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Die Crypto AG: Neutraler Kasten, dem man nichts Geheimdienstliches jemals würde andichten wollen.

Abhöroperation „Rubikon“

Crypto-Leaks: Die unfeinen Geschäfte des BND

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Die Affäre aus dem Schweizer Steinhausen offenbart eine wohl typische, aber auch sehr zweifelhafte Agentenpraxis. Über Jahrzehnte hinweg.

Nach den Enthüllungen über die Abhöroperation „Rubikon“ von BND und CIA fordert der Linken-Politiker André Hahn eine umfassende und rückhaltlose Aufklärung des Geschehens. Die Bundesregierung müsse darlegen, was der BND mit den aus „Rubikon“ erlangten Erkenntnissen getan oder nicht getan habe und was es mit den schwarzen Kassen beim Geheimdienst auf sich habe, in die über Jahrzehnte hinweg Millionenbeträge aus den Gewinnen der Schweizer Firma Crypto AG geflossen seien.

Medienberichten zufolge versorgten BND und CIA seit 1970 gemeinschaftlich und mit Hilfe der von Siemens gesteuerten Crypto AG in Steinhausen (Kanton Zug) die Regierungen von rund 100 Staaten weltweit mit manipulierter Abhörtechnik, um deren Kommunikationsverkehr heimlich mitlesen zu können. Ausspioniert wurden Länder in Südamerika, Afrika, Asien und Europa, darunter auch EU-Partner wie Irland und Nato-Mitglieder wie Spanien, Italien und Portugal. Der BND soll 1993 aus der Crypto AG ausgestiegen sein.

Gute Kontakte von vor 1945

Die nun vorliegenden Geheimdienstakten belegen erstmals den bereits seit vielen Jahren bestehenden Verdacht gegen Crypto, ein heimliches Werkzeug westlicher Dienste gewesen zu sein. Und zwar nicht erst seit den 70er Jahren, als BND und CIA die Aktien der Firma übernahmen. Schon Mitte der 50er Jahre hatte der US-Abhördienst NSA nach Informationen der FR erfolgreich seine Finger nach der Firma ausgestreckt. William Friedman, ein hochrangiger NSA-Offizier, war damals in die Schweiz gereist, um seinen Freund, den schwedischen Crypto-Gründer Boris Hagelin, zur Kooperation zu bewegen.

Hagelin, ein 1892 geborener Russe, hatte im Zweiten Weltkrieg eine Chiffriermaschine entwickelt und 140 000 Stück davon an die US-Army verkauft. Friedman brauchte daher nicht viel Überzeugungsarbeit aufzubieten, um das „Boris-Projekt“ – so der NSA-Code für die Kooperation – zu vollenden. Fortan entsandte die NSA eigene Chiffrierexperten als Berater nach Steinhausen.

Nach dem Unfalltod von Hagelins Sohn 1970, der nach dem Ausscheiden des Vaters die Firma geführt hatte, übernahmen BND und CIA die Anteile an dem Unternehmen. Auch wenn die beiden Dienste offiziell nicht als Eigner in Erscheinung traten, gab es deutliche Hinweise auf die nachrichtendienstliche Steuerung der Firma. So war die von einem Treuhänder geführte Liechtensteiner Stiftung, in der die Crypto-Anteile ruhten, der Bundesvermögensverwaltung zugeordnet – eine beliebte Tarnlegende des Bundesnachrichtendienstes.

Auch gab es schon in den frühen 90ern Aussagen mehrerer Crypto-Angestellten, wonach ihre Programmierchefs sich die Algorithmen erst in Deutschland bestätigen lassen mussten, bevor man sie für die Chiffriermaschine CX-52 verwendete. 1996 zitierte der „Spiegel“ einen Ex-Crypto-Mitarbeiter mit den Worten, dass er seine Entwicklungen immer mit den „Leuten von Bad Godesberg“ habe abstimmen müssen. Dort habe der BND seine „Zentralstelle für Chiffrierwesen“ angesiedelt.

1992 wurde der damalige Verkaufsingenieur von Crypto in Teheran festgenommen und neun Monate in Untersuchungshaft gehalten. Das Regime hatte gemerkt, dass ihre Crypto-Chiffriergeräte von den Amerikanern mühelos geknackt wurden. Nach seiner Freilassung erhob der Ingenieur daheim in der Schweiz schwere Vorwürfe gegen seine Firma: Sie sei ein Nachrichtendienst. In dem darauf von der Crypto angestrengten Verleumdungsprozess wollte der Mitarbeiter einen Zeugen aufbieten, der vor Gericht über die Zusammenarbeit mit Geheimdiensten berichten sollte. Eine Woche vor dem Zeugenauftritt war der Prozess beendet – Crypto hatte sich mit dem Ingenieur außergerichtlich geeinigt.

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