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Ungerechter Treibstoff

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Von: Michael Kopatz

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Das schnelle Auto einfach mit E-Fuels zu betanken statt mit Benzin ist ein Traum von Verbrenner-Fans
Das schnelle Auto einfach mit E-Fuels zu betanken statt mit Benzin ist ein Traum von Verbrenner-Fans. © Marijan Murat/dpa

E-Fuels entsolidarisieren unsere Gesellschaft bei der Verfügbarkeit von Energie und sind damit Treiber für Gegeneinander und Ungleichheit. Die Kolumne „Öko-Logisch“.

Verbrenner-Fans hoffen auf E-Fuels. Mit diesem „Öko-Sprit“ kann man zwar einen konventionellen Motor klimaneutral betreiben, aber nur Top-Verdiener werden ihn bezahlen können. Das heißt: E-Fuels entsolidarisieren unsere Gesellschaft bei der Verfügbarkeit von Energie und sind damit Treiber für Gegeneinander und Ungleichheit.

Was ist das überhaupt für eine Wundertechnologie? Ein Elektrolyseur zerlegt Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff. Ein häufiges Experiment im Schulunterricht. Der Wasserstoff wird dann mit CO2 angereichert, das aus der normalen Luft oder aus Abgasen abgespalten wurde. Das Ergebnis sind besagte E-Fuels – synthetisches Gas oder flüssiges Benzin, Diesel oder Kerosin. Für heutige Motoren sind diese nur als Beimischung verträglich. Neufahrzeuge müssten speziell dafür ausgelegt werden. Das ist die liberal klingende „Technologieoffenheit“.

Der Haken: Um Kraftstoff für zum Beispiel 100 Kilometer zu produzieren, werden große Mengen Strom benötigt. Ein Elektro-Auto würde mit derselben Stromleistung rund 700 Kilometer weit kommen. E-Fuels werden durch den hohen Stromeinsatz sehr teuer sein. Wer kann, der kann – in 15 Jahren mit einem Verbrenner wunderbar den privaten Wohlstand zur Schau stellen. Ganz FDP-liberal und fair.

Doch der Kraftstoff ist nur klimaneutral, wenn die Stromerzeugung mit Ökostrom erfolgt. Schon jetzt geht der Ausbau von Solaranlagen nur mühselig voran. Windparks treffen auf Widerstand bei den anliegenden Bewohnern. Der Import gewaltiger Mengen Ökostrom aus südlichen Ländern ist in naheliegender Zeit nicht realistisch – schon gar nicht zu günstigen Preisen.

Einmal angenommen, eine Million Autos sind mit E-Fuels unterwegs. Dafür müsste dieselbe Strommenge erzeugt werden wie für sieben Millionen normale E-Autos. Das heißt, E-Fuels verknappen das Angebot und werden Strom teurer machen. Denn die verfügbare Strommenge bleibt auf absehbare Zeit begrenzt und die Nachfrage steigt.

Und damit werden auch Millionen Menschen mit geringem Einkommen mehr ausgeben müssen für Strom. Deswegen fördern E-Fuels die Ungleichheit.

Dr. Michael Kopatz ist seit August 2022 Dezernent für Klimastrukturwandel in Marburg und für sechs Jahre von seiner wissenschaftlichen Projektleitung am Wuppertal Institut für Klima, Energie, Umwelt beurlaubt.

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