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Nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Unionsfraktion wird Ralph Brinkhaus von Unterstützern gefeiert.

Ralph Brinkhaus

Unauffällig, aber zielstrebig

Der neue Unionsfraktionschef Brinkhaus will Kanzlerin Merkel auf Augenhöhe begegnen.

Wer Ralph Brinkhaus am Rednerpult des Bundestages und im persönlichen Gespräch erlebt, registriert rasch seine Zielstrebigkeit. Auf seinem Schreibtisch im Bundestagsbüro steht ein weißer Keramik-Geißbock. Der Westfale ist fest vom Wiederaufstieg seines 1. FC Köln überzeugt, er selbst spielt von sofort an in der obersten Liga der Bundespolitik. 

Die Teilnehmer der Unionsfraktion haben am Dienstag mehrheitlich Brinkhaus als ihren Vorsitzenden im Parlament gewählt.  Überraschend löste der bisherige Fraktionsvize damit Volker Kauder an der Spitze ab. „Er brannte förmlich für den Fraktionsvorsitz“, beschrieb der CDU-Politiker Gunther Krichbaum die Bewerbungsrede des 50-Jährigen, eines gelernten Steuerberaters.

Brinkhaus wurde unterschätzt und Kauder zum Blitzableiter für einigen Frust über Merkel. Sein Programm: Nach 13 Jahren Kauder brauche es neue Köpfe, Aufbruch, frischen Wind. „Ich kandidiere für neuen Schwung in der Fraktion, nicht gegen die Kanzlerin“, betonte er vor der Wahl. Er stehe loyal zu Merkel. Merkel zu beschädigen sei genau das, was niemand wolle – „und schon gar nicht ich“, waren seine Worte. Als er nach dem Erdbeben in der Fraktion, seinem völlig überraschenden 125 zu 112 Stimmen-Sieg kurz vor die Kameras tritt, sagt der 50-Jährige trocken: „Jetzt geht es ganz schnell darum, wieder an die Arbeit zu kommen.“ Von morgen an müsse man wieder das tun, „was die Menschen von uns erwarten: an der Sache zu arbeiten.“

Brinkhaus war 1984 über die Junge Union zur CDU gekommen. Er ging zur Bundeswehr, zu den Panzerjägern im westfälischen Augustdorf, studierte Wirtschaftswissenschaften und arbeitete als Steuerberater. Seit 2009 sitzt er für den Wahlkreis Gütersloh im Bundestag. Seine Heimat ist geprägt von Konzernen wie Bertelsmann, Miele und den Landmaschinenbauer Claas. Auf diese wirtschaftliche Stärke verweist der in Rietberg aufgewachsene Brinkhaus gern. 

Im Januar 2014 wurde er stellvertretender Fraktionschef im Bundestag und machte sich einen Namen als Experte für Haushalts- und Finanzfragen. Dabei gehörte er nie zu den Lautsprechern im Plenum, sondern wägte seine Worte – auch gegenüber der Presse – lieber ab.

Zugleich brachte er seine Themen mit Nachdruck vor: So meldete er sich 2015 im Schuldenstreit mit Griechenland kritisch zu Wort und forderte eine strenge Aufsicht über die Hilfen der Euro-Länder für Athen. Im April diesen Jahres trat Brinkhaus bei den angestrebten Reformen der Euro-Zone im Namen der Unions-Fraktion überraschend deutlich auf die Bremse und nahm damit auch mancher Euphorie in Paris und Berlin den Wind aus den Segeln.

Brinkhaus will auch in Themen wie Migration Akzente setzen. „Wir hebeln das Recht auf Asyl aus, wenn wir jedem ein Bleiberecht bieten“, schreibt er auf seiner Internetseite. „Wann wir am Ende unserer Möglichkeiten sind, müssen wir in dieser sich schnell verändernden Welt von Jahr zu Jahr neu entscheiden.“ Zugleich stellt er sich hinter Maßnahmen der großen Koalition wie das Baukindergeld, dessen Kosten Kritiker für zu hoch halten. 

Brinkhaus ist kein Abnicker – er steht in Zeiten einer erstarkenden AfD für einen konservativen Kurs mit klarer Handschrift. Und mehr Selbstbewusstsein gegenüber Merkel und ihrer Regierung.

Anfangs belächelt für seine Kandidatur, zog er westfälisch-stur das Ding durch – kein prominenter Unions-Politiker schlug sich öffentlich auf seine Seite. Nun reiht er sich ein in eine illustre Liste an der Spitze der Unionsfraktion mit Namen wie Rainer Barzel, Helmut Kohl, Wolfgang Schäuble – und Angela Merkel. (rtr/dpa)

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