+
Kind auf einem Hinterhof, Ost-Berlin 1987

DDR

Union will Aufklärung von Zwangsadoptionen in der DDR angehen

Die Union will gesetzliche Grundlagen schaffen für die Aufarbeitung von Zwangsadoptionen in der DDR. Die Fakten über das Ausmaß der Zwangsadoptionen soll eine Studie liefern, die der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Hirte, in Auftrag geben will.

Um den erwachsenen Kindern und ihren leiblichen Eltern die Suche nacheinander zu ermöglichen, brauche man einige Gesetzesänderungen, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Stephan Harbarth (CDU) am Dienstag in Berlin. Dies gelte etwa für die Einrichtung einer DNA-Datenbank, die Sicherung noch vorhandener Daten und Aktenbestände sowie ein Einsichtsrecht in die Adoptionsunterlagen.

„Wir wissen nicht, was genau geschah“

In der DDR sollen Kinder von systemkritischen oder als „asozial“ eingestuften Eltern zur Zwangsadoption freigegeben worden sein. Andere Mütter zweifeln den Tod ihres Babys an und vermuten, dass der angebliche Säuglingstod vorgetäuscht wurde, um das Kind in eine systemtreue Familie zu geben. „Wir wissen nicht, was genau geschah“, sagte Harbarth, aber was man wisse, „gebietet es, den Dingen auf den Grund zu gehen“.

Psychosoziale Hilfe

Die Union wolle mit dem Koalitionspartner SPD und den anderen Fraktionen über gesetzliche Änderungen ins Gespräch kommen, kündigte Harbarth an. Die Fraktion hatte am Freitag Eckpunkte zur Aufklärung der Zwangsadoptionen in der DDR verabschiedet. Sie sehen außer der Datensicherung und einer DNA-Datenbank eine Vermittlungsstelle für die Kontaktanbahnung vor sowie psychosoziale Hilfe für leibliche Eltern und ihre adoptierten Kinder. Der sächsische Abgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Arnold Vaatz (CDU) betonte, die Betroffenen müssten als politische Opfer anerkannt und entschädigt werden.

„Gestohlene Kinder“

Die Fakten über das Ausmaß der Zwangsadoptionen soll eine Studie liefern, die der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU), in Auftrag geben will. Eine Vorstudie hat bisher keine seriösen Zahlen über den Umfang der Zwangsadoptionen ergeben. Im Juni hatte der Petitionsausschuss des Bundestags Betroffene und Wissenschaftler angehört. Die „Interessengemeinschaft Gestohlene Kinder in der DDR“ hat eine Petition zur Aufklärung der Zwangsadoptionen eingereicht und will selbst eine Anlaufstelle einrichten. Sie geht von 300 bis 400 Fällen aus. (epd)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion