Jeremy Irons.

Kritik

Umstrittener Präsident

Jeremy Irons führt die Jury, die Entscheidung wird kritisiert.

Die Stimme von Jeremy Irons ist besonders: Wenn er redet, hat man ein wenig das Gefühl, einer guten Geschichte am Kaminfeuer zuzuhören. Nun kommt der Schauspieler nach Deutschland. Der 71-Jährige leitet in diesem Jahr die Jury der Berlinale. Eine Entscheidung, die auch für Debatten sorgte.

Der Brite entscheidet nun mit sechs Kolleginnen und Kollegen, wer am Ende des Filmfestivals den Goldenen Bären und die

Silbernen Bären bekommt. „Für das Festival in Berlin zu sein, ist mir ein besonderes Vergnügen“, sagte Irons laut Berlinale-Mitteilung.

Der Schauspieler – mit seinen typischen Augenschatten – stammt von der südenglischen Isle of Wight. Seinen Durchbruch erlebte er in den 1980ern. Damals bekam er nicht nur die Hauptrolle in der Fernsehserie „Wiedersehen mit Brideshead“, sondern spielte auch im Kinofilm „Die Geliebte des französischen Leutnants“ mit Meryl Streep. „Die ikonischen Figuren, die Jeremy Irons verkörpert hat, und sein unverwechselbarer Stil haben mich auf meiner cineastischen Reise begleitet und mir die Komplexität der menschlichen Natur vor Augen geführt“, erklärte der Co-Leiter der Berlinale, Carlo Chatrian.

Für „Die Affäre der Sunny von B.“ hat Irons einen Oscar gewonnen. Rollen hatte er auch in „Eine Liebe von Swann“, „Das Geisterhaus“ und „Der Mann in der eisernen Maske“ mit Leonardo DiCaprio. In den 1990ern sprach er im Zeichentrickfilm „Der König der Löwen“ die Originalstimme für Scar. Zuletzt drehte er die Serie „Watchmen“.

Nachdem bekanntgegeben wurde, dass Irons diesmal Jurypräsident wird, gab es auch Diskussionen über frühere Aussagen des Schauspielers, etwa zur gleichgeschlechtlichen Ehe und zum Umgang mit Frauen. Die „Radio Times“ hatte Irons 2011 mit der Aussage zitiert, die meisten Frauen könnten mit ein wenig „freundlichem“ Kontakt von Männern umgehen: „Wenn ein Mann seine Hand auf den Hintern einer Frau legt, kann jede selbstbewusste Frau damit umgehen. Es ist Kommunikation.“

Die Zeitung „taz“ hatte darauf aufmerksam gemacht, ebenso auf ältere Äußerungen zu Abtreibungen. Er glaube, Frauen sollten die Entscheidung zu Schwangerschaftsabbrüchen treffen dürfen, zitierte ihn die Zeitung „Guardian“ 2016, aber er denke auch, dass die Kirche das Recht habe, das als Sünde zu bezeichnen.

Einige Kritiker werteten die Entscheidung, Irons zum Jurypräsidenten zu machen, danach als unglücklich. Manche aus der Filmbranche hätten sich mehr Feingefühl gewünscht.

dpa

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