Peru

Unbequeme Hilfe aus Deutschland

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Peru streitet über Gedenken an Bürgerkrieg.

In Peru hat das Angebot Deutschlands Streit ausgelöst, ein Museum der Erinnerung an die Opfer des Bürgerkriegs 1980-2000 zu finanzieren. Die Regierung hat die an diesen Zweck gebundene Spende zurückgewiesen.

Ministerpräsident Yehude Simon bestritt jedoch, dass die Regierung die Spende abgelehnt habe. Sie wolle das Geld nur umwidmen zugunsten der Opfer, etwa in Form von Reparationen oder für Schulen und Gesundheitsstationen. Verteidigungsminister Ántero Flores-Aráoz sagte: "Wenn ich Menschen habe, die ins Museum gehen wollen, aber nichts zu essen haben, dann sterben sie an Hunger… Es gibt eben Prioritäten". Der Frage, ob das Argument auch auf sein Ressort anzuwenden sei, wich er aus.

Das deutsche Angebot geht auf den Peru-Besuch von Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) im März 2008 zurück, die sich damals eine Foto-Ausstellung zu den Schrecken des Bürgerkrieges ansah. Wie die peruanische Presse unter Berufung auf deutsche Diplomaten berichtete, sei das Angebot, mit 1,56 Millionen Euro ein Museum zu finanzieren, bei der Regierung Perus von Anfang an auf Vorbehalte gestoßen. Obwohl Berlin signalisiert habe, Hilfe für die Betroffenen zusätzlich fördern zu können, habe die Regierung in Lima das Vorhaben auf Eis gelegt.

Bei Bürgerrechtlern, Intellektuellen, Künstlern und auch unter den Hinterbliebenen hat die Zurückweisung heftige Kritik ausgelöst. Der Schriftsteller Mario Vargas Llosa, Perus berühmtester Maler Fernando de Szyszlo und Gustavo Gutiérrez, der Begründer der Befreiungstheologie, haben eine Protestnote unterzeichnet. "Es ist bedauerlich, dass der Regierung der Wille fehlt, die Erinnerung zu fördern und pflegen, damit sich die Vergangenheit nicht wiederhole", sagte Menschenrechtsaktivist Francisco Soberón.

Der peruanischen Wahrheitskommission zufolge wurden damals 70 000 Menschen umgebracht. Fast die Hälfte von ihnen wurde Opfer des Militärs, das damals, ebenso wie die maoistische Guerrilla, mit großer Brutalität gegen die Zivilbevölkerung vorging.

Dass der Regierung nicht viel am Erinnern liegt, dürfte damit zusammenhängen, dass Präsident Alan García während seiner ersten Amtszeit 1985 bis 1990 direkt verantwortlich war für das Vorgehen der Armee. Auch das Militär lässt die Vergangenheit lieber ruhen. Verteidigungsminister Flores macht sich dafür stark, den über hundert Menschenrechts-Prozessen gegen Militärs ein Ende zu setzen, die "das Vaterland im Kampf gegen die Überbleibsel der Guerrilla verteidigt haben".

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