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Cees Noteboom.

Katalonien

Die ungewisse Abspaltung

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Der niederländische Schriftsteller Cees Nooteboom lebt seit 30 Jahren auf Menorca. In einem Gastbeitrag schildert er, wie er das Referendum für eine Unabhängigkeit Kataloniens und die Tage danach erlebt hat.

Eine Geschichte dreier Tage: der Tag davor, der Tag selbst, der Tag danach, oder auch: Jetzt sind Staatsmänner gefragt. Die Bilder bisher: eine Menschenmenge, die einen König und einen Präsidenten ausbuht, eine Menge, die dem anderen Präsidenten zujubelt. Der erste Präsident ist der Ministerpräsident ganz Spaniens mit 46,5 Millionen Einwohnern, der zweite der von 7,5 Millionen Katalanen.

Die Bilder von heute, dem Tag davor. Polizei, andere Polizei und noch wieder andere Polizei. Doch welche ist loyal? Die des Gesamtstaates oder die hiesige? Die nationale Guardia Civil oder die Mossos d’Esquadra, die katalanische Polizei, die vor kurzem einen neuen Chef bekommen hat, der sich eindeutig katalanistisch positioniert hat? Sie sind jetzt überall, genauso wie die Guardia Civil, mit Schiffen herbeibeförderte Männer aus dem restlichen Spanien, beim Abschied aus ihren Dörfern im Süden bisweilen begleitet von Rufen wie: a por ellos, gebt ihnen Saures.

Sie werden zu Schulen geschickt, zu Gebäuden, die Wahllokale sein könnten. Denn die Stimmabgabe muss verhindert werden. Was werden die anderen Einheiten, die hiesigen, tun, wenn es zu tätlichen Auseinandersetzungen kommt? Jahrhundertealtes Leid, Nationalstolz versus Regionalstolz, Sprachenstreit, spanisches legalistisches Denken, zwei unterschiedliche Auffassungen davon, was Demokratie nun eigentlich ist, Verfassung versus leidenschaftliches Verlangen, das sind die Ingredienzien des Problems, das hier schon seit Wochen alles und alle beherrscht.

Leidenschaft, Angst, Hass in den Medien

Zwei Fahnen mit denselben Farben, aber einem anderen Muster, die hiesige mit einem blauen Stern, die für jedermann sofort erkennbar ist, ob Befürworter, Gegner, Freund oder Feind. Ein Orkan aus Millionen von Worten in den spanischen Zeitungen, und auch die anderen – parteiischen oder nicht parteiischen – Medien begleiten eine Wasserscheide zwischen den Geistern. Große Namen, die sich zu Wort melden, Vargas Llosa ist dagegen, aber der kommt aus Peru.

Die Industrie hält sich bedeckt, ist aber vorsichtig dagegen. Eduardo Mendoza zeigt die Fehler auf, schreibt über das niedrige intellektuelle Niveau der Regierung Rajoy und fordert zur Versöhnung auf, doch die Gelegenheit dazu hat Spanien fürs Erste ungenutzt verstreichen lassen. Valenti Puig, der ein großartiges Vorwort zu einem der schönsten Bücher der katalanischen Literatur geschrieben hat, dem Tagebuch von Josep Pla aus den Jahren 1918/1919, ist dagegen.

Leidenschaft, Angst, Hass in den Medien. Der jungen Oppositionsführerin, Inés Arrimadas von der Partei Ciudadanos, wird im Netz Gruppenvergewaltigung angedroht, dem Vorsitzenden ihrer Partei, Albert Rivera, hat man das Elternhaus beschmiert, es gibt Geschichten von Bedrohungen im universitären Bereich, wer nicht mit uns ist, ist gegen uns, Bürgermeister, die beschlossen haben, kein Wahllokal zur Verfügung zu stellen, werden als Landesverräter beschimpft, auf Twitter und Facebook, jenen grandiosen kalifornischen Beiträgen zum menschlichen Miteinander, das übliche Gift. Wochenlang hat diese Suppe vor sich hin gekocht, bis sie ungenießbar geworden ist, Familien und Dörfer sind restlos gespalten, alle werden sich den Mund daran verbrennen, oder doch nicht?

Spanien - ein Land mit vielen Religionen und Sprachen

Wird schon schiefgehen, haben viele gedacht, doch heute, am Tag vor dem eventuellen Referendum, ist die Stimmung nicht mehr so locker.

Wie hat es angefangen? Die Geschichte ist uralt, wenn man will, kann man bis zum Jahr 1714 zurückgehen, als ein Bourbone Katalonien unterwarf. Die Bourbonen sind mit Hilfe Francos wieder da, stehen zum Ausbuhen also zur Verfügung, wie vor einigen Wochen auf den Ramblas geschehen. Man kann aber auch näher an der Gegenwart bleiben, bei Franco, der das geschriebene Katalanisch verbot. Widerstand, Exekutionen, Ausschluss, Gräber ohne Namen, Namen ohne Vergessen.

Und dann ist es 1975, Franco stirbt, spanischen Politikern gelingt ein Meisterstück, entgegen allen Erwartungen springen sie von rechts und links über alle Gegensätze hinweg, die neue Verfassung von 1978 wird von allen, auch von den Kommunisten, unterzeichnet, Regionen und Parteien, die voller Leidenschaft gegen das zentralistische Regime gekämpft haben, erhalten weitgehende Autonomie, die im Folgenden, wenn die linke oder rechte Zentralregierung weitere Stimmen im Parlament benötigt, immer wieder mit einem Kuhhandel ausgeweitet wird. In Katalonien erwies sich Jordi Pujol als Meister darin, Gewinn aus solchen Situationen zu schlagen, doch vor zwei Jahren wurde dieser potenzielle Vater des Vaterlands jämmerlich desavouiert, als sich herausstellte, dass er eine große Menge an Schwarzgeld in einer Bank in Andorra deponiert hatte, was auch wieder ein düsteres Licht auf seine Partei Convergencia y Unión warf, die von Artur Mas geführt wurde und als solche heute nicht mehr existiert.

Vor zwei Monaten wurde ich in Santander von der gewiss nicht linken, einst monarchistischen Zeitung „ABC“ interviewt. Ich sagte, die beiden Gesichter der Unabhängigkeit, Carles Puigdemont von der PDeCAT und Oriol Junqueras von der linksrepublikanischen ERC, zum Bündnis Junts pel Sí (Gemeinsam für Ja) zusammengeschlossen, träten auf wie Laurel und Hardy. Sie sind auch tatsächlich ein Dünner und ein Dicker, selten zum Lachen geneigt, von ihrem Platz in der Geschichte voll überzeugt. Wenn sie Katalanisch im Nationalfernsehen sprechen, müssen sie untertitelt werden, viele Spanier können sie nicht wirklich oder wirklich nicht verstehen, und sei es nur deswegen, weil ihnen die Sprache nicht gefällt.

Katalanisch ist eine alte europäische Sprache, verwandt mit dem Französisch der Troubadoure, mit einer eigenen Literatur – einst habe ich mit Hilfe einer zweisprachigen Ausgabe den großen Dichter Salvador Espriu übersetzen können –, und auf die eigene Sprache ist man, buchstäblich von Natur aus, stolz. In besagtem Interview, dem ich eine leichte Wendung zum Märchen geben wollte, sagte ich auch, Rajoy benehme sich derzeit wie eine böse Großmutter, und das werde sich wahrscheinlich negativ auswirken. Rajoy stammt aus Galicien, Spanien ist ein großes Land mit vielen Regionen, Sprachen, Dialekten und Akzenten, beim Sprechen zischelt er leicht, was im Verein mit der hohen Stimme seinen legalistischen Drohungen ein wenig die Kraft entzieht.

In dieser unsicheren Zeit gibt er sich, wahrscheinlich aus Verzweiflung, seiner Sache völlig sicher, gestützt auf den Obersten Gerichtshof und die heilige Verfassung. Aber war das klug? Die Abstraktion des Gesetzes gegen hochkochende Gefühle? Meinungsumfragen in Katalonien ergaben keine Mehrheit für eine Abspaltung, doch jetzt, da die spanische Polizei sich wie eine Besatzungsmacht vor möglichen Wahllokalen postiert, sieht es so aus, als würden Puigdemont und Junqueras ihre Katalanen besser kennen als Rajoy. Sie müssen als gute Pokerspieler erkannt haben, dass genau dieses Verbot das notwendige Öl ins Feuer sein würde.

Es ist noch immer der Tag davor. Die „Financial Times“ schreibt, „Police action stokes division in Catalonia“ (dt.: Das harte Eingreifen der Polizei schürt den Wunsch nach Eigenständigkeit in Katalonien), „Le Monde“ übertitelt seinen Leitartikel mit „Ein Referendum für nichts“ und verweist auf Tejeros Staatsstreich im Jahr 1981, bei dem der vorige König als Francos Zauberlehrling die Demokratie rettete, sagt aber auch, dass die Katalanen mit ihrer weitgehenden Autonomie nicht wirklich unterdrückt und kolonisiert werden, dass man verhandeln müsse, ausgehend vom Statut von 2006, das Katalonien eine noch weitergehende Autonomie zusprach, im Folgenden jedoch vom Obersten Verfassungsgericht teilweise für verfassungswidrig erklärt wurde, eine Niederlage, die hier noch immer Groll weckt. Zu alldem kommt hinzu, dass das Baskenland, in dem der gleiche Kampf um die Unabhängigkeit von der gewalttätigen ETA gewalttätig geführt wurde und zahllose Opfer gefordert hat, jetzt natürlich genau zuschaut, und das Gleiche gilt auf europäischer Ebene für die Lega Nord, Schottland, Flandern.

Es braucht nur das Geringste zu passieren, schon ist die Hölle los

Deshalb ist es unverständlich, dass dieses Problem für Brüssel in weiter Ferne zu liegen scheint und es wie Pilatus seine Hände in Unschuld waschen will: Juncker ist kein Delors und schon gar kein Bismarck oder de Gaulle, er leitet ein Büro. „El País“ hat heute wieder etwas größere Buchstaben als gestern: „Die Generalitat“ (lies: katalanische Regierung) „hetzt die Bevölkerung gegen den Staat auf“, und die große katalanische Zeitung „La Vanguardia“, die eine spanisch- und eine katalanischsprachige Ausgabe hat, schreibt, dass „Trapero“ (der Chef der katalanischen Polizei, der Mossos d’Esquadra) „den Befehl erteilt hat, die Schulen zu räumen, aber ohne Gewalt“. Damit werden wir nicht die Helden des Tages sein, sagt er, aber auch nicht die Verräter.

In der doppelten Verneinung des Spanischen heißt es Verräter von nichts, los traidores de nada, und das wird morgen also zu beobachten sein. Inwieweit kann eine katalanische Polizeieinheit gegen katalanische Demonstranten vorgehen, wenn die nationale Polizei in der Nähe ist? Wie viele Menschen kommen ins Zentrum von Barcelona und in die anderen Städte? Es braucht nur das Geringste zu passieren, und schon ist die Hölle los. Javier Solana, der frühere NATO-Generalsekretär, berichtete gestern in der „New York Times“ von einer Sitzung des katalanischen Parlaments, in dem die Partei von Puigdemont eine äußerst knappe Mehrheit hat dank der Stimmen der antikapitalistischen, antieuropäischen, feministischen Partei CUP, die im Grunde die Autonomiebewegung usurpiert hat.

Die fanatische und parteiische Parlamentspräsidentin Carme Forcadell hielt sich nicht an die Geschäftsordnung ihres eigenen Parlaments, ließ die Opposition kaum zu Wort kommen und erklärte ohne weitere Diskussion eine Reihe von Gesetzen für angenommen, die Katalonien vom restlichen Spanien abspalten. Daraufhin verließ die gesamte Opposition, an der Spitze Inés Arrimadas wie eine Jeanne d’Arc, das katalanische Parlament; die Hälfte der Plätze blieb leer.

Ich sehe noch, wie die Ciudadanos, die Sozialisten und die PP in langer Reihe aus dem Saal auszogen, zwischen den steinernen Mienen der anderen, die wissen, dass sie, zerstritten wie sie in Wirklichkeit sind, nur eine geringfügige Mehrheit der Bevölkerung repräsentieren. Was eine derart autoritäre Machtdemonstration für eine eventuelle spätere katalanische Regierung bei ebenso eventuellen Wahlen in der Zukunft bedeuten wird, ist eine der Fragen, die jetzt allerorten gestellt werden. Morgen wird abgestimmt. Wenn alles gut läuft, kommt jeder zum Zuge. Auch diejenigen, die keine Unabhängigkeit wollen, doch ob die zur Wahlurne gehen, ist die Frage.

Puigdemont hat bereits erklärt, dass er bei einer Mehrheit von nur einer Stimme die Unabhängigkeit sofort ausrufen wird. Spannende Tage. Im Fernsehen Demonstrationen von Katalanen mit spanischen Fahnen, „Wir wollen bei Spanien bleiben“. Und eine Unterstützungsdemonstration der galicischen Nationalisten, ein Teil der zentrifugalen Kräfte, die in Spanien stets präsent sind. Als ich am Morgen darauf den nationalen und kurz danach den katalanischen Fernsehsender einschalte, ist das Chaos komplett.

Im nationalen Fernsehen eine Gesprächsrunde mit vier Journalisten, die in einer Weise durcheinanderreden, dass man nichts mehr versteht: kein neutraler Kommentar, nur Meinungen. Im katalanischen Fernsehen Bilder von langen Schlangen vor den Wahllokalen, eine Erklärung der Zentralregierung, wonach die Abstimmung in jedem Fall ungültig sei; Rajoy bleibt unsichtbar im Regierungspalast, schickt aber seine winzige Vizepräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría, die in semantisch vorbildlicher Weise darlegt, es habe überhaupt kein Referendum stattgefunden und alles sei ohnehin eine Farce, während wir gleichzeitig auf dem Schirm die ernsten Mienen normaler katalanischer Bürger sehen können, die geduldig in langen Schlangen anstehen, um in kleinen Gemeinden ihre Stimme abzugeben.

Eines der halluzinatorischsten Beispiele dafür, was man mit Bildern anstellen kann, sehe ich am Sonntagnachmittag auf TV 3, dem katalanischen Sender. Die Oppositionsführerin, ebendieselbe Inés Arrimadas, die seinerzeit bedroht wurde, wird auf Katalanisch interviewt, das sie perfekt spricht. Der Bildschirm ist mathematisch zweigeteilt. Sie ist, selbstverständlich, dagegen, weil sie der Meinung ist, dass die Menschen, die in aller Unschuld mit Ja stimmen, durch die Unabhängigkeit in Kürze den Extremisten der CUP ausgeliefert und Europa entfremdet werden, doch die Vernünftigkeit ihrer Worte wird, wahrscheinlich ohne dass sie es sehen kann, mittels eines äußerst effektiven rhetorischen Kunstgriffs durch die Bilder untergraben, die rechts von ihrem Gesicht gesendet werden, ständig wiederholte Szenen grober Polizeigewalt, Menschen, die zu Boden gestoßen werden, ein Polizist der Guardia Civil, der einem Demonstranten einen Ellbogenstoß der übelsten Art ins Gesicht verpasst, alles, was Puigdemont und Junqueras nicht zu organisieren brauchen, was Rajoy sich aber mangels Phantasie für sie ausgedacht hat.

Er ist ihnen in die Falle gegangen, sie waren die besseren Pokerspieler. Das ist jetzt, am Tag danach, klar. Was das für seine eigene Zukunft bedeutet, ist noch nicht so deutlich. Und wieder tritt die Semantik auf den Plan, Wörter bedeuten zwar, was sie bedeuten, doch weil sie von unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichen Gefühlen und Interessen verwendet werden, bedeuten sie auch immer etwas anderes. In den letzten Wochen wurde hier überall von zwei Zügen geschrieben, die mit voller Geschwindigkeit aufeinander zurasen. Gestern hatte diese Metapher plötzlich ausgedient, weil der Sprecher der PP – Rajoys Partei – erklärte, das ginge gar nicht, da besagte Züge auf verschiedenen Gleisen führen. In meiner Zeitung hier auf der Insel, auf der viel Katalanisch gesprochen wird, dem „Diario de Menorca“, ist zu lesen, 2 262 424 Bürger hätten in dem Referendum abgestimmt, das der Regierung zufolge gar nicht stattgefunden hat, davon 90 Prozent mit Ja, und Rajoy rufe die Parteien zum Nachdenken auf.

Das hatte die Partei Podemos schon vor ihm getan, indem sie vorschlug, das Referendum einfach abzuhalten. Was natürlich dazu gedacht war, dem Führer der Sozialisten, Pedro Sánchez, in die Quere zu kommen, und das mit Erfolg. Jeder steht jetzt auf einmal anders da. Artur Mas, den die CUP ausgebootet hatte zugunsten von Puigdemont. Puigdemont und Junqueras als große historische Figuren oder vielleicht doch als Rattenfänger von Hameln, die morgen oder übermorgen mit ihrer kleinen Parlamentsmehrheit die Republik ausrufen wollen, Führer eines absolutistisch regierten kleinen europäischen Landes, in dem die Hälfte der Einwohner nicht zählt?

Rajoy, der sich die Verfassung vor die Brust hält wie einen Schild, jetzt vielleicht aber doch verwundbar ist und hilfesuchend nach Europa blickt, ob es da vielleicht irgendwo einen Staatsmann gibt mit einem Zaubermittel gegen den Spaltpilz, den er selbst hat wachsen lassen und dessen Sporen bereits überall im fruchtbaren Boden des Kontinents zu finden sind? Ob die Tragweite von alledem Juncker und Timmermans aufgegangen ist? Das konnte ich aus den letzten Ausstrahlungen der niederländischen Nachrichtensendung Nieuwsuur nicht ersehen. Zugegeben, es ist eine äußerst komplizierte Geschichte, aber doch eine, in die man sich wird vertiefen müssen, allein schon wegen der möglichen Konsequenzen. Das werden sie im fernen Brüssel schon noch merken. Zu gegebener Zeit, wie man so schön sagt.

Eine Woche und einen Tag ist es her, dass die großen Demonstrationen und das große Referendum stattgefunden haben. Das war auch der Tag brutaler Polizeieinsätze. Dafür entschuldigte man sich halbherzig, aber es wurden auch Demonstranten von der Polizei angeklagt. Jetzt werden auch die Resultate des Referendums (90 Prozent Ja) untersucht. Gestern war dann endlich die Demonstration der nicht länger schweigenden Mehrheit und die war massiv. Vargas Llosa war dabei, der Jahre in Katalonien wohnte und dort eine Tochter hat und Josep Borell, Katalane, Sozialist und ein früherer Vorsitzender des EU-Parlaments.

Bei den Demonstrationen wurde u.a. gerufen: Bringt Puigdemont ins Gefängnis! Pablo Iglesias, Führer von Podemos, wurde im Bahnhof von Barcelona ausgebuht. Puigdemont kann morgen Abend die Unabhängigkeit ausrufen, ein gewagtes Stück nach der riesigen Demonstration von gestern. Rajoy, Jurist, Sohn und Enkel eines Juristen, gab „El País“ ein knallhartes Interview über den Artikel 155 der Verfassung, der ihm die Möglichkeit bietet, das katalanische Parlament aufzulösen und neue Wahlen in Katalonien auszuschreiben. Die Poker-Partie ist also noch nicht vorbei. Wer hat die stärksten Nerven? Das Volk? Die Politiker? Die Separatisten mit ihrer hauchdünnen Mehrheit und ihrer Abhängigkeit von der linksextremen CUP im Parlament? Das Geld? Montagmorgen schrieb Wolfgang Münchau in der „Financial Times“, „eine katalanische Abspaltung würde den Brexit wie einen Spaziergang aussehen lassen“, und er erklärte, dass die Grenze zwischen Spanien und Katalonien zur strengbewachten Außengrenze der EU werden würde, die Katalanen also ein Visum für Spanien und die EU brauchen würden. Und wieder heißt es, genau wie vergangene Woche: abwarten. Wer hat die stärksten Nerven? Wer traut sich was?

Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen.

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