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Die Waffen abgeben, aber was dann? Ein Farc-Mitglied in Jaime Pardo Leal in Colinas im Department Guaviare.
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Die Waffen abgeben, aber was dann? Ein Farc-Mitglied in Jaime Pardo Leal in Colinas im Department Guaviare.

Kolumbien

Umschulung für Guerilleros

  • Klaus Ehringfeld
    vonKlaus Ehringfeld
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Die Entwaffnung der Farc geht voran, aber die Integration der Ex-Kämpfer bleibt eine große Herausforderung.

Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) vollenden in diesen Tagen das, was vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar schien: die Abgabe ihrer Waffen. Vergangene Woche händigten die Rebellen Vertretern der Vereinten Nationen im südwestlichen Departement Cauca in einem symbolischen Akt Tausende Pistolen, Gewehre, Granat- und Raketenwerfer aus.

40 Prozent des Farc-Arsenals sei nun offiziell übergeben, betonte ein UN-Vertreter am Donnerstag. Eigentlich sollte die Entwaffnung jetzt schon zu 60 Prozent erfolgt sein.

Dennoch versprach die Farc-Führung, die Abgabe allen Kriegsgeräts bis zum 20. Juni abzuschließen. Dann wäre die einst größte Rebellengruppe Lateinamerikas endgültig Geschichte. Auf dem Weg zum Frieden bleiben jedoch mindestens zwei weitere Schritte zu gehen: die Umwandlung der Farc in eine politische Partei sowie die Wiedereingliederung der rund 7000 Kämpfer in das zivile Leben.

Gerade die Reintegration in die Normalität ist eine große Herausforderung. Was macht man mit Tausenden Frauen, Männern und Jugendlichen, von denen viele in ihrem Leben nichts anderes gelernt haben, als Krieg zu führen und im Dschungel oder Untergrund zu leben? Unzählige Kämpfer der Rebellengruppe wurden als Kinder oder Jugendliche schon rekrutiert oder schlossen sich aus Mangel an Alternativen den Farc in jungen Jahren selbstständig an.

Guerilleros der 48. Front im Urwaldgebiet des Putumayo im Süden Kolumbiens haben kurz vor der Demobilisierung erzählt, wie sie sich ihre Zukunft im Frieden vorstellen. Und bei den Aussagen der Männer und Frauen im Alter von 19 bis 56 Jahren klingt in erster Linie Verunsicherung durch.

Für viele ehemalige Rebellen ist ein Leben in der Stadt oder in einem bürgerlichen Beruf kaum vorstellbar, einige wollen politisch für den Frieden arbeiten. Aber die meisten wollen nach Jahren und Jahrzehnten im Bürgerkrieg mit dem Thema Politik nichts zu tun haben: Männer träumen meist davon, Landwirte zu werden, andere wollen „etwas mit Computern“ machen, aber die Mehrzahl der Demobilisierten strebt einen medizinischen Beruf an: Krankenschwester und Krankenpfleger, Arzt und Zahnarzt stehen ganz oben auf der Wunschliste. Da den meisten Ex-Guerilleros dafür die notwendigen Voraussetzungen fehlen, hilft die staatliche Agencia Colombiana para la Reintegración (ACR), die Wiedereingliederungsagentur. Sie unterstützt beim Nachholen von Schulabschlüssen und gegebenenfalls bei der Suche nach einem geeigneten Studienplatz und bietet über maximal sechs Jahre psychologische und medizinische Hilfe. Wer sich selbstständig machen will, bekommt einen Mikrokredit.

Rund 50 000 ehemaligen Kämpfern der Farc-Rebellen, der kleineren, ebenfalls linken Guerilla ELN sowie der ultrarechten Paramilitärs hat die ACR seit ihrer Gründung vor knapp sechs Jahren in ein ziviles Leben verholfen. Nach Angaben von ACR-Direktor Joshua Mitriotti ist aber ein Viertel davon anschließend wieder zurück in die Illegalität gegangen.

Aber jetzt kommen auf Staat und ACR mit 7000 auf einen Schlag demobilisierten Farc-Kämpfern natürlich neue Herausforderungen zu. Daher hat die Regierung mit ausländischer Hilfe mehr Geld für die Wiedereingliederung freigegeben und Programme aufgelegt wie dieses: 315 Ex-Rebellen sollen zu Leibwächtern ausgebildet werden, um frühere Mitkämpfer zu schützen, die sich in exponierten Positionen, zum Beispiel in der Politik, befinden und von ultrarechten paramilitärischen Gruppen bedroht werden. Die künftigen Bodyguards dürfen keine Menschenrechtsverletzungen begangen haben und erhalten für ihre Arbeit umgerechnet 550 Euro, was dem dreifachen Mindestlohn in Kolumbien entspricht.

Auch Kuba bietet demobilisierten Farc-Guerilleros eine interessante Perspektive. Über die kommenden fünf Jahre will die kommunistische Regierung von Raúl Castro jeweils 100 Stipendien für entwaffnete Rebellen vergeben, damit diese auf der Insel Medizin studieren können.

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