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Bundeswehrsoldaten im „Wald der Erinnerung“.
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Bundeswehrsoldaten im „Wald der Erinnerung“.

Bundeswehr Potsdam

Umstrittener Ort des Gedenkens

  • Markus Decker
    VonMarkus Decker
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Ein „Wald der Erinnerung“ nahe Potsdam wird den toten Bundeswehrsoldaten gewidmet. Seit 1990 sind mehr als 100 Soldaten im Einsatz gestorben.

Ein „Wald der Erinnerung“ nahe Potsdam wird den toten Bundeswehrsoldaten gewidmet. Seit 1990 sind mehr als 100 Soldaten im Einsatz gestorben.

Ganz am Schluss stand Tanja Menz vor einem Wald aus Mikrofonen, während hinter ihr leise die Blätter von den hohen Bäumen fielen. Dies sei schon ein „besonderer und emotionaler Tag“, sagte die Mutter von jetzt noch drei Kindern. Und die Ruhe ringsherum, die finde sie genau richtig. Zuvor hat sie sich umgesehen an diesem Freitag im „Wald der Erinnerung“, auf dem Gelände des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam.

Tanja Menz’ Sohn Konstantin, das vierte Kind, war am 18. Februar 2011 von einem Attentäter in einer Uniform der afghanischen Armee in den Hals geschossen worden, als er einen Panzer reinigte. Auch 4,8 Liter fremdes Blut konnten den jungen Mann nicht retten. Er starb – so wie 103 weitere Bundeswehrsoldaten seit 1990 im Einsatz starben. Ihrer wird nun in diesem „Wald der Erinnerung“ gedacht, den Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) im Beisein von Bundespräsident Joachim Gauck heute einweihen wird.

Ein Ehrenmal für die 3200 seit 1955 im Dienst umgekommenen Bundeswehrangehörigen gibt es eigentlich schon. Es wurde unter der Ägide des damaligen Verteidigungsministers Franz Josef Jung (CDU) gebaut und ist seit 2009 zugänglich. SPD und Grüne monierten damals aber vor allem den Ort. Denn das Ehrenmal ist zwar mitten in Berlin, allerdings auf der Rückseite des Ministeriums und damit in einem toten Winkel. Ein ähnliches Problem stellt sich nun wieder. Der Standort des „Waldes der Erinnerung“ sei „beschämend“, sagte der einstige Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD). Die Kriegsopfer würden „versteckt“. Die Verantwortlichen sehen das anders.

Der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos, Hans-Werner Fritz, erklärte gestern, es seien zwei Anliegen zusammengekommen. Zunächst habe es den Wunsch der Hinterbliebenen gegeben, an einem eigenen Ort „derer zu gedenken, die im Dienst an unserem Land ihr Leben verloren haben“. Überdies habe sich automatisch die Frage gestellt, was mit all den Ehrenhainen geschehen solle, die an den Standorten der Auslandseinsätze entstanden sind: in Rajlovac/Sarajevo (Bosnien) sowie Kundus, Kabul, Faisabad und Baghlan (Afghanistan). Daraus sei in enger Abstimmung mit den Hinterbliebenen etwas entstanden, was man als Ergänzung des Ehrenmals am Bendlerblock verstehen müsse. „Ich freue mich über jeden, der hierher kommt und Kenntnis nimmt“, stellte der Generalleutnant klar. Besucher müssten an der Wache nur vorübergehend ihren Ausweis abgeben. Dann würden sie in den „Wald der Erinnerung“ geführt.

Dort empfängt den Gast zunächst ein vorn und hinten offener, aber überdachter Gang von knapp 20 Metern Länge, der mit Hilfe von Schaubildern und -tafeln über die Auslandseinsätze der Bundeswehr und die Orte des Gedenkens informiert. Danach kommt der Weg der Erinnerung mit sieben steinernen Stelen mit den Namen der seit 1993 im Auslandseinsatz getöteten Soldaten. Links und rechts davon sind teilweise erhöht die fünf Ehrenhaine aus den genannten Standorten. Die aus Prizren und Masar-i-Scharif werden hinzukommen, wenn die Einsätze beendet sind. Der „Weg der Erinnerung“ mündet in ein offenes Gebäude, das den Charakter einer Kapelle hat und den Namen „Ort der Stille“ trägt. Die gesamte Gedenkstätte wird von Bäumen gesäumt. Es ist ein zweifellos abgelegener, jedoch schöner und würdevoller Ort.

Marlis Böken, Mutter der unter ungeklärten Umständen auf dem Segelschulschiff „Gorch Fock“ zu Tode gekommenen Jenny Böken, ist jedenfalls zufrieden. „Das ist ein Denkmal, das lebt“, sagt sie. Mit einer Plakette werde sie einen der Bäume ihrer Tochter widmen.

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