Wähler:innen in Iowa betreten ein Wahllokal um ihre Stimme abzugeben.
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Wähler:innen in Iowa betreten ein Wahllokal um ihre Stimme abzugeben.

US-Wahl

Unangenehmes Déja-vu

  • Alicia Lindhoff
    vonAlicia Lindhoff
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Warum die Umfragen zur US-Wahl im Vorfeld schon wieder so falsch lagen.

Und es ist wieder passiert. Erneut haben die allermeisten Wahlprognosen den Demokraten einen deutlichen Sieg prognostiziert – der sich dann im Laufe der Wahlnacht als krasse Fehleinschätzung erwies. Das gilt, obwohl die meisten Umfrageinstitute durchaus damit gerechnet hatten, dass sich die Karte in der Wahlnacht zunächst hauptsächlich rot einfärben und erst mit dem Auszählen der Briefwahlstimmen ins Blau überwechseln könnte.

Doch es bleibt dabei: Nahezu die gesamte Branche hat Donald Trumps Chancen auf eine erneute Präsidentschaft viel zu niedrig eingeschätzt. In wichtigen Staaten wie Florida, Michigan oder Ohio verschätzten sich die Meinungsforscher:innen im Durchschnitt um fünf bis acht Prozent – zugunsten der Demokraten. Nate Silver, ein führender Meinungsforscher der USA und Chefredakteur des Nachrichtenportals fivethirtyeight.com, ging auf Twitter von einem Durchschnittsfehler von etwa drei Prozent aus.

Das wäre vergleichbar mit der Situation 2016, bei der die Branche Hillary Clinton als sichere Gewinnerin gesehen hatten. Nach diesem Schock wollte man eigentlich alles tun, um den ramponierten Ruf der Demoskopie wieder aufzupolieren. Alle Institute schraubten an ihren Methoden und Modellen.

Doch wieso unterschätzten sie wieder so deutlich die Zustimmung zu Donald Trump und den Republikanern? Die Frage ist zu diesem Zeitpunkt nicht eindeutig beantwortbar. Doch es gibt Hinweise darauf, dass vor allem eine Fehleinschätzung ins Gewicht fiel: Die meisten Institute gingen davon aus, dass ein deutlicher Anteil älterer, weißer Männer, die 2016 für Trump gestimmt hatten, in der Zwischenzeit ihre Meinung geändert habe – etwa wegen Trumps Umgang mit der Pandemie. Doch ein solcher Sinneswandel scheint letztlich nicht stattgefunden zu haben – zumindest nicht im erwarteten Ausmaß. Woher rührt dieser Irrtum? Ein Erklärungsansatz ist, dass Trumps treueste Anhänger längst so skeptisch gegenüber Medien, Politik und Wissenschaftsbetrieb sind, dass sie sich schlichtweg weigern, an Umfragen teilzunehmen – und die Rechenmodelle das nicht ausreichend erfasst haben.

Diese Umfrage-Krise sei unabhängig von den konkreten Gründen eine „Katastrophe für die amerikanische Demokratie“, schreibt das US-Magazin „The Atlantic“. Auf diese Weise werde es für Politiker wie Trump noch leichter zu behaupteten, sie verkörperten „den wahren Willen des Volkes“. Denn: „Das mag falsch sein, aber wer kann schon das Gegenteil behaupten – ohne verlässliche Umfragen?“

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