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Dank ihrer geografischen Lage liegt die Mongolei beim Impfen weit vorn.
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Dank ihrer geografischen Lage liegt die Mongolei beim Impfen weit vorn.

Coronavirus

Mongolei Vorreiter beim Impfen – auch dank eifriger Diplomatie

  • VonFabian Kretschmer
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Die Mongolei liegt bei den Corona-Impfungen weit vorn – auch weil Russland und China sich mit Vakzinlieferungen überbieten.

Die geografische Lage der Mongolei, eingequetscht zwischen Russland und China, bescherten dem Land historische Streitereien, internationale Abgeschiedenheit und ein für die Landwirtschaft harsches Kontinentalklima. Während der Corona-Pandemie jedoch hat sich diese Lage als vorteilhaft entpuppt.

Denn kein Staat in Asien hat seine Bevölkerung bislang schneller geimpft als die Mongolei. Derzeit haben bereits knapp 60 Prozent der 3,3 Millionen Menschen beide Dosen injiziert bekommen. In der Hauptstadt Ulan Bator kann man rein statistisch bereits von einer Herdenimmunität sprechen, denn weit mehr als 80 Prozent der Bewohner:innen haben zumindest ihre erste Spritze erhalten; unter den Erwachsenen sind es nahezu 100 Prozent.

Impffortschritt in der Mongolei: Dank Impfdiplomatie Chinas und Russlands an die Spitze Asiens

Dabei wurden die Chancen, unbeschadet durch die Pandemie zu kommen, für das wirtschaftliche Entwicklungsland noch vor wenigen Monaten als ungünstig eingeschätzt. Der „Economist“ ging in einer Prognose vom Januar noch davon aus, dass die Mongolei erst Ende 2022 ausreichend Zugang zu Vakzinen haben werde.

Doch nur wenige Wochen später entwickelte sich in dem Beziehungsdreieck mit Russland und China eine Eigendynamik: Anfang Februar ließ die Mongolei das Sputnik-Vakzin zu, wenige Tage später folgte der erste chinesische Impfstoff, Sinopharm. Wann immer künftig die eine Seite Impfstoffe lieferte, folgte die andere mit einer weiteren Sendung. Es wirkte, als wollten sich Moskau und Peking in ihrer Großzügigkeit als verlässlicher Partner überbieten.

„Die Impfdiplomatie ist eine Frucht, die aus der geografischen Lage heraus entstand. Bereits seit sozialistischen Zeiten war es für die Mongolei immer wichtig, gute Beziehungen sowohl zu China und Russland zu halten – und diese manchmal auch gegeneinander auszuspielen“, sagt Niels Hegewisch, der das Mongolei-Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung leitet.

Gebettet zwischen zwei Großmächten: China und Russland umwerben die Mongolei auch mit Impfstoff

Denn sowohl China als auch Russland haben ihrerseits ein starkes Interesse an stabilen Beziehungen zur Mongolei – allen voran aufgrund seiner reichhaltigen Energieressourcen wie Kohle. Gleichzeitig sind die beiden Weltmächte skeptisch, was den Einfluss der jeweils anderen auf die Mongolei angeht. Das setzte ein Buhlen um die Gunst des kleinen Nachbarstaats in Gange.

In der Bevölkerung, die tiefe Antipathien gegenüber China hegt, sind die Sympathien dennoch klar verteilt: Während die russischen Vakzine hoch im Kurs stehen, werden die Impfstoffe aus Peking oftmals verschmäht. Wer sich dennoch mit Sinopharm impfen lässt, dem bietet die Regierung einen finanziellen Anreiz von umgerechnet rund 15 Euro.

Dabei ging die Pandemie zunächst spurlos an dem Land vorbei. Aufgrund seiner nur zwei Landesgrenzen konnte sich die Mongolei nach dem Ausbruch in Wuhan rasch abschotten. Mehrere Monate gab es offiziell keinen einzigen Fall. Erst im November vergangenen Jahres registrierten die Behörden den ersten nennenswerten Anstieg der täglichen Infektionen.

Corona: Hohe Impfquote in der Mongolei – und trotzdem steigen die Neuinfektionszahlen erneut stark

Nach einem Lockdwon flachte die erste Welle dann bis zum Mai weitgehend ab. Doch derzeit steigen die Zahlen wieder exponentiell, teilweise gibt es mehr als 2000 Neuinfektionen pro Tag. Auch in Ulan Bator, wo viele zumindest einmal geimpft sind, infizieren sich täglich mehr als 1000 Menschen. Das lässt Zweifel an der Wirksamkeit der chinesischen Impfstoffe aufkommen, die vor allem vor einem schweren Verlauf schützen – aber im Vergleich zu den Vakzinen von Biontech oder Moderna wohl nicht so effizient dafür sorgen, dass man sich nicht mehr infiziert.

„Es fehlt auch das Bewusstsein innerhalb weiten Teilen der Bevölkerung, dass es zwei Impfstoffdosen benötigt. Viele wiegen sich nach ihrer ersten Dosis bereits in einem falschen Sicherheitsgefühl“, sagt Mongolei-Experte Hegewisch. Derzeit erinnere im Alltag von Ulan Bator nur mehr wenig an eine Pandemie: Bars und Fitnessstudios sind offen, Abstands- und Quarantäneregeln werden höchstens halbherzig befolgt.

Auch in der Mongolei zeigt sich: Wer sich den Corona-Lockdown nicht leisten kann, verzichtet lieber

Dies hat zum einen mit der Präsidentschaftswahl in der vergangenen Woche zu tun, vor der die Regierung aus wahltaktischen Gründen unbedingt einen Lockdown verhindern wollte – was sich nicht ausgezahlt hat, denn der bisherige Amtsinhaber Khaltmaa Battulga von der Demokratischen Partei wurde von Ukhnaa Khurelsukh von der Volkspartei abgelöst.

Gleichzeitig ist ein Lockdown tatsächlich eine Katastrophe für die vielen Kleinstunternehmen, die in einem Land ohne nennenswertes Sozialsystem kaum finanziell abgesichert sind. „Die wirtschaftlichen Schwächen, die die Mongolei ohnehin hatte, wurden von Covid offengelegt“, sagt Niels Hegewisch. (Fabian Kretschmer)

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