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Zweifelhaftes Glücksspiel: Unternehmer Paul Gauselmann.

Paradise Papers

Die Umtriebe deutscher Milliardäre

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In den Daten der Paradise Papers tauchen Pharma-Erben und ein Glücksspiel-Mogul aus Deutschland auf.

Trust ist an sich ein schöner Begriff. Er bedeutet Hoffnung, Glaube, Vertrauen, Zuversicht. So tragen US-Münzen seit mehr als 150 Jahren das Bekenntnis „In God we trust“. Allerdings hat die Vokabel weitere Bedeutungen – etwa Syndikat, Stiftung oder Treuhandgesellschaft –, die im Zusammenhang mit den Enthüllungen der sogenannten Paradise Papers zur deutschen Milliardärsfamilie Engelhorn eine zentrale Rolle spielen. 

Fest steht, dass Familienpatriarch Curt Engelhorn über diverse Trusts seinen Töchtern Carolin und Elisabeth beträchtliche Summen zukommen ließ, ohne dass diese ordnungsgemäß versteuert wurden. Nach staatsanwaltlichen Erkenntnissen sollen 440 Millionen Euro Schenkungssteuer hinterzogen worden sein. Im Oktober 2013 wurden die Töchter deshalb vorübergehend in Untersuchungshaft genommen. Schließlich einigte man sich mit den bayerischen Finanzbehörden auf eine Steuernachzahlung von 145 Millionen Euro. Denn die Ermittler hatten nicht alle Vorwürfe lückenlos erhärten können.

Nun legt ein aktueller Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) zu den Paradise Papers nahe, dass Carolin und Elisabeth Engelhorn noch weit höhere Summen an der Steuer vorbei erhielten, als bisher angenommen. Zu den 44 Trusts, Briefkastenfirmen und Offshore-Stiftungen, die den Ermittlern bereits bekannt sind, kommen laut „SZ“ noch einmal 38 in Steueroasen ansässige Gesellschaften hinzu, die den Paradise Papers zufolge der Familie Engelhorn zuzuordnen sind. Und die der Übertragung weiterer erheblicher Vermögenswerte an die genannten Töchter gedient haben könnten – unter Umgehung der fälligen Schenkungssteuer. 

Es könnte mithin zu neuen Verfahren gegen Carolin und Elisabeth Engelhorn kommen. Curt Engelhorn selbst würde davon nicht mehr berührt. Der Urenkel des BASF-Gründers Friedrich Engelhorn und Miteigentümer der Pharma-Firma Boehringer, der das Unternehmen 1997 für rund 19 Milliarden D-Mark an den Schweizer Konzern Hoffmann-La Roche verkauft hatte, starb im Oktober 2016 im Alter von 90 Jahren. 

Als zweiter schwerreicher Deutscher taucht Paul Gauselmann in den Paradise Papers auf. Der 83-jährige gebürtige Westfale wurde mit Glücksspielautomaten zum Milliardär, bundesweit betreibt sein Unternehmen rund 200 „Merkur“-Spielotheken sowie 200 weitere Automaten-Casinos im europäischen Ausland. Um auch am rasant wachsenden Markt der Online-Glücksspiele – unter Umgehung des deutschen Internet-Glücksspielverbots – teilhaben zu können, soll Gauselmann 2010 laut „SZ“ auf der Isle of Man eine Firma namens Edict IoM gegründet haben. Mit der von der Inselregierung erteilten Genehmigung und unter tätiger Mithilfe der Offshore-Kanzlei Appleby kann Gauselmanns Firma seither Onlinespiele im weltweiten Netz anbieten. 

Zwar verkaufte Gauselmann die Edict IoM nach Inkrafttreten des deutschen Glücksspielstaatsvertrags im Jahr 2012, in dem das inländische Online-Glücksspielverbot nochmals festgeschrieben wurde. Dies geschah offenbar aber nur pro forma. Der neue Eigentümer namens Bruncaster Limited, der bereits in der Vergangenheit als Inhaber von Briefkastenfirmen in Erscheinung trat, soll Gauselmanns Ableger auf der Isle of Man dem „SZ“-Bericht zufolge lediglich treuhänderisch übernommen haben.

In einer Stellungnahme verweist Gauselmann darauf, dass solche Trust-Strukturen durchaus üblich seien. Im Übrigen habe man sich nicht an illegalen Online-Glücksspielen in Deutschland beteiligt. 

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