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Impfgegner und Ukraine-Konflikt: Ungeimpfte halten Ukraine-Krieg für Ablenkung

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Von: Thomas Kaspar

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Es gibt einen direkten statistischen Zusammenhang zwischen dem Impfstatus und der Einstellung zum Ukraine-Krieg. (Symbolbild)
Es gibt einen direkten statistischen Zusammenhang zwischen dem Impfstatus und der Einstellung zum Ukraine-Krieg. (Symbolbild) © Wolfgang Maria Weber/imago

Die wissenschaftliche Cosmo-Studie untersucht den Zusammenhang von Einstellungen der Menschen zur Pandemie-Abwehr und dem Krieg in der Ukraine.

Erfurt – Es gibt einen direkten statistischen Zusammenhang zwischen dem Impfstatus und der Einstellung zum Ukraine-Krieg. Das geht aus der gerade veröffentlichten 61. Ausgabe der Cosmo-Studie der Universität Erfurt hervor. Ungeimpfte sind demnach wesentlich empfänglicher für Verschwörungstheorien.

43 Prozent der nicht geimpften Befragten stimmen der Aussage zu „Der Krieg in der Ukraine dient nur der Ablenkung von der Corona-Pandemie“. 15 Prozent sind dabei unentschlossen. Die geimpften Teilnehmenden lehnen diese Aussage zu 81 Prozent ab, nur elf Prozent stimmen zu.

Ungeimpfte halten Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg für „künstlich dramatisiert“

Deutlich unterscheiden sich die beiden Gruppen auch bei der Behauptung „Der Krieg in der Ukraine wird genauso künstlich dramatisiert wie die Corona-Pandemie“. Während diese These 86 Prozent der Geimpften ablehnen, stimmen auch hier mehr als die Hälfte der Ungeimpften zu oder sind unentschlossen.

Aufschlussreich ist die Detailanalyse. Die Bereitschaft, eine manipulierte Berichterstattung zu vermuten, korrespondiert mit kritischen Einstellungen zur Pandemiebekämpfung. In dieser Gruppe sind die Pandemiemüdigkeit und der Ärger über Corona-Reglements besonders stark ausgeprägt, das Vertrauen in die Bundesregierung signifikant gering.

Cosmo-Studie: Viele Deutsche beschäftigt der Ukraine-Krieg mehr als Corona

Eindeutig belegt die Befragung, wie sehr die Invasion der Ukraine die Menschen beschäftigt. In den Köpfen verdrängte nach dem 24. Februar der Krieg die Krankheit. Inzwischen informiert sich nurmehr die Hälfte mindestens häufig über den aktuellen Stand der Pandemie. Auf der anderen Seite suchen 71 Prozent nach Informationen zum Kriegsgeschehen, nur 13,5 Prozent konsumieren gar keine Nachrichten dazu – das unterscheidet sich deutlich vom Interesse an der Pandemie, wo inzwischen über 20 Prozent keinen aktuellen Stand mehr einholen.

Psychologische Lage

Die Cosmo-Studie ist die Abkürzung für das Covid-19 Snapshot Monitoring, in dem Professorin Cornelia Betsch an der Universität Erfurt regelmäßig die „psychologische Lage“ in Bezug auf die Pandemie erforscht.

Die Quotenstichprobe untersucht repräsentativ die Einstellungen von Erwachsenen, unterschieden nach Alter, Bundesland und Impfstatus.

Ausgewählte Ergebnisse sind kostenlos im Internet abrufbar unter: www.corona-monitor.de

Offensichtlich schlägt sich der Informationskrieg auch in den Zahlen nieder. Denn die Befragten empfinden es als deutlich schwerer, sich über „die aktuelle Situation in der Ukraine“ zu informieren als über die „aktuelle Corona-Lage“. Immerhin 17 Prozent finden es sehr schwer, sich über die Ukraine zu informieren.

Nur zwei Drittel sehen es als einfach. Bei Corona haben die Menschen ihre Quellen gefunden – nur acht von 100 finden es schwer, an Informationen zu gelangen. Mit dem angepassten Informationsverhalten lässt sich auch eine Änderung in der Risikowahrnehmung messen.

Cosmo-Studie zu Corona und Ukraine-Krieg: Bei Corona-Regeln herrscht Uneinigkeit

Das „gefühlte Risiko“ sinkt. Corona wird nach der Studie als „weniger schwerwiegend“ wahrgenommen. Trotz zugebilligter erhöhter Ansteckungsgefahr verzichten die Befragten zunehmend auf „Vermeidungsverhalten“. Sie besuchen häufiger öffentliche Orte und Feiern und sehen Reisen als ungefährlicher. 58 Prozent befürworten nach der Studie eine allgemeine Impfpflicht. Etwa die Hälfte stimmt den derzeitigen Corona-Regeln zu – an den Rändern polarisiert es sich –, 27 Prozent gehen die Einschränkungen zu weit, 23 Prozent möchten mehr Schutz.

Apropos Polarisierung: Eindeutig geht aus der Studie hervor, dass sich die Gruppe der Menschen ohne Impfung in zwei Lager teilen lässt. Die Gruppe mit hoher oder mittlerer Impfbereitschaft unterscheidet sich statistisch kaum von den Einstellungen der geimpften Personen. Signifikant anders verhalten sich die ungeimpften Menschen mit niedriger Impfbereitschaft. Sie sehen prinzipiell keine Bedrohung durch Corona und halten die Abwehr für „überflüssig“. (Thomas Kaspar)

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