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Wissing will mehr Billigflüge und glaubt an klimaneutrales Fliegen

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Volker Wissing (FDP), Bundesminister für Verkehr und Digitales, auf dem militärischen Teil des Flughafens BER Berlin-Brandenburg beim Einsteigen in den Airbus A350 (Archivbild). © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Bahnfahren ist europaweit teurer als Fliegen. Verkehrsminister Wissing hält den kostengünstigen Ausbau bei der Bahn für schwierig – und klimaneutrales Fliegen für eine Lösung.

Berlin – Deutschland will bis 2045 klimaneutral werden. Bahnfahren ist in Europa allerdings laut einer aktuellen Greenpeace-Studie in 71 Prozent der Fälle teurer als mit dem Flugzeug zu reisen. Die Umweltorganisation fordert daher eine höhere Besteuerung des klimaschädlichen Luftverkehrs. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) kommt zu einem anderen Schluss: Das Flugzeug habe auf der Langstrecke „unschlagbare Vorteile“, umso wichtiger sei es, dass Fliegen „schnellstmöglich klimaneutral werde“.

Bahnfahrer in Europa zahlen 50 Prozent mehr als Flugreisende

Greenpeace untersuchte in der am Donnerstag veröffentlichten Studie 112 europäische Strecken, wobei Bahnfahren nur in etwa einem Viertel der Fälle günstiger war als Fliegen. Ein Städtetrip von Berlin nach Prag sei mit dem Zug schneller und billiger und verursache rund 30-mal weniger Treibhausgase als ein Flug, so die Umweltorganisation. In einem Extrembeispiel lag der Preis für ein Zugticket auf der Strecke Barcelona-London bei bis zu 384 Euro, im gleichen Buchungszeitraum kostete ein Flug für die Strecke nur schlappe 12,99 Euro. Im Schnitt zahlen Bahnfahrer 50 Prozent mehr als Flugreisende.

Als Ursache für diese Verzerrung macht Greenpeace vor allem die subventionierten Preise der Billigfluggesellschaften aus, die rund 80 Prozent der untersuchten Strecken bedienen. Der deutsche Verkehrsminister interpretierte die Studie indes offenbar als Beweis für die Vorteile des Flugzeugs auf der Langstrecke.  „Wer zum Beispiel nach Spanien oder Portugal mit dem Zug fahren will, ist schnell länger als einen Tag unterwegs und muss mehrmals umsteigen“, so Wissing im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Deutschland arbeite mit den europäischen Nachbarländern daran, den Schienenverkehr grenzüberschreitend attraktiver zu machen, betonte der Minister. „Allerdings ist das nicht trivial: Zum Beispiel gibt es in den einzelnen Ländern verschiedene Bahnstrom- und Zugsicherungssysteme, sodass an der Grenze jedes Mal die Lok ausgetauscht werden muss und der Lokführer gleich dazu - wegen unterschiedlicher Betriebssprachen und -regeln.“ Das wirke sich auf den Preis aus. „Umso wichtiger ist es, dass wir auch beim Fliegen schnellstmöglich klimaneutral werden“, glaubt der Minister. Der Verkehrssektor hatte die Co2-Reduktionsziele der Bundesregierung im vergangenen Jahr erneut verfehlt.

Greenpeace fordert Kerosinsteuer – Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft hält dagegen

Die Umweltorganisation Greenpeace fordert angesichts der Ergebnisse der Studie eine Besteuerung des klimaschädlichen Luftverkehrs und rechnet vor, dass eine Kerosinsteuer von 50 Cent pro Liter Einnahmen in Höhe von 46,2 Milliarden Euro in europäische Kassen spülen würden. „Es bleibt ein Problem, dass klimaschädliche Subventionen und das Fehlen einer europäischen Kerosinsteuer weiterhin die Preise verzerren“, sagte auch der Grünen-Politiker Anton Hofreiter der Funke Mediengruppe.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) hält eine uneinheitliche Besteuerung von Kerosin auf internationaler Ebene indes für wettbewerbsschädlich. Dies würde „lediglich zu einer Verlagerung der CO₂-Emissionen in andere Weltregionen führen“, so der BDL zur tagesschau.de. Zudem sei der Luftverkehr seit 2012 in den EU-Emissionshandel einbezogen und strebe an, bis 2050 klimaneutral zu werden.

Wettbewerbsverzerrung durch klimaschädliche Subventionen? Bahn will faire Energiebesteuerung

Die innerdeutschen Verbindungen seien oft günstiger als das Flugzeug, teilte die Deutsche Bahn (DB) in einer Stellungnahme zur Diskussion mit. Insbesondere, „wenn es um die Mitnahme von Kindern und Gepäck“ gehe. Dies werde in der Greenpeace-Studie nicht berücksichtigt, zudem würden bei Zugreisen Extrakosten für die Fahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum oft wegfallen. Trotzdem erklärte auch die DB laut der Nachrichtenagentur AFP, dass die Mobilitätswende „hin zur klimafreundlichen Bahn“ nur gelingen könne, „wenn auch die politischen Rahmenbedingungen fair gestaltet sind“. Dazu gehöre eine Energiebesteuerung, die in erster Linie die Folgen für Klima und Umwelt berücksichtige. Um den Fernverkehr der Bahn zu verbessern, forderte auch der Grünen-Politiker Hofreiter „massiv“ in die Bahninfrastruktur zu investieren, um „Kapazitäten auszubauen und das Angebot zu erweitern.“

Gemeinsam mit europäischen Partnerbahnen hatte die Bahn kürzlich eine Studie zum Ausbau des Hochgeschwindigkeitsverkehrs in Europa erarbeitet. An das „schnelle Netz“ mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 300 Kilometern pro Stunde könnten demnach bis 2050 rund zwei Drittel aller Europäerinnen angebunden werden. Damit dies gelinge, müssten die EU und die Mitgliedsländer allerdings „erhebliche zusätzliche Investitionen in die Hand nehmen und europaweit in den Netzausbau stecken“, hieß es vonseiten des Transportkonzerns. Die derzeitigen Infrastrukturmaßnahmen würden nicht ausreichen, um die geplante Verdoppelung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs bis 2030 zu erreichen, so die Bahn weiter.

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