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Razzien im Rockermilieu: Nancy Faeser verbietet „United Tribuns“

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Von: Nail Akkoyun

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Ein Siegel der Polizei klebt über dem Schloss einer Tür zum Vereinsheim der Rockergruppierung „United Tribuns“. Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat den Verein, dem unter anderem Sexualstraftaten und versuchte Tötungsdelikte vorgeworfen werden, in der Nacht zuvor verboten.
Ein Siegel der Polizei klebt über dem Schloss einer Tür zum Vereinsheim der Rockergruppierung „United Tribuns“. Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat den Verein, dem unter anderem Sexualstraftaten und versuchte Tötungsdelikte vorgeworfen werden, in der Nacht zuvor verboten. © Roberto Pfeil/dpa

Mutmaßliche Mitglieder der „United Tribuns“ haben unerwarteten Besuch von der Polizei bekommen. Es handelt sich dabei um eine weitere verbotene Rockergruppe.

Berlin – Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hat die Gruppierung „United Tribuns“ verboten, der in Deutschland knapp 100 Mitglieder zugerechnet werden. Der Verein und seine 13 „Chapter“ werden aufgelöst und das Vereinsvermögen beschlagnahmt, wie das Ministerium mitteilte. Hunderte von Polizistinnen und Polizisten durchsuchten am frühen Mittwochmorgen (14. September) Privatwohnungen und Vereinsräume der Gruppe in Niedersachsen und acht weiteren Bundesländern.

In Niedersachsen waren rund 50 Polizeikräfte mit Unterstützung der Bundespolizei im Raum Braunschweig, Hannover und Lüneburg im Einsatz. Gefunden wurden beispielsweise digitale Geräte sowie Gegenstände mit Vereinsinsignien. In Nordrhein-Westfalen wurden nach Angaben der Polizei 40 Objekte durchsucht, in Schleswig-Holstein waren es 35 Objekte, mit Schwerpunkt in der Hansestadt Lübeck. Zwei Polizeibeamte seien bei einem Angriff eines Hundes im Kreis Segeberg leicht verletzt worden, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Kiel. Der Hund sei mit einer Schrotflinte erschossen worden.

„United Tribuns“: Gruppierung wurde 2004 gegründet

Mitglieder der „United Tribuns“ hätten schwerste Straftaten begangen, unter anderem Sexualstraftaten, Menschenhandel und versuchte Tötungsdelikte, sagte Faeser. Sie betonte: „Wir müssen als Rechtsstaat sehr deutlich zeigen, dass wir Gruppierungen, von denen so schwere Straftaten ausgehen, nicht dulden.“

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius sprach von einem wichtigen Schlag im Kampf gegen das Organisierte Verbrechen: „Von den Mitgliedern dieser Rockergruppierung geht eine hohe Gefährdung aus“, betonte der SPD-Politiker. „Umso entscheidender ist nun, dass dem Verein und dessen Mitgliedern so die Grundlage für ihre kriminellen Aktivitäten entzogen wurde.“ In Niedersachsen befinden sich den Angaben zufolge derzeit keine Vereinsstrukturen.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums war die Gruppierung 2004 von einem ehemaligen bosnischen Boxer im baden-württembergischen Villingen-Schwenningen gegründet worden. Ihr gehören Deutsche und ausländische Staatsangehörige an, die überwiegend aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawien stammen. Der Gründer hält sich nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden nicht mehr in Deutschland auf.

Schlag gegen Organisierte Kriminalität: Vereinsverbot in neun Bundesländern

„Das ist ein empfindlicher Schlag gegen eine schwerkriminelle Organisation“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Nach dem Verbot dürfen keine Symbole der „United Tribuns“ mehr in der Öffentlichkeit, beispielsweise auf Kutten, gezeigt werden. „Damit verbannen wir wichtige Identifikationsmerkmale der Rocker und deren martialische Symbole, mit denen sie die Menschen einschüchtern wollen“, sagte Herrmann.

„Das letzte Bundeslagebild zu Organisierter Kriminalität hat deutlich gemacht, dass Rockergruppen und rockerähnliche Gruppierungen ihre Aktivitäten verstärken und auch verändern“, sagte der Grünen-Obmann im Innenausschuss des Bundestages, Marcel Emmerich. Der Bekämpfung von Organisierter Kriminalität müsse daher mehr Priorität eingeräumt werden. „Die Analysefähigkeiten und Strukturermittlungen der Sicherheitsbehörden müssen effektiv gestärkt und auch die Geldwäschebekämpfung schnell vorangetrieben werden.“

Das Vereinsverbot erfolgt nach Angaben des Bundesministeriums in Abstimmung mit den Innenministerien von Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen. (nak/dpa)

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