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Am Billardtisch in einem Club in Kabul.
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Am Billardtisch in einem Club in Kabul.

Nachbetrachtung

Unsere Schande

  • Karl Grobe
    VonKarl Grobe
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Wie lautet der zukünftige Plan für Afghanistan?

Am 8. Oktober 2001 veröffentlichte die FR einen Leitartikel unseres Autoren Karl Grobe zu Afghanistan. Er schrieb damals: „Nach dem Krieg muss der politische Verkehr weiter gehen. Kurz, zum Plan A, der den militärischen Aspekt umfasst, gehört ein Plan B für die Zeit danach. Der erste Kriegstag muss erster Tag der Friedensplanung sein.“ Heute nimmt er noch mal Stellung zu seinen Worten von einst:

Plan B für Afghanistan? Nach 20 Jahren Invasion – ich mag die feldgraubunte Folge von Einsätzen, um zum Beispiel am Hindukusch unsere Freiheit zu verteidigen, nicht „Friedensmissionen“ nennen – ist davon nichts übrig geblieben als die Suche nach dem Notausgang. Der ist zu schmal für alle. Die kämpfende Truppe zieht ab, nach dem Willen der Tonangeber im Weißen Haus bis zum 11. September. Die Übersetzer und Fahrer, Köchinnen und Krankenpfleger bleiben. Ich wage die Voraussage, dass diesen, die mit demokratischer Überzeugung den Interventen geholfen haben, Verfolgung und Verfemung, Folter und Tod bevorstehen. Sie zurückzulassen ist so schändlich wie das Treiben der Extremisten, Taliban, Al-Kaida, Warlord-Milizen und anderer. Es ist unsere Schande, gestützt auf unser Recht.

Nach jenem 11.9.2001 hat die intervenierende Allianz außer der Rache an Osama Bin Laden zwei Strategien – Strategien? – verfolgt: militärische Unterwerfung („Befriedung“) des Landes und demokratisch definierten Aufbau. Aber im Herbst vor 20 Jahren hoffte ich noch, dass es gelingen könne: Waffenruhe, Einigung des Exils mit den Taliban, neue Verfassung, internationale aktive Mitwirkung beim Aufbau ... Bis zum Eingreifen der Allianz hatte es ja doch Kontinuitäten gegeben. Ich habe afghanische Diplomaten getroffen, die nacheinander dem König, dem Republikaner Daud, den von der Sowjetunion eingesetzten Regenten und noch deren Erzfeinden, diversen Warlords, loyal dienten. Sie waren nurmehr Zeitzeugen.

Das Trauma 9/11 stand der Versöhnung entgegen. Es blieb nur die erste Strategie; aber jeder Militärschlag der Allianz trieb dem buntscheckigen Widerstand neue Mitglieder zu. Der Aufbau hatte nur dort Erfolge, wo die Besatzung stark war, besonders in der Hauptstadt Kabul. Frauenemanzipation, religiöse Toleranz (in gewissen engen Grenzen), funktionierende Verwaltung, Wahlen und die Karikatur einer moderne Regierungsbildung.

Das wurde zunehmend als fremdländisch abqualifiziert. Im weiten Land herrschten die traditionellen Kräfte weiter, radikalisiert und militarisiert. Die Taliban erobern ständig neue Gebiete. Der Anschein der Stabilität trügt: Afghanistan ist der erste failed state, Kampfzone von Sunniten und Schiiten, Paschtunen und Usbeken, Stämmen und Städten, Interventen aus Pakistan und Europa, Arabien und USA. Die gescheiterte Sowjet-Intervention von 1979 verletzte den Staat schwer. Tödlich getroffen hat ihn und die afghanische Gesellschaft vor allem die Intervention, die an den Afghanen Rache nahm für den Terrorakt des Nichtafghanen Bin Laden – wenn er es denn war.

Diesen Kampfplatz wird die Allianz, „der Westen“ nun aufgeben und die Afghanen ihrem Schicksal überlassen. Einen Plan B gibt es nicht. So wenig, wie es einen solchen für andere failed states gibt: Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Mali ... Entscheidende Mittäter der Zerstörung sind bekannt. Es sind die Vorkämpfer der westlichen Wertegemeinschaft, berühmt für ihre Fähigkeit sich davonzustehlen, wenn es nichts mehr zu gewinnen gibt.

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