1. Startseite
  2. Politik

Viktor Orban offen rassistisch in Rede - Beraterin tritt zurück: „Reiner Nazi-Text“

Erstellt:

Von: Katja Thorwarth

Kommentare

Ungarns rechtsnationaler Ministerpräsident Viktor Orban wird in einer Rede in Rumänien offen rassistisch. Eine langjährige Vertraute zieht Konsequenzen.

Update vom Mittwoch, 27. Juli, 11.40 Uhr: Die Beraterin von Viktor Orban, die den ungarischen Staatschef seit 20 Jahren kennt, tritt zurück. Grund ist die Rede, die Orban am vergangenen Wochenende in Rumänien gehalten hatte. Dort hatte er vor einer „gemischtrassigen Welt“ gewarnt.

Hegedus hatte die Rede als „reinen Nazi-Text“ bezeichnet, wie ungarische Medien berichteten. Ein Sprecher Orbans hingegen wiegelte ab und sagte, die Medien hätten die Kommentare falsch wiedergegeben. In der regierungsnahen Tageszeitung Magyar Nemzet wurde Orban in einem Artikel dafür gelobt, dass er die Idee der Nationalität gegen das Bestreben verteidige, alle Nationen „zu einer grauen, ununterscheidbaren Masse“ zu vermischen.

Ungarns Staatschef Viktor Orban ist für seine nationalistischen Töne bekannt. (Archivfoto)
Ungarns Staatschef Viktor Orban ist für seine nationalistischen Töne bekannt. (Archivfoto) © IMAGO/Beata Zawrzel

Orban offen rassistisch: „Wir wollen nicht zu Gemischtrassigen werden“

Erstmeldung, 25. Juli: Baile Tusnad – Viktor Orban, Ungarns rechtsnationaler Ministerpräsident, sprach am Samstag (23. Juli) im rumänischen Kurort Baile Tusnad vor Tausenden Anhänger:innen. In erster Linie rechnete er mit dem Westen ab und insbesondere mit seiner Strategie im Ukraine-Krieg gegen Russland. „Wir sitzen in einem Auto mit vier kaputten Reifen“, erklärte Orban: „Die Sanktionen erschüttern Russland nicht.“ Dafür würden in Europa „Regierungen fallen wie Dominosteine“. Er erwähnte dabei die Entwicklungen in Italien, Großbritannien, Bulgarien und Estland.

Vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine habe der Westen die Sicherheitsansprüche Moskaus ignoriert, kritisierte Orban. „Mit US-Präsident (Donald) Trump und Bundeskanzlerin (Angela) Merkel wäre dieser Krieg nie passiert“, meinte er.

Ungarn: Orban gegen Sanktionspolitik gegen Russland

Ungarn ist seit 1999 Mitglied der Nato und seit 2004 der EU. Die Sanktionspolitik trug Orban bislang mit, erzwang aber mit einer Vetodrohung eine Ausnahmeregelung für russische Ölimporte. Zum russischen Präsidenten Wladimir Putin pflegt Orban immer noch ein recht gutes Verhältnis. Man müsse mit Moskau verhandeln und nicht die Ukraine aufrüsten, führte er in seiner Rede weiter aus.

Orban regiert seit 2010. Ihm wird das Aushöhlen von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit vorgeworfen, weswegen er auch mit der EU in Konflikt steht. Gegen Ungarn laufen derzeit mehrere Verfahren, darunter eines im Rahmen des neuen Rechtsstaatsmechanismus, das zum Entzug von EU-Fördermitteln führen könnte. Auch wegen Orbans repressiver Asylpolitik erlitt Ungarn mehrere Niederlagen vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH).

Im rumänischen Baile Tusnad nun beharrte Orban darauf, mit Grenzzäunen und Abschiebungen Europa vor der „islamischen Zivilisation“ zu schützen. Neben dieser islamophoben Aussage setzte Orban bei seiner Rede auch offen rassistisches Vokabular und Argumente ein.

Viktor Orban will Ungarn vor „islamischen Zivilisation“ schützen

„Es gibt nämlich jene Welt, in der sich die europäischen Völker mit den Ankömmlingen von außerhalb Europas vermischen“, führte er aus. „Das ist eine gemischtrassige Welt.“ Dem gegenüber gebe es das Karpatenbecken, wo sich europäische Völker wie Ungarn, Rumänen, Slowaken und andere miteinander vermischten. „Wir sind bereit, uns miteinander zu vermischen, aber wir wollen nicht zu Gemischtrassigen werden“, betonte Orban.

Orban trat im rumänischen Baile Tusnad (ungarisch: Tusnadfürdö) auf, das in einem kompakten ungarischen Siedlungsgebiet in Siebenbürgen liegt. Bis 1918 hatte die Region zu Ungarn gehört. Die Fidesz-Partei hält dort seit mehr als drei Jahrzehnten eine Sommerakademie ab - und Orban, der ein Fidesz-Mitbegründer ist, traditionell die Abschlussrede. (ktho/dpa)

Auch interessant

Kommentare