Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Fünf Jahre ist das her, dass 196 Staaten in Paris das erste Klimaabkommen beschlossen.
+
Fünf Jahre ist das her, dass 196 Staaten in Paris das erste Klimaabkommen beschlossen.

Weltklima

Und Paris wirkt doch

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
    schließen

Fünf Jahre nach dem Weltklimavertrag mehren sich die Zeichen, dass die Staaten doch umsteuern und die Erderwärmung bremsen. Klappt wenigstens das Zwei-Grad-Ziel?

Der Jubel war riesig. Es sei „die schönste und friedlichste aller Revolutionen vollbracht worden, die Revolution für den Klimaschutz“, sagte Frankreichs damaliger Präsident François Hollande. Ban Ki Moon, der sonst zurückhaltende UN-Generalsekretär, zeigte Anflüge von Euphorie: „Was einst undenkbar war, erscheint jetzt unaufhaltbar.“ Und selbst die Greenpeace-Aktivisten konstatierten: „Paris gibt der Welt Hoffnung.“

Fünf Jahre ist das her. Am Abend des 12. Dezember 2015 hatten Delegierte aus 196 Staaten im Kongresszentrum Le Bourget bei Paris das erste Klimaabkommen beschlossen, das alle Staaten verpflichtet, auf die CO2-Bremse zu treten. Ziel: Den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf „deutlich unter zwei Grad“ im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen und sogar 1,5 Grad anzupeilen. Auch wurde erstmals festgelegt, dass die Emissionen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts auf netto null sinken müssen.

Klappt das Zwei-Grad-Ziel?

Paris folgte sechs Jahre nach dem Flop des Kopenhagen-Gipfels 2009, als der erste Anlauf für den Vertrag gescheitert war. Anders als damals waren große Player wie die USA, China oder Russland offen für Kompromisse. Und die kleineren, von der Klimakrise besonders bedrohten Staaten setzten durch, dass die Empfehlung in den Vertragstext kam, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das war vor allem ein Verdienst von Tony de Brum, dem damaligen Außenminister der Marshallinseln und „Helden des Gipfels“.

Höchst ambitioniert war das, da zu diesem Zeitpunkt bereits 1,1 Grad erreicht waren. Inzwischen sind es rund 1,2 Grad. Das Problem: Die nationalen Klimapläne, die die Länder dann beim UN-Klimasekretariat einreichen mussten, reichten bei weitem nicht aus, die zwei, geschweige denn die 1,5 Grad einzuhalten. Sie brachten die Welt auf einen Pfad von drei Grad oder mehr. Nach der aktuellen Bilanz der Initiative „Carbon Action Tracker“, die auch verbesserte Pläne einrechnet, sind es immer noch 2,6 Grad.

Inzwischen aber, fünf Jahre nach dem Durchbruch von Paris, mehren sich die Zeichen, dass der Paris-Vertrag doch funktioniert. So haben 127 Länder und die EU bereits ein Netto-Null-Ziel oder ziehen es in Erwägung.

Wie stark „Paris“ wirkt, wird man am heutigen Samstag sehen können. Die Vereinten Nationen und die britische Regierung, Gastgeberin der nächsten UN-Klimakonferenz 2021 in Glasgow, haben zu einem virtuellen Klimagipfel eingeladen. Hintergrund ist die Bestimmung aus dem Abkommen, dass die Klimaziele der Länder alle fünf Jahre nachgebessert werden müssen. Sprechen dürfen nur Staats- und Regierungschefs, die eine deutliche Anhebung ihrer Klimaziele präsentieren können. Immerhin sechs der zehn Obereinheizer des Planeten werden präsent sein: China, Indien, die EU, Japan and Kanada. Für die USA werden zwei Gouverneure dabei sein, die für den ambitionierten Klimakurs des designierten US-Präsidenten Joe Biden stehen. Fehlen werden aber große Verschmutzer wie Australien, Brasilien, Indonesien and Mexico.

Der UN-Klimabeauftragte Nigel Topping sieht Anzeichen, dass ein Wettbewerb der Länder um die ehrgeizigsten CO2-Ziele eingesetzt hat. Als wichtigstes Signal gilt hier, dass auch China als der mit Abstand größte globale CO2-Emittent inzwischen Klimaneutralität bis spätestens 2060 und einen „Peak“ seiner Emissionen vor 2030 angekündigt hat. Wichtige Länder und Blöcke wie die EU, Japan und Südkorea peilen die Netto-Null für 2050 an, die USA, weltweit Nummer zwei bei den Emissionen, werden nach Bidens Ankündigung folgen.

Die fünf Jahre Paris hätten gezeigt, dass „die Transformation zu einer Netto-Null-Wirtschaft einen exponentiellen Charakter hat“, meint Topping. Es wäre ein neues Paradigma: Klimaschutz gälte nicht mehr vor allem als Kostentreiber, sondern als Investition in die Wettbewerbsfähigkeit. Topping warnt Länder, die das noch ausblenden. „Wer in dem Rennen zu spät beginnt, könnte nie mehr aufholen.“ Es sei schwierig, „eine exponentielle Kurve zu jagen“.

Für den sich anbahnenden Paradigmenwechsel spricht eine Studie zu den Paris-Folgen in der Wirtschaft, die der britische Thinktank „Systemiq“ jetzt vorgelegt hat. Danach befanden sich klimafreundliche Technologien 2015 praktisch nur in Nischenmärkten. Heute hingegen stünden bereits für ein Viertel der globalen Emissionen CO2-freie Alternativen zur Verfügung und bis 2030 werde dieser Anteil auf 70 Prozent wachsen. Solar- und Windstrom würden dann praktisch überall billiger sein als der aus Kohle und Erdgas, E-Autos und Wärmepumpen zum Heizen dann im Massenmarkt angekommen. Die technischen Innovationen und Kostensenkungen seien viel schneller gekommen als erwartet, sagte Systemiq-Chef Jeremy Oppenheim: „2030 ist das neue 2050.“

Hoffen auf Peking

Auch manche Klimaexperten glauben, dass zumindest das Zwei-Grad-Limit nicht mehr außer Reichweite ist. Die Initiative „Climate Action Tracker“ (CAT) prognostizierte in dieser Woche, mit den jüngsten Klimaankündigungen der Big Player wie China, USA und Japan sei es drin, die Erwärmung im Jahr 2100 auf 2,1 Grad zu begrenzen. Alleine das Versprechen Pekings zur Klimaneutralität bis 2060 bringe eine Minderung um 0,2 bis 0,3 Grad.

Das setzt aber natürlich voraus, dass die Ankündigungen auch umgesetzt und auch ambitionierte Zwischenziele für 2030 beschlossen werden. Deswegen sind auch nicht alle Experten euphorisch. Ottmar Edenhofer, Direktor und Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, sagt zu den CAT-Zahlen: „In diesen Wein muss man etwas Wasser schütten.“ Er glaube Politikern die Netto-Null-Ziele erst, wenn sie auch einen langfristig steigenden CO2-Preispfad ankündigten. „Das sehen Investoren schließlich auch nicht anders.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare