationen gestellt werden, hat Warschau frühzeitig einen auf dem internationalen Parkett erfahrenen Militär betraut: Tyszkiewicz ist seit Juli für zunächst unbestimmte Zeit der mächtigste Mann in der Polen von den USA angetragenen "Stabilisierungszone" zwischen Basra und Bagdad.

Zu sozialistischen Zeiten hatte der im zentralpolnischen Ciechanow geborene Tyszkiewicz an der Moskauer Militärakademie studiert. Er arbeitete sich in der Armee-Hierarchie in der Folgezeit rasch nach oben. Nach der demokratischen Wende diente der begeisterte Jäger und Hobbygärtner in den 90er Jahren vier Jahre als Militärattaché in der Türkei, bevor er nach dem Nato-Beitritt seines Landes 1999 zum Chef der polnischen Kontaktgrupppe im Nato-Hauptquartier avancierte.

Die Ernennung zum Oberbefehlshaber in Irak betrachtet der Familienvater als großen persönlichen und beruflichen Erfolg: "Doch es wird eine sehr schwierige und sehr verantwortungsvolle Mission." Das vor allem im benachbarten Deutschland mit Vorbehalten beäugte Irak-Engagement Polens habe eher einen "karitativen" als militärischen Charakter, beteuert Tyszkiewicz: Hauptanliegen Warschaus sei es, dem Land beim Wiederaufbau zu helfen.

Die Zweifel im In- und Ausland, ob sich Polens Armee mit der von Washington zugeschanzten Aufgabe nicht zu übernehmen drohe, müht sich der künftige Zonen-Chef mit einem entwaffnenden Lächeln zu zerstreuen: "Die Leute haben das Recht, an uns zu zweifeln. Doch diese Zweifel werden uns stärken: Sie sind für uns ein Ansporn, den deutschen und französischen Freunden zu zeigen, dass wir uns in Irak zu helfen wissen."

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