Türkei und Ägypten

„Umzingelt und bedroht“

Die Spannungen zwischen der Türkei und Ägypten stellen eine wachsende Bedrohung für die Region dar. Der Konfliktforscher Riccardo Fabiani befürchtet weitere Eskalationen.

Die Spannungen zwischen der Türkei und Ägypten stellen nach Worten des Konfliktforschers Riccardo Fabiani eine wachsende Bedrohung für die Region dar. Seit acht Monaten sei eine diplomatische und militärische Eskalation zu beobachten, sagte der für Nordafrika zuständige Mitarbeiter der International Crisis Group. Für die kommenden Wochen und Monate werde dort die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung am höchsten eingeschätzt.

Die Beziehungen der beiden Länder verschlechtern sich seit Jahren, auch weil Ankara die Muslimbruderschaft unterstützt, während Kairo die Islamisten als Terroristen bekämpft. Im November schreckte eine Vereinbarung der Türkei mit der international anerkannten libyschen Regierung in Tripolis auch Ägypten auf, weil die Vertragspartner Mittelmeergebiete unter sich aufteilten, in denen große Erdgasfelder liegen. Nach internationalem Seerecht hätten die betroffenen Küstenstaaten an der Entscheidung beteiligt werden müssen. Im Januar entsandte die Türkei Milizen nach Libyen, um gegen Rebellengeneral Chalifa Haftar zu kämpfen, den Ägypten unterstützt.

„Dieses Vorgehen der Türkei veränderte alles“, sagt Fabiani. „Ägypten fühlt sich von den Türken zunehmend umzingelt und bedroht.“ Wenn türkische Milizen nun eine von Kairo definierte „rote Linie“ zwischen den Städten Sirte und Dschufra im Zentrum Libyens überschreiten, werde Ägypten eingreifen. „Das könnte ein begrenzter Militäreinsatz zur Sicherung der eigenen Grenze sein. Es könnte aber auch eskalieren.“ Das Sirte-Becken ist die wichtigste Erdöl-Region Libyens. Den deutschen Vorschlag einer Demilitarisierung von Sirte und Dschufra hält Fabiani für kaum durchsetzbar.

Nach dem Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi 2011 hatten in Libyen Milizen die Kontrolle übernommen und das Land mit Machtkämpfen ins Chaos gestürzt. Hauptakteure sind die von den UN anerkannte Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch und Rebellengeneral Haftar, deren Truppen und Milizen gegeneinander kämpfen. (epd)

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