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Umstritten

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Barghouti, der ideologische Kopf der Intifada und Parlamentarier aus Ramallah, wurde am 15. April 2002 von einem israelischen Sondereinsatzkommando

Barghouti, der ideologische Kopf der Intifada und Parlamentarier aus Ramallah, wurde am 15. April 2002 von einem israelischen Sondereinsatzkommando widerstandslos festgenommen. Welches politische Gewicht er sogar noch hinter Gittern besitzt, hat der 44-jährige Fatah-Führer aus der Westbank bewiesen, als er mittels seiner Anwälte die Gespräche zwischen den radikalen Palästinenser-Fraktionen über eine "hudna" (Waffenpause) vorantrieb. Hätte Barghouti sich auf freiem Fuß befunden, wäre die Sache "in einer Woche" über die Bühne gegangen, statt sich monatelang hinzuziehen, stellt sein Verteidiger Jawad Boulos gerne heraus.

Barghouti, der Unverzichtbare - auch für Premier Mahmoud Abbas, dessen Reformkurs Israels inhaftierter Staatsfeind Nummer eins offen unterstützt. Das hat damit zu tun, dass der basisverbundene wie charismatische Barghouti schon lange zu den Gegnern des autoritär-korrupten Führungsstils eines Yassir Arafats zählt. Zudem setzt er inzwischen trotz aller Skepsis auf die "Roadmap for Peace" als Verhandlungsweg zu einem Staat Palästina.

Von der Einsicht, den Mann freizulassen, ist man in Israel noch weit entfernt. Dort läuft gegen ihn seit einem Jahr ein mitunter tumultöser Strafprozess wegen terroristischer Aktivitäten, die er gelenkt haben soll. Schwer vorstellbar, dass Barghouti angesichts der staatsanwaltschaftlichen Kategorisierung seiner Person da ohne hartes Urteil rauskommt. Dennoch wird spekuliert, dass ein Deal im großen Stil zur vorzeitigen Entlassung Barghoutis führen könnte. Vorausgesetzt, Kairo und Washington spielten mit und begnadigten zeitgleich zwei Israelis: Azzam Azzam, der als angeblicher Agent in ägyptischen Kerkern sitzt, und Jonathan Pollard, ein in den USA verurteilter Spion.

Sollte es je dazu kommen, gingen für Barghouti mutmaßlich nicht nur die Gefängnistore auf. Seine Popularitätsrate von 22 Prozent beträgt mehr als das Zehnfache dessen, was Premier Abbas an Sympathien in Westbank und Gaza besitzt. Kein Wunder, dass der Name Barghoutis in keiner Nachfolgedebatte fehlt. geg

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