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Sieben EU-Länder haben sich zur Aufnahme der Migranten bereit erklärt, die auf der Sea Watch verharrten.

Flüchtlinge

Sechs Tote täglich im Mittelmeer

Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen prangert mangelnde Nothilfe für Flüchtlinge an.

Das Mittelmeer bleibt die mit Abstand tödlichste Route nach Europa für Migranten und Flüchtlinge. Grund seien Kürzungen der Such- und Rettungsoperationen, teilte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) am Mittwoch in Genf mit. Im Mittelmeer ertranken 2018 demnach im Durchschnitt pro Tag sechs Menschen.

Insgesamt geht das Hilfswerk von 2275 Toten oder Verschollenen bei der Überquerung des Mittelmeers 2018 aus. Zugleich sank dem Bericht nach die Zahl der Ankünfte in Europa deutlich. Sie sei mit 139 300 Flüchtlingen und Migranten auf dem niedrigsten Stand innerhalb der vergangenen fünf Jahre.

Seenotrettung sei keine politische Frage, sondern eine Pflicht, so UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi. Die Menschenwürde und das Leben der Menschen stünden an erster Stelle. Die „Desperate Journeys“-Studie des UNHCR erwähnt auch auf dem Mittelmeer blockierte Nichtregierungsorganisationen, die tagelang auf die Zuweisung eines sicheren Hafens für die Landung warten.

Aufatmen auf „Sea-Watch 3“

Unterdessen gab es eine Lösung für die Migranten an Bord des blockierten Rettungsschiffs der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch: Sieben EU-Länder hätten sich zur Aufnahme von Migranten bereiterklärt, sagte Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte am Mittwoch. Das Aussteigen der Migranten könnte somit „in einigen Stunden“ beginnen. Neben Deutschland wollen Italien, Malta, Rumänien, Luxemburg, Portugal und Frankreich Geflüchtete von dem Schiff aufnehmen.

Die „Sea-Watch 3“ hatte am 19. Januar 47 Migranten vor Libyen aufgenommen. Das Schiff lag zuletzt mehrere Tage vor der sizilianischen Küste bei Syrakus vor Anker, durfte aber nicht in den Hafen einfahren.

„Verteilungsfragen müssen an Land geklärt werden, und auch wenn es jetzt eine Lösung geben sollte, bleibt es eine moralische und politische Bankrotterklärung vonseiten der EU-Staaten“, sagte Sea-Watch-Sprecher Ruben Neugebauer. An Bord waren auch 13 Minderjährige und 22 Crewmitglieder. Die hygienischen Zustände verschlechterten sich in den vergangenen Tagen enorm. Sea-Watch hatte auch beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde eingelegt.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin erklärte, Deutschland habe sich wie auch in anderen Fällen vorher für eine europäische Lösung eingesetzt und sich bereiterklärt, in diesem Rahmen ebenfalls Migranten zu übernehmen. Wie viele Migranten Deutschland genau aufnimmt, war zunächst aber noch unklar. (kna/dpa)

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